Der Einmarsch von Hitlers Truppen in Österreich führte zum «Aufkommen meiner ersten
Todesangst», die Bachmann später in ihrer Dichtung zu bekämpfen sucht. Ein Studium der Philosophie, Psychologie und Germanistik in Innsbruck, Graz und Wien (1945-1950) schloss sie mit einer Dissertation über Heidegger ab. Während dieser Zeit kam Bachmann u.a. mit Celan und Aichinger in Kontakt. Während ihrer Zeit
als Redakteurin der Sendergruppe Rot-Weiss-Rot erschien ihr erstes Hörspiel Ein Geschäft mit
Träumen (1952); von dem im Publikationsjahr fertig gestellten Roman Stadt ohne Namen ist
nur das erste Kapitel überliefert. Ab 1953 arbeitete sie als freie Schriftstellerin und wurde
für ihren ersten Gedichtband Die gestundete Zeit (1953) ausgezeichnet, der von einer starke
Antipathie gegen die restaurativen Tendenzen der Wirtschaftswunderzeit zeugt, welche die Kriegsangst,
statt sie zu verarbeiten, nur verdrängt habe. In den lyrisch getönten Hörspielen suchte
Bachmann nach einer neuen, dem Medium angemessenen Form; es entstanden Zikaden (1955) und Der gute Gott von Manhattan (1958). Nach Aufenthalten in Italien, München,
Berlin und Cambridge lebte Bachmann von 1958 bis 1962 mit Max
Frisch in der Schweiz, anschliessend in Rom. Reisen nach Prag, Ägypten und in den Sudan folgten
1964. Die Umstände von Bachmanns Tod konnten bis heute nicht mit eindeutiger Sicherheit geklärt
werden; sie starb in ihrem Bett, nachdem dieses Feuer gefangen hatte. Unklar bleibt, ob es ein Unfall
oder Selbstmord war.
| Literatur: | Ingeborg Bachmann, Sämtliche Erzählungen, München 2003, Piper. Ingeborg Bachmann, Sämtliche Gedichte, München 1998, Piper. Ingeborg Bachmann, Der gute Gott von Manhattan, München 1963, dtv. |
| Internet: | Ricarda Berg, Ingeborg Bachmann Forum, gute Seite nur zur Österreicherin. |
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Das Hörspiel handelt von Idealen (besonders jenem der reinen, absoluten Liebe), die sich in der Welt nicht verwirklichen lassen; im Gegenteil: Ideale sind tödlich. Der Mensch träumt von ihnen, ihre Unerreichbarkeit ist eine schmerzliche Erfahrung für ihn. Ingeborg Bachmann beschreibt den Riss der Schöpfung, diese Tragik der menschlichen Existenz. Manhattan (indianisch: Himmlische Erde) umschreibt ihr Lebensgefühl: Der Mensch spürt das himmlische, strebt danach, muss aber auf der Erde bleiben, wenn er überleben will. Das Weibliche wird als dem Absoluten näher dargestellt.
| REALITÄT / WELT (haben) | IDEAL / PARADIES (sein) |
| rational, kühl | heissblütig, gefühlsorientierte |
| Ordnung als Maxime | bedingungslose Liebe |
| hinterhältig, argwöhnisch, bespitzelnd | naiv, verträumt |
| verdreht (Eichhörnchen!) | hingebungsvoll |
| lebt im Alltag, Durchschnittsbürger | vergisst alltägliche Welt und Zeit |
| Vernunft, Normalität, Verantwortung | Liebe, Gegenwart |
| planend, vorsehend | abwartend |
| Grenze, Vereinbarung auf Distanz | Entgrenzung, distanzlos (Absolutheit) |
| Vereinzelung | Entindividualisierung |
| Konvention, Rücksicht | rücksichtslos |
| Reden | Schweigen |
| Selbstkontrolle, Nüchternheit | Wahnsinn, Freiheit |
| Bewusstsein der Zeit | reine Gegenwart, Weltferne |
| Egoismus | Altruismus |
Es hellt nicht auf.
Das Wort
wird doch nur
andre Worte nach sich ziehn,
Satz den Satz.
So möchte Welt,
endgültig,
sich aufdrängen,
schon gesagt sein.
Sagt sie nicht.
Worte, mir nach,
dass nicht endgültig wird
- nicht diese Wortbegier
und Spruch auf Widerspruch!
Lasst eine Weile jetzt
keins der Gefühle sprechen,
den Muskel Herz
sich anders üben.
Lasst, sag ich, lasst.
Ins höchste Ohr nicht,
nichts, sag ich, geflüstert,
zum Tod fall dir nichts ein,
lass, und mir nach, nicht mild
noch bitterlich,
nicht trostreich,
ohne Trost
bezeichnend nicht,
so auch nicht zeichenlos -
Und nur nicht dies: das Bild
im Staubgespinst, leeres Geroll
von Silben, Sterbenswörter.
Kein Sterbenswort,
Ihr Worte!
"Für Nelly Sachs, die Freundin, die
Dichterin, in Verehrung."
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Mögliche Interpretation: Die kursiven Einschübe stellen die Gesellschaft dar. Die verleumderischen Werbesprüche der kommerziellen Welt unterbrechen den Gedankenfluss, verunmöglichen klares Denken und lenken uns ab von den entscheidenden Fragen des Daseins.
Geschichte & Politik
«Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler.»
«Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten
die Waffen nicht.»