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Last Update: 15.12.04
 

 
 

Henri Bergson (1859-1941)

Der französische Philosoph und Diplomat Henri Bergson wurde am 18. Oktober 1859 in Paris geboren, wo er am 4. Januar 1941 auch starb. Bergson entwickelte eine Lebensphilosophie, die sich gegen die rationalistischen Welterklärungen der Naturwissenschaften wandte. Als gefeierter Professor am Collège de France und Funktionär beim Völkerbund war Bergson eine prägende Figur der Zwischenkriegszeit.

Henri Bergson Henri war der Sohn eines wohlhabenden jüdischen Musikers aus Polen und einer Irin. Im Alter von 17 Jahren gewann er einen Wettbewerb für die Lösung einer mathematischen Knacknuss. Von 1877-81 studierte Bergson an der Ecole Normale Supérieure, danach wirkte er 16 Jahre als Gymnasiallehrer. 1900 wurde er Professor für Philosophie am Collège de France. Seine Vorlesungen waren sehr beliebt und 1914 wurde er in die Académie française aufgenommen. Im gleichen Jahr unterbrach er aber seine Lehrtätigkeit und betätigte sich in den folgenden Jahren im diplomatischen Dienst Frankreichs. 1921 trat er ganz von seinem Lehrstuhl zurück, um sich vermehrt seinen Büchern widmen zu können. Bergson war praktisch seit seiner Gründung für den Völkerbund tätig, in dem er mehrere hohe Ämter bekleidete. 1927 erhielt Bergson den Nobelpreis für Literatur. Die letzten Lebensjahre litt Bergson an einer Arthritis. Obwohl er kein praktizierender Jude war und dem Katholizismus nahe stand, wandte sich Bergson 1940 gegen das Angebot der Vichy-Behörden, ihn von den antisemitischen Gesetzen auszunehmen. Hätte er noch ein paar Jahre länger gelebt, wäre Bergson womöglich in Auschwitz gestorben, doch diesem Schicksal kam er durch seinen Tod im Januar 1941 an Bronchitis zuvor.

Bergson war einer der Hauptvertreter der Lebensphilosophie, der in der Entwicklungslinie des französischen Voluntarismus und Spiritualismus stand. Bergson deutete die gesamte Wirklichkeit aus der metaphysischen Einheit des Lebens, dessen «élan vital», die schöpferische Kraft, im Kampf mit dem Stofflichen immer neue Schöpfungen hervorbringe. Diese stetige«évolution créatrice» sieht Bergson als Widerstand des Geistes gegen die dem Leben selbst innewohnende Tendenz der Erstarrung. Bergson wandte sich gegen die materialistisch-mechanistische Wissenschaftsauffassung und kritisierte insbesondere die evolutionären Theorien von Spencer und Darwin. Bergson war der Auffassung, der Verstand mit seinen Begriffen und räumlichen Anschauungsformen zeige das sich in ständiger Bewegung befindende Leben in einem falschen Licht. Während er im analytischen Verstand lediglich das Instrument zur technischen Beherrschung der Natur sieht, könne nur die philosophische Intuition die gesamte Wirklichkeit erschliessen. Nicht die objektiv-physikalische Zeit entspreche dem menschlichen Denken sondern die reale Erlebniszeit, die Dauer. Bergson hielt den positivistisch-rationalistischen Weltdeutungen einen Bewusstseinsstrom des menschlichen Geistes entgegen, der dadurch möglich wird, dass unser Gedächtnis die Vergangenheit aufbewahrt. Aus diesen Grundüberlegungen heraus formulierte Bergson eine Erkenntnistheorie, Psychologie, Naturphilosophie, Ethik und Religionsphilosophie.

Einige Philosophen wie Blondel, Le Roy Le Senne oder Lavelle führten Bergsons Gedanken weiter. Von diesem Bergsonismus bis zum Existenzialismus beeinflusste Bergsons Lebensphilosophie ein halbes Jahrhundert französische Philosophie. Auch der Soziologe Simmel, der Schriftsteller Proust und viele andere liessen sich von Bergson inspirieren.

Literatur:   Henri Bergson, Materie und Gedächtnis, Hamburg 1991, Meiner.
Henri Bergson, Die beiden Quellen der Moral und der Religion, Frankfurt am Main 2000, Fischer.
Gilles Deleuze, Henri Bergson zur Einführung, Hamburg 2001, Junius.
Internet:   Nobel Foundation, Literature 1927, Henri Bergsons Nobelpreisrede (englisch).

 

BERÜHMTE ZITATE

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«Die Idee ist ein stehengebliebener Gedanke.»
«Neue Ideen sind meistens die Kinder alter Gedanken.»
«Wer scharf denkt, wird Pessimist. Wer tief denkt, wird Optimist.»
«Um das Geheimnis der Tiefen zu ergründen, muss man manchmal nach den Gipfeln schauen.»
«Es gibt nichts in der Philosophie, was sich nicht in alltäglicher Sprache ausdrücken liesse.»

Leben
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«Die Mutter, die ihr Kind betrachtet, ist frohgemut, weil sie das Bewusstsein hat, es geschaffen zu haben, körperlich und geistig.»
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