Bodin war der Sohn eines Schneidermeisters und wurde erst Karmelitermönch, ab 1560 war er als Jurist
in Paris tätig. 1571 nahm er eine Stelle im Dienst des Herzogs von Alençon an. Weil man ihn
für einen Hugenotten hielt, kam es in der Bartholomäusnacht 1572 zu einem Mordanschlag auf
Bodin, dem er nur knapp entging. Bei den Generalständen von Blois forderte er 1576 als Deputierter
des Dritten Standes religiöse Toleranz. Von 1577 bis zu seinem Tod arbeitete er als Kronanwalt in
Laon, wo er sich sicherer fühlte. Dort entging er zwar weiteren Anschlägen, nicht aber der
Pest.
In seinem 1576 erschienen Hauptwerk Les six livres de la république übertrug Bodin den bisher nur aus der Theologie bekannten Begriff der "Souveränität" auf die Staatslehre. Nach Bodin steht der Herrscher als neutrale Macht über den Parteien und vereinigt die ganze Staatsgewalt in einer Hand. Dem Gesetz ist er selbst nicht unterworfen. Bodin fordert dafür vom Monarchen die Garantierung der Religionsfreiheit und der Sicherheit aller Untertanen. Damit wies Bodin einerseits den Weg zur Überwindung der religiösen Streitigkeiten in Frankreich, nahm aber andererseits auch den Absolutismus vorweg. Im Gegensatz zu Hobbes' schrankenloser Staatsgewalt ist der Monarch bei Bodin aber dem göttlichen resp. natürlichen Recht unterworfen, dessen Wahrung er als höchsten Zweck des Staates bezeichnete. Kommt der Monarch seinen Verpflichtungen nicht nach, sind Bürger und Beamte nach Bodin zum passiven Ungehorsam berechtigt. Wie später Montesquieu verglich auch Bodin verschiedene Staatsformen. Daneben befasste sich Bodin auch mit ökonomischen Fragen und konkretisierte seinen Toleranzbegriff in seiner religionsphilosophischen Spätschrift Colloquium heptaplomeres de rerum sublimium arcanis abditio. Bodin war ein überzeugter Befürworter der Hexenverfolgungen, die er vereinheitlichen und verschärfen wollte.
| Literatur: | Jean Bodin, Über den Staat, Stuttgart 1976, Reclam UB 8348. |
| Internet: | Franz Martin Wimmer, Bodin und Daniels Weltreiche, Bodins Gedanken zu einem Text im Alten
Testament. |
Gedanken zur Zeit
«Die Kunst der Buchdruckerei allein könnte mit Leichtigkeit alle Erfindungen der Alten
aufwiegen.»