Jean Cauvin wurde in Noyon geboren, das zwischen Paris und Brüssel liegt. Sein Jurisprudenzstudium
in Paris schloss er 1532 mit dem Lizenziat ab. 1533 bekannte er sich zu den reformatorischen Ideen und
musste deshalb fliehen. Er liess sich zuerst in Basel nieder, wo er sein erstes theologisches Werk
verfasste. Als er Genf bereiste, gewann ihn Farel für die Arbeit am Aufbau einer reformierten Genfer
Kirche. Der Versuch, eine strenge Kirchenzucht durchzusetzen, führte zu Calvins Ausweisung 1538. Der
Reformator Bucer rief Calvin nach Strassburg, wo er weitere Werke verfasste. Calvin nahm an mehreren
Religionsgesprächen teil und lernte so die Positionen der führenden Strömungen der
Reformation kennen. 1541 rief ihn der Rat der Stadt Genf zurück und genehmigte sein Projekt einer
Kirche, die auf einer strengen moralischen Kontrolle der Gemeinde aufbaut. Calvins hartes Durchgreifen
war nicht unumstritten; erst 1555 setzte sich seine Lehre nach zahlreichen Verbannungen und Hinrichtungen
endgültig durch. Berühmt wurde der Fall des spanischen Arztes und Theologen Miguel Serveto, der
wegen seiner Ablehnung der Dreifaltigkeit von der Inquisition angeklagt wurde, nach Genf fliehen konnte,
aber dort 1553 wegen Gotteslästerung hingerichtet wurde. Calvin litt immer unter einer schwachen
Konstitution und starb im Alter von 55 Jahren.
Das erste Werk Christianae Religionis Institutio von 1536 gilt als Calvins Hauptwerk. Typisch für die calvinistische Theologie ist die Lehre von der doppelten Prädestination: Gott hat vor Anbeginn der Zeit bereits festgelegt, welche Menschen Anteil an der Erlösung haben werden und welche nicht. Calvinisten sind aber nicht etwa passiv, sondern häufig sehr aktiv, denn Calvin lehrte, aus dem Erfolg des Menschen könne auf seine Erwählung geschlossen werden. In Strassburg schrieb Calvin eine überarbeitete Ausgabe seines Lehrbuchs und einen Kommentar zum Römerbrief. Sein 1542 entstandener Genfer Katechismus gewann für die religiöse Erziehung der Gemeinde grosse Bedeutung. Mit seinen vielen Briefwechseln trug Calvin stark zur Durchsetzung der Reformation in ganz Europa bei. In der Abendmahlfrage versuchte Calvin, zwischen Luther und Zwinglis Nachfolgern zu vermitteln.
Der Calvinismus übte besonders in den Niederlanden und den USA grossen Einfluss aus. In beiden Ländern begünstigte er durch sein republikanisches Gemeindeverständnis die Errichtung von politischen Republiken. Die 1559 gegründete Genfer Akademie war lange Zeit eine der führenden Ausbildungsstätten für reformierte Theologen; aus ihr ging die heutige Université de Genève hervor.
| Literatur: | Johannes Calvin, Studienausgabe Band 2: Gestalt und Ordnung der Kirche, Neukirchen 1997, Neukirchener.
Johannes Calvin, Studienausgabe Band 3: Reformatorische Kontroversen, Neukirchen 1999, Neukirchener. Jean Calvin, L'Institution chrétienne. Livres premier et second, Marne-la-Vallée 1995, Farel. |
| Internet: | Thomas, Calvinismus. Die Reformation, Vita - Links - Was Zeitgenossen und spätere Denker über Calvin schrieben. |
«Wo das also so ist [wo es populares magistratus gibt], da verbiete ich diesen Männern nicht etwa, der wilden Ungebundenheit der Könige entgegenzutreten, nein ich behaupte geradezu: wenn sie Königen, die masslos wüten und das niedrige Volk quälen, durch die Finger sehen, so ist solch ihr absichtliches Übersehen immerhin nicht frei von schändlicher Treulosigkeit; denn sie verraten in schnödem Betrug die Freiheit des Volkes, zu deren Hütern sie, wie sie wohl wissen, durch Gottes Anordnung eingesetzt sind.»