Durch Klick auf das Logo 

gelangen Sie zur Startseite der raffinierten Homepage.

STARTSEITE

GESCHICHTE

PHILOSOPHIE

LITERATUR

DIVERSES

GÄSTEBUCH

LINKS

SUCHE

Zugriffe 

seit dem 27.09.04
© 2004 by Raffi.
Last Update: 03.11.04
 

 
 

Pierre Abaelard (1079-1142)

Der mittelalterliche Philosoph Pierre Abaelard wurde 1079 in Le Pallet bei Nantes geboren und starb am 21. April 1142 in Chalon-sur-Saône. Die Verbindung von Logik und Theologie wurde prägend für sein Denken; seine Zeitgenossen nannten ihn deshalb "Abälard, den Logiker". Bis in unsere Zeit berühmt wurde er aber wegen seiner unglücklichen Liebe zu Héloise.

Pierre Abaelard stammte aus dem niederen Adel. Er verzichtete auf sein Erbe, um sich ganz der Wissenschaft zu widmen. 1113 begann er ein Theologiestudium, interessierte sich aber auch für Logik. Er lehrte Logik und Dialektik in Paris und unterrichtete u.a. auch die späteren Päpste Alexander III. und Cölestin II. Seine akademische Karriere nahm ein abruptes Ende, als er sich in die schöne Héloise verliebte, die ihn auch mochte. Aus Rache liess deren Onkel Abaelard entmannen. Danach zog sich Abaelard 1119 ins Kloster Saint-Denis zurück. 1121 verurteilte eine Kirchenversammlung Abaelards Lehren über die Dreifaltigkeit als ketzerisch. Abaelard musste die Schriften eigenhändig ins Feuer werfen. Derart gedemütigt, liess Abaelard sich mit einigen Anhängern bei Nogent-sur-Seine nieder, wo er zu Ehren Paraklets eine Kirche erbaute. Um 1127 wurde er zum Abt von Saint-Gildas in der Bretagne gewählt, woraufhin er die Kirche des Hl. Geistes seiner ehemaligen Geliebten schenkte, die dort ein Frauenkloster einrichtete. Abaelard gelang es nicht, seine Mönche zu disziplineren. Aus Angst vor einem Mordkomplott flüchtete er 1133 aus der Abtei und unterrichte ab 1135 wieder in Paris. Konservative Theologen unter der Führung von Bernhard von Clairvaux griffen den unkonventionellen Denker an, der es gewagt hatte, an den Lehren des Kirchenvaters Augustinus' zu zweifeln. Abaelard wurde 1140 angeboten, auf der Synode von Sens einen Disput mit dem Gegner zu führen. Doch der hinterlistige Bernhard hatte die Bischöfe schon auf seine Seite gebracht und so wurde Abaelard ohne Anhörung als Ketzer verurteilt. Papst Innozenz II. wies Abaelards Beschwerde ab und verpflichtete ihn zu lebenslangem Stillschweigen. Von einer Krankheit geschwächt, verbrachte er seine letzten Lebensjahre im Kloster von Cluny, dessen Abt Peter sich für seine Rehabilitierung einsetzte.

Abaelard stellte die Vernunft über die Tradition. In seinem Hauptwerk Sic et Non stellte er kirchliche Lehrsätze, Bibel- und Väterzitate so zusammen, dass Widersprüche erkennbar waren. Er löste diese nicht auf, sondern wies darauf hin, dass abgewogen werden müsse. Damit wurde er zu einem Pionier der scholastischen Methode. Er wollte strenge logische Regeln anwenden, um auch in Glaubensfragen zwischen richtigen und falschen Aussagen zu unterscheiden. Petrus Abaelardus, wie er sich latinisiert nannte, war der Auffassung, Allgemeinbegriffe hätten nur eine subjektive Bedeutung, dem nichts Wirkliches entspreche. Nur das individuelle Einzelding sei wirklich. In diesem Sinne vertrat er im Universalienstreit eine ähnliche Position wie später der Nominalismus von William of Ockham. In der Ethik räumt Abälard der Gesinnung den Vorrang vor der Tat ein. Er hinterliess ein Werk, das nicht nur philosophisch-theologische Schriften umfasste, sondern auch geistliche Dichtungen, den fingierten Briefwechsel mit Héloise und eine Autobiographie, in der er seine Unglücksfälle beschrieb.

Literatur:   Peter Abaelard, Der Briefwechsel mit Heloisa, Stuttgart 1989, Reclam UB 8239.
Peter Abaelard, Gespräch eines Philosophen, eines Juden und eines Christen, Frankfurt am Main 1995, Insel.
Internet:   Werner Robl, Abaelard & Heloise - das berühmteste Liebespaar des Mittelalters, alles über die Tragödie.