Borchert war das einzige Kind eines Lehrer und einer Heimatdichterin, die kleine Gedichte und
plattdeutsche Erzählungen schrieb. Borcherts frühe Vorbilder waren Hölderlin und Rilke. Er
ging von 1928-32 in die Volkshochschule, ab 1932 in die Oberschule in Hamburg. 1938 verliess er die
Oberrealschule und seine ersten Gedichte wurden im Hamburger Anzeiger veröffentlicht. Er
wurde Buchhändler und nahm heimlich Schauspielunterricht in Lüneburg. Borchert verlor im Krieg
einen Finger, was sein Vorgesetzter aber für Selbstverstümmlung hielt. So landete er im
Lazarett, wo er Gelbsucht und Diphtherie bekam. Nachdem er staatsgefährdende Briefe
geschrieben hatte, kam er 1940 für acht Monate ins Gefängnis, doch zwang man ihn zu
Frontbewährung (Russlandfeldzug). Aus der Armee wurde er wegen seiner Krankheit kurz darauf
endgültig entlassen. Er arbeitete in Hamburg im Kabarett und kam dann wieder ins Gefängnis,
weil er nicht schweigen konnte. 1945 gerät er bei Frankfurt am Main in die Hände
französischer Einheiten. Während des Transportes in die Kriegsgefangenschaft nach Frankreich
gelingt ihm die Flucht. In einem 600 km-Marsch entlang der Frontlinie wandert er in Richtung Norden und
kommt am 10. Mai schwerkrank in Hamburg an. Dort arbeitete er als Regieassistent und Kabarettist und
schrieb. Es ging ihm immer schlechter und seine Freunde verschafften ihm einen Kuraufenthalt in der
Schweiz. Da konnte er noch zwei Jahre lang schreiben, dann erlag er seinen Kriegsschäden.
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Das Buch "Draussen vor der Tür" beginnt mit einer Vorbemerkung:
"Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will".
Wolfgang Borchert hielt an dieser Vorbemerkung fest, obwohl das Bühnenstück auf fast allen Bühnen Deutschlands aufgeführt wurde. Er begründete diese Widersprüchlichkeit einer Baseler Presseagentur so: "Dass eine Reihe von Bühnen mein Stück aufführt ist reine Verlegenheit - was sollen sie sonst tun? Denn mein Stück ist nur Plakat, morgen sieht es keiner mehr an." Mit dem ursprünglichen Titel "Ein Mann kommt nach Hause" leitet Wolfgang Borchert die Vorrede ein und verwendet den ursprünglichen Titel in der Mitte der Vorrede noch einmal. Mit dem letzten Satz in der Vorrede "Das ist ihr Deutschland" unterstreicht Borchert den ursprünglichen Titel, dass es ihm nicht um ein "allgemeinmenschliches" Thema sondern um die "Situation in Deutschland geht". Für Borchert war das Wort "Deutschland" ein mit zwiespältigen Gefühlen behafteter Begriff. "So lange an Deutschlands Grenzen Paraden marschieren und nationale Sicherheit gefordert werden" wollte er nicht über das Militär und den Nationalsozialismus diskutieren und "So lange die Zigarettenstummel fremder Militärmächte auf der Strasse liegen" wollte er nicht über Demokratie und persönliche Freiheit sprechen. Die Vorrede Borcherts kündigt einen Mann an, der sich innerlich und äusserlich verändert und eine vollkommene veränderte Heimat wiederfindet.
