Charles Lutwidge Dodgson lehrte von 1855 bis 1881 Mathematik in Oxford. Während dieser Zeit schrieb
Carroll mehrere mathematische Abhandlungen, darunter Euclid and His Modern Rivals. Als
Mathematiker war er eher konservativ, er war auch kein glanzvoller Pädagoge, galt er doch unter
seinen Kollegen als höflicher, gutmütiger, dabei aber menschenscheuer, verschrobener und
eigenbrötlerischer Mensch. Seine Studenten sahen in ihm einen pedantischen und ziemlich langweiligen
Lehrer. 1865 erschien Alice's Adventures in Wonderland, dem sofort grosser
Erfolg beschieden war. Die Fortsetzung Through the Looking-Glass and What Alice Found There folgte
1872. Die beiden Alice-Werke sind Elementarlehrbücher der Logik aber auch lustige Kindergeschichten.
Von den belehrend-moralisierenden Kinderbüchern der viktorianischen Epoche setzt Alice sich
wohltuend ab. Die Darstellung einer paradoxen, raum- und zeitlosen Gegenwelt, in deren eigenartiger Logik
die Heldin sich wie im Traum bewegen muss, ist mit satirischen Seitenhieben auf die Gesellschaft und mit
Parodien auf ihre Vertreter, z.B. die Lehrer, durchsetzt. Von der Beliebtheit der Figuren bis in die
heutige Zeit hinein zeugen vier Verfilmungen (1933, 1951, 1985 und 1999). Auch zahlreiche Sentenzen aus
den Büchern sind in den allgemeinen Wortschatz - vor allem des Englischen - eingegangen. Mehrere
Anspielungen auf die Abenteuer von Alice finden sich zudem im Film The Matrix. Die witzigen
Sprachspiele der Figuren, die die Bedeutungslogik oftmals ad absurdum führen, haben die Abenteuer
von Alice zu einem wichtigen Markstein in der Entwicklung der modernen Literatur gemacht. Vor allem die
Surrealisten wurden von Carroll beeinflusst.
Die
Titelheldin Alice wird während eines langweiligen Picknicks mit ihrer Schwester auf ein weisses
Kaninchen aufmerksam, dem sie schliesslich in dessen Höhle folgt. Dabei landet sie in einer
traumartigen Welt, die vor Paradoxa und Absurditäten nur so strotzt. Bei dem Versuch, dem Kaninchen
zu folgen, passieren ihr zahlreiche Missgeschicke. So begegnet sie einer Gruppe winziger Tiere, die in
einem Meer von Alices Tränen gestrandet sind, wird im Kaninchenbau gefangen, trifft auf ein Baby,
das sich plötzlich in ein Schwein verwandelt und eine Katze, die verschwindet, bis nur noch ihr
Grinsen sichtbar ist. Neben einer unendlichen Teeