Calderón stammte aus einer Hidalgo-Familie, d.h. er gehörte zur Mittelklasse, genoss aber
adlige Privilegien. Pedro durfte eine Jesuitenschule besuchen, wo er in humanistisch-theologischem Denken
unterricht wurde. Von 1614-20 studierte er in Alcalá de Henares und Salamanca Theologie und Jura,
ohne abzuschliessen. In den nächsten Jahren kam er einige Male mit der Justiz in Konflikt, verlor
jedoch nie die Gunst Philipps IV., der ihn 1635 zum Leiter des Hoftheaters ernannte und ihn 1637 zum
Ritter schlug. 1640-42 nahm er am Katalonienfeldzug teil. Als er 1650 zum Priester geweiht wurde und vom
König zum Hofkaplan ernannt wurde, war er finanziell abgesichert. Auch als Geistlicher verfasste er
weiterhin Dramen.
Als Calderón geboren wurde, war Lope de Vega auf seinem künstlerischen Höhepunkt. Gegen die 4000 Kömodien dieses Ausnahmekünstlers nehmen sich Calderóns 120 Komödien und 80 Fronleichnamspiele geradezu bescheiden aus. Formal und thematisch setzte Calderón die von Vega ausgeprägte Comedia fort, schrieb jedoch in erster Linie für die gebildete Elite des Hofes und die mit Theatermaschinen und illusionsförderndem Prunk ausgestattete Palastbühne. Für sie verfasste er auch komplexe mythologische Festspiele und entwickelte die Comedia weiter zur opernhaften Zarzuela. Das Fronleichnamspiel, das sog. "Auto sacramental", führte er zu seiner ganz von der Neoscholastik geprägten poetischen Vollendung. El gran teatro del mundo gehört zu den Fronleichnamspielen mit philosophisch-theologischem Hintergrund.
| Literatur: | Pedro Calderón de la Barca, Das Leben ist ein Traum,
Stuttgart .., Reclam UB 65. Pedro Calderón de la Barca, Das grosse Welttheater, Stuttgart 1971, Reclam UB 7850. Pedro Calderón de la Barca, El gran teatro del mundo (Spanisch/Deutsch), Stuttgart 1988, Reclam UB 8482. |
| Internet: | Pedro Calderón de la Barca, Das grosse Welttheater, kompletter Text in deutscher Übersetzung. |
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Als "Personen" treten auf: Der Meister (Gott) und die Welt (Schöpfung); als allegorische Figuren: der König, der Weise, die Schönheit, der Reiche, der Landmann, der Bettler und ein Kind. Weiter spricht der Meister zu seinen Geschöpfen über das Gesetz der Gnade und eine Stimme.
Nun werden die Rollen verteilt. Der Meister meint, würde er die Menschen fragen, jeder wollte doch herrschen, also verteilt er die Rollen nach eigenem Gutdünken. Der Reiche freut sich über seinen Reichtum, der Bettler ist beleidigt, dass er trotz gleicher Seele ein ungleich anstrengenderes Los bekommt. Der Meister tröstet ihn, im Tod wären beide wieder gleichgestellt. Der Name des Stücks ist «Tue recht - Gott über euch» (18). Die Welt holt die Menschen ab und rüstet sie aus: Der König erhält eine Krone, die Schönheit Blumen, der Reiche Gold und Silber, der Weise eine Kutte, der Landmann einen Spaten, das Kind nichts und dem Bettler werden selbst noch seine Kleider genommen. Auf der oberen Bühne schaut sich der Meister das Stück an, auf der unteren Bühne beginnt die Vorstellung.
Das Gesetz der Gnade stellt das Leitmotto für alle Personen vor; neben dem bereits eingeführten «Tue recht - Gott über euch» kommt noch die Nächstenliebe hinzu. Als erstes treten die Schönheit und der Weise auf. Die Schönheit will den Weisen locken, doch der zieht sich lieber zurück, um Gott zu preisen. Als nächstes treten der Reiche und der Landmann auf, der selbst reich werden möchte und eine sozialkritische Rede hält, dass doch immer die Ackerleute alles bezahlen müssten. Der Bettler und der Reiche hören beide das Gesetz: Während es den Bettler tröstet, findet es der Reiche langweilig. Der Bettler bittet um Almosen, doch der Reiche und die Schöne geben ihm nichts, der König verweist auf seinen Minister, der Landmann meint, er solle besser arbeiten, nur der Weise schenkt ihm ein Stück Brot. Der König möchte zugleich auch noch weise und schön sein, doch die Stimme ruft ihn ab. Die Schönheit prahlt über ihr ewiges Reich, doch wird auch sie sogleich weggerufen. Als nächstes muss der Landmann gehen. Der Reiche und der Bettler unterhalten sich; während der Reiche es sich gut gehen lässt, ist der Bettler verzweifelt. Die Stimme ruft beide weg: Der Bettler freut sich, dem Reichen gefällt es gar nicht. Zuletzt bleibt der Weise zurück, doch auch er muss sterben, wenn auch die Kirche bestehen bleibt.
Die Gestorbenen werden von der Welt empfangen, wo sie ihre weltlichen Besitztümer abgeben müssen, da alles nur geliehen war. Der König gibt seinen Purpur zurück, die Schönheit hat ihre Reize im Grab zurückgelassen, der Landmann gibt seinen Spaten ab, nur der Weise kann seine guten Werke behalten; die kann ihm die Welt nicht abnehmen. Der Meister lädt den Bettler und den Weisen ein, mit ihm zu speisen. Den König, die Schönheit und den Landmann schickt er ins Fegefeuer, den Reichen aber in die Hölle. Der Reiche und der Bettler haben ihre Rolle getauscht: der Bettler steht nun über dem Reichen.
Das Stück enthält eine etwas simple Moral. Der Weise ist gottesfürchtig, deshalb kann er erlöst werden. Der Bettler trägt sein Los mit Demüt, deshalb wird er ebenfalls erhöht. Der König war übermütig geworden (32), die Schönheit hochmütig (34) und der Landmann hatte sich zu oft beschwert. Sie alle bekommen eine Chance, ihre Sünden zu bereuen und dürfen zuletzt auch am Abendmahl des Meisters teilnehmen. Der Reiche aber hat sein zweites Leben verwirkt, denn er lebte sehr epikureisch und lästerlich: «Lasst den Bauch zum Gott uns machen» (38).
Neben diesen typisch christlichen und barocken Motiven lässt sich im Stück auch eine gewisse
Nähe zur Philosophie Platons herauslesen:
1. Die Idee kommt vor der Materie. Der Meister schafft die Welt nach einem Plan. Auch die Seelen bekommen
zuerst ihre Rolle und werden erst danach in die Welt gesetzt, um sich zu verkörperlichen.
2. Das Gerechtigkeitsideal lautet: «Doch ich, Autor dieser Märe, weiss, was jeder leister
kann, und so nimm denn jedermann, welchen Part ich ihm beschere» (14);
also jedem das Seine.
3. Der Körper ist das Gefängnis der Seele. Am deutlichsten wird dies bei der Schönheit,
von der die Stimme sagt: «Ewig blühst du in der Seele, sterblich in
des Leibes Haft» (35).
«Begangene Fehler können nicht besser entschuldigt werden als mit dem Geständnis, dass man sie als solche erkennt.»