"Vorspiel" und "Der Traum"
Das Buch von Borchert fängt nicht mit der ersten Szene an, sondern Borchert
lässt sein Stück mit einem "Vorspiel" und einem Traum beginnen. "Draussen
vor der Tür" ist ein Stationendrama. Im Stationendrama ist der
Held, dessen Entwicklung es schildert, von Gestalten, die er an den Stationen seines Weges
antrifft, aufs deutlichste abgehoben. Sie erscheinen, indem sie nur in seinem
Zusammentreffen mit ihnen auftreten, in seiner Perspektive und so auf ihn bezogen. Und da
den Grund des Stationendramas nicht eine Vielzahl von einander weitgehend gleichgestellten
Personen, sondern das eine zentrale Ich bildet, verliert auch der Monolog hier den
Ausnahmecharakter, den er im Drama notwendig besitzt. Damit ist aber die unbegrenzte
Eröffnung seines "verborgenen Seelenlebens" allererst formal begründet. In der
Konsequenz der subjektiven Dramatik liegt ferner, dass die Einheit der Handlung durch die
Einheit des Ichs ersetzt wird. Dem trägt die Stationentechnik Rechnung, indem sie das
Handlungskontinuum in eine Szenenfolge auflöst. Die einzelnen Szenen stehen hier in
keinem kausalen Bezug, bringen einander nicht, wie im Drama, selber hervor. Vielmehr
erscheinen sie als isolierte Steine, aufgereiht am Faden des fortschreitenden Ich. In der
Szene des Stationendramas hingegen entsteht keine Wechselbeziehung, der Held trifft zwar
auf Menschen, aber sie bleiben ihm fremd. Damit wird die Möglichkeit des Dialoges selbst
in Frage gestellt. Der Zusammenhang des Stationendramas "Draussen vor der Tür"
wird nur durch die Gestalt Beckmanns gewährleistet. Beckmann wird im
Vorspiel vielmehr in den Zusammenhang mit der Situation der damaligen Zeit gestellt,
verdeutlicht am Beispiel, dass der einzelne Mensch nichts zähle "Ein Mensch
stirbt. Und? Nichts weiter.", oder "Wie die Fliegen kleben die Toten an
den Wänden dieses Jahrhunderts" eine Anspielung auf die beiden Weltkriege, die
Millionen von Todesopfern forderten. Im "Der Traum" ändert sich, nach den
Regieanweisungen die Stimmung von einer eher bedrohlichen in eine eher friedliche. Statt
bisher: "Der Wind stöhnt. Die Elbe schwappt gegen die Pontons" heisst
es später: "In der Elbe. Eintöniges Klatschen kleiner Wellen. Die Elbe."
Auch sprachlich ändert sich die Atmosphäre. Die Elbe - vorher ein dunkler Fluss - wird
zu einem gutmütigen und bestimmenden Wesen, denn die Elbe wollte Beckmanns
"armseliges bisschen Leben nicht" und akzeptierte so den Tod nicht. Auch
verlangte sie einen individuellen Tod; deshalb waren Beckmanns Gründe nicht ausreichend.
"Die Hose sollte man dir strammziehen, Kleiner, jawohl! Auch wenn du sechs Jahre
Soldat warst. Alle waren das. Und die hinken alle irgendwo."
1. Szene
Die erste Szene ist eine konkrete, realistische Wiederholung des
"Traumes" und "Vorspiels", welche von der Identifikation des Helden
mit Soldatentum, Stalingrad, Verwundung und Selbstmordversuch handelt. Der Dialog in der
ersten Szene zwischen Beckmann und dem Anderen zeigt, dass Beckmann eine negative und der
Andere eine eher positive Orientierung besitzt. Der Andere, der "Jasager" gilt
als der "Antreibende, der Heimliche, Unbequeme" und "Ich bin Optimist, der
an den Bösen das Gute sieht und die Lampen in der Finsternis"; der Andere ist also
Beckmanns Lebenstrieb (eros) oder sein ALTER EGO. Beckmann dagegen der
"Neinsager" versucht, mit dem "Nein" dem Tod zu entsprechen; sein
Gegenspieler "Der Andere" mit seinem "Ja" hingegen, dem
"Weitermachen".
Am Ende der Szene scheint Beckmanns Leiden vorüber zu sein, denn Beckmann, dem
Kriegskrüppel, bietet ein Mädchen jetzt ein neues Zuhause. Dieses
Angebot entstand gerade weil er "so hässlich und bescheiden" ist und
eine "so hoffnungslose, traurige Stimme" hat. "Such dir ein
anderes Bett, wenn deins besetzt ist, hatte die Elbe gesagt. Die Möglichkeit war Beckmann
hier geboten. Doch nicht nur die Enttäuschung, die ihm seine Frau zugefügt hatte, war
Grund für den Selbstmordversuch, sondern auch: "Das Bein, das Bett, das
Brot" und die Trümmer - das tote Kind.
2. Szene
Die erste und die zweite Szene sind durch die Begegnungen mit dem Anderen, der am
Anfang der ersten Szene und am Ende der zweiten Szene auftritt, als Rahmen angelegt. Mit
Beginn der zweiten scheint für Beckmann ein Weg aus der aussichtslosen Situation gefunden
zu sein, denn das Mädchen "fröhlich, nicht hart" und
"herzlich"
kümmert sich um Beckmann wie eine Mutter. Sie nimmt ihn mit und "legt" ihn
"trocken". Als das Mädchen Beckmanns Gasmaskenbrille
abnimmt löscht sie zugleich seine Soldatenexistenz aus. Mit diesem Verlust der Existenz
und ohne Aussicht auf eine neue sieht Beckmann "alles nur noch ganz
verschwommen" und sieht fast "nichts mehr", selbst das
Mädchen, welches vorher ganz nah war ist mit einmal ganz weit weg. Der Kommentar
Beckmanns "Vielleicht bin ich ein auch ein Gespenst. Eins von gestern, das heute
keiner mehr sehen will." zeigt die Weigerung Beckmanns mit dem Ablegen der alten
Sachen die Vergangenheit auszulöschen. Nachdem Beckmann von dem Mädchen eingekleidet
wurde, sieht er sich auf einmal als schuldig Unschuldiger, denn er sitzt in den Kleidern
eines anderen neben dessen Frau. Einen Tag zuvor war Beckmann in der gleichen Situation,
nur am Vortag war er das Opfer. Dieser Andere - Traum, Vision, Realität werden
ununterscheidbar - tritt geisterhaft auf, einbeinig, auf Krücken. Beckmann erkennt die
Ähnlichkeit der Situation "Das habe ich gestern nacht auch den Mann gefragt, der
bei meiner Frau war." Dieser verliess das Zimmer, aber der Einbeinige
blieb. Während die Ursache für Beckmanns Unglück nicht fassbar war, kennt der
Einbeinige einen Schuldigen, den er mit dem Namen zu nennen wusste. Diesen Namen sprach er
"leise, aber mit ungeheurem Vorwurf" aus "Beckmann...,Beckmann...,Beckmann...
".
Beckmann trägt die Schuld an der Verwundung des Einbeinigen, dem er befohlen hatte "Sie
halten Ihren Posten unbedingt bis zuletzt". Um sich nicht als Schuldigen zu
bekennen, sagte er: "Das bin ich nicht! Das will ich nicht mehr sein".
Um einen Ausweg aus seiner Schuld zu finden, wollte er sich umbringen, aber "Der
Andere", der "Jasager", schlug ihm eine Alternative vor. Er soll die
Verantwortung zurückbringen zu dem, der sie ihm gegeben hatte: "Ja! Ich bringe
ihm die Verantwortung zurück. Ich gebe ihm die Toten zurück. Ihm! Ja, komm, wir wollen
einen Mann besuchen, der wohnt in einem warmen Haus, wir wollen ihm etwas schenken - einem
lieben, guten, braven Mann, der sein ganzes Leben nur seine Pflicht getan, und immer nur
die Pflicht!".
3. Szene
In der 3. Szene trifft nun Beckmann auf den Oberst, dem er seine
Verantwortung, die Toten, die er auf dem Gewissen hat, zurückgeben will. Seine
Gasmaskenbrille spielt wieder einmal eine Rolle: "sag ihm doch, er soll die
Brille abnehmen. Mich friert, wenn ich das sehe", "warum werfen sie den
Zimt nicht weg? Der Krieg ist aus". Diese Reaktion zeigt wieder einmal, dass die
Menschen, - wie die Durchschnittsfamilie in dieser Szene - mit dem Krieg und den
Heimkehrern nichts zu tun haben wollen. Auf den Zweck seines Besuches kommt Beckmann erst
nach längerem Dialog in einem Zustand des Wachschlafes zu sprechen. "Ganz weit
weg, schlaftrunken, traumhaft" erzählt Beckmann seinen Traum vom General, der
blutschwitzend eine Todessymphonie auf einem Knochenxylophon spielt. Beckmanns Traum, den
er selbst als "ganz seltsam" empfindet, bildet eine Anklage gegen den Krieg. "Die
in den Krieg hineingetriebenen Menschen dienen mit ihren abgeschlagenen Gliedmassen als
Instrument für das grauenvolle Konzert eines Generals, den das Blut der Erschlagenen fett
gemacht hat. Der Krieg missbraucht den Menschen als Werkzeug einer perversen Ästhetik der
Zerstörung, als Spielzeug in einem makaberen, sinnlosen Spiel. Das Horrorszenario des
Traumes enthüllt das Grauen des Krieges, dem die realistische Darstellung nicht länger
beizukommen vermag. Nicht die Dokumentation grauenvoller Details führt in einer Zeit der
totalen Destruktion des Menschlichen zur Erkenntnis der Wahrheit, sondern nur noch die
phantastische Inszenierung des Grauens selbst." Die Kritik am Oberst, die er in
seinem Wachschlaf erhob, belastet diesen, aber sie entlastet Beckmann nicht. Der Oberst
empfindet für die Vergangenheit nicht einmal Schuld und Verantwortung, wie Beckmann, er
findet sie nur noch komisch. "Der Oberst will Beckmann nicht verletzen, aber er
ist so gesund und so sehr naiv und alter Soldat, dass er Beckmanns Traum nur als Witz
begreift" steht als Regieanweisung zu der vorher beschriebenen Situation. Aber
auch der Oberst wendet die gleiche Technik an, um die Vergangenheit zu vergessen. "Schmeissen
Sie Ihre zerrissenen Klamotten weg, ziehen Sie sich einen alten Anzug von mir an und dann
werden Sie wieder ein Mensch, mein lieber Junge!".
4. Szene
In der 4. Szene sucht der Direktor eines Kabaretts nach
Jugendlichen, "die zu allen Problemen aktiv Stellung ... nehmen", "einen
Geist wie Schiller" und "die den dunklen Seiten des Lebens gefasst ins
Auge ... sehen, unsentimental, objektiv, überlegen." Beckmann nutzt die Chance
beim Direktor vorzusprechen. Er wählt hierzu einen poetischen Vortrag, der sein
durchlittenes Schicksal widerspiegelt. Dass dieses Thema das Publikum nach Ansicht des
Direktors nicht sonderlich interessiere, mochte Beckmann nicht recht einsehen, da es doch
durch und durch der Wahrheit entspräche: "Mit der Wahrheit hat die Kunst doch
nichts zu tun! Wo kämen wir hin, wenn alle Leute plötzlich die Wahrheit sagen wollten!
Wer will den heute etwas von der Wahrheit wissen?" weist der Direktor ihn
zurück. Auch er verdrängte die Verantwortung für die Heimkehrer und die Kriegsopfer, er
hat "schliesslich keinen nach Sibirien geschickt". Beckmanns voller
Verachtung gemeinte Antwort "Nein, keiner hat uns nach Sibirien geschickt. Wir
sind alle ganz von alleine gegangen. Und einige sind alleine dageblieben" ist
schliesslich die Reaktion auf die Abweisung des Direktors, der Beckmann im Grunde nur
wegen der Befürchtung ablehnt, dass ein Anfänger wie Beckmann seinen wirtschaftlichen
Ruin bedeuten könnte. Am Schluss der Szene steht Beckmann wieder "Draussen vor der
Tür"; der "Andere" schaltet sich abermals ein, der Beckmann empfiehlt "Du
musst nach Hause. Da, wo man zuerst hingehen sollte, daran denkt man zuletzt".
5.Szene
In der fünften und letzten Szene versucht Borchert den Kern des Themas besonders
hervorzuheben, wie das schlichte Bühnenbild zeigt: "Ein Haus. Eine Tür.
Beckmann". Beckmanns Heim existiert nicht mehr, denn ein fremder Name steht an
der Tür: "Kramer". Der Name tauchte bereits im Vorspiel auf und verkörperte
dort den schon wieder etablierten Normalbürger, den Frau Kramer in
dieser Szene darstellt. Wie der Normalbürger kümmert sich Frau Kramer nur um ihre
Interessen. Es gilt einzig den Besitzfragen: "Was für ein unser Schild?",
"Ihre Wohnung ist das nicht. Die gehört uns." Die Nachricht von Kramer
vom Selbstmord der Eltern wurde auf "rauhe" Art überbracht. "Die alten
Beckmanns konnten nicht mehr, wissen sie. Hatten sich ein bisschen verausgabt im Dritten
Reich, das wissen sie doch, Sie, Sohn, Sie. Immer wenn eine Bombe runterging, hat er einen
Fluch auf die Juden losgelassen." Was mit dem "alten" Beckmann "ganz
oberfaul" war, wird jedoch nie in dem Drama genau erwähnt. Das Gespräch mit
Frau Kramer endet damit, dass die Tür kreischend zuschlägt. Dies geschah schon viermal
zuvor. Und jedesmal, mit Ausnahme der zweiten Szene, war dieses Kreischen und Zuschlagen
begleitet von einem Beckmann, der schreiend die Konsequenz zog aus dem durch die
zuschlagende Tür beendeten Gespräch: "ich will nicht mehr Beckmann sein!",
"Ja was seid ihr denn? Menschen", "Mit der Wahrheit macht man
sich nur unbeliebt."
In der fünften Szene sieht sein Abgang ganz anders aus. Beckmann droht Frau Kramer "...Machen Sie ganz schnell ihre Tür zu, sage ich Ihnen! Machen Sie!" Beckmanns Schrei der Anklage bleibt diesmal aus, die Anklage aber nicht: "einen Mord" hätte Beckmann begehen mögen, "diese Traurigen, die um das Gas trauern, ermorden." Die Empörung über dieses herzlose Normalbürgerdenken war berechtigt. Aber Beckmann denkt in seinem Schmerz über den Verlust der Eltern und nicht mehr über die Ursache nach. Er reiht die toten Eltern in die Liste der unschuldigen Opfer des Krieges: "Zwei alte Leute sind in die Gräberkolonie Ohlsdorf abgewandert. Gestern waren es vielleicht zweitausend, vorgestern vielleicht siebzigtausend. Morgen werden es viertausend oder sechs Millionen sein. Abgewandert in die Massengräber der Welt. Wer fragt danach? Keiner." Dass die Eltern Beckmanns nicht nur Opfer waren, erkennt er nicht, sondern nur Frau Kramer: "Das war nun wieder konsequent von Ihrem Alten."
Beckmanns letzter Zufluchtsort existiert nicht mehr und nun steht er wieder "Draussen vor der Tür". Allein auf der Strasse erscheint Gott, der mit ihm einen Dialog führt. Das Ergebnis ist das gleiche wie im Vorspiel. Gott "ist der Gott, an den keiner mehr glaubt". Aber ein Vorwurf kommt hinzu: "Du hast es [...] zugelassen". Doch die Rechtfertigung Gottes berührt Beckmann nicht , denn er sieht keinen Sinn mehr im Glauben an Gott. Nun erscheint auch der Strassenfeger (Tod) und weist auf einen immer bestehenden Ausweg hin: "Meine Tür steht immer offen", doch der "Andere" plädiert für das Leben. Bevor der Oberst, der Direktor und Frau Kramer auftauchen verurteilt Beckmann die drei als Mörder. Der Vorwurf Beckmanns wiederholt sich in der Begegnung mit den einzelnen Opfern. Auch Beckmanns Frau, die mit ihrem Liebhaber vorübergeht, wird als Mörderin bezeichnet. Spiegelbildlich zum Verlauf des Stückes kommt das Mädchen nun am Schluss dieser Szene an die Reihe und bittet Beckmann "Komm, wir wollen zusammen lebendig sein", aber der Einbeinige erscheint und beschuldigt Beckmann: "Du hast ein Mord begangen, Beckmann". Beckmann ist Opfer und Täter zugleich, jeder ist ein schuldiges Opfer: "wir werden jeden Tag ermordet und jeden Tag begehen wir ein Mord." Eine Lösung scheint Beckmann nicht zu finden, denn die Frage danach stellt er wieder und wieder: "Gibt mir denn keiner Antwort? Gibt keiner Antwort? Gibt denn keiner, keiner Antwort?"
Er stellt Beckmann als Heimkehrer dar, der mit der Rückkehr in seine Heimat auch auf dem Weg ist, den Anschluss an sein früheres "Ich", seine frühere Identität zu finden. Er versucht in jedem Akt eine Tür zu finden, die er aufstossen kann und mit deren Durchschreiten er wieder bei sich und bei den Menschen seines früheren Umfeldes ist. Aber jedesmal wird er abgewiesen, denn die Menschen wollen mit dem Krieg und seinen Folgen nicht mehr konfrontiert werden. Sie fordern Beckmann auf, seine Gasmaskenbrille und seinen Mantel abzulegen, um so die Vergangenheit zu vergessen. Der Kabarettdirektor geht sogar noch einen Schritt weiter und sagt zu Beckmann: "Ich habe schliesslich keinen nach Sibirien geschickt." Damit versucht er die Verantwortung für Krieg und Heimkehrer völlig von sich zu schieben. Beckmann antwortet: "Nein, keiner hat uns nach Sibirien geschickt. Wir sind von alleine gegangen. Und einige sind ganz von alleine dageblieben." Er beschuldigt so nicht nur die Parteimitglieder, sondern auch die Menschen die sich nicht gegen den Krieg und das Regime, trotz allen Druckes, wehrten. Borchert versucht in seinem Stück, dem Leser vor Augen zu führen, dass in jedem Menschen ein Wolf steckt, der aus reinem Selbsterhaltungstrieb, ohne Rücksicht auf Verluste, um sein Hab und Gut kämpft. Die Situation in der 5. Szene soll verdeutlichen, dass der Glaube an die Güte des Menschen ein Irrglaube ist. Frau Kramer, der Allerweltsmensch, zeigt keinerlei Güte und Warmherzigkeit. Sie weist Beckmann mit einer "gleichgültigen, grauenhaften, glatten Freundlichkeit, die furchtbarer ist als alle Roheit und Brutalität", zurück.
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Paradies: Wenn es einem gut geht, ist man sich nicht bewusst, wie schön das Leben ist.
Wahnsinn: Glück im grössten Unglück; verstärkt für die Umstehenden den Eindruck
der
Tragik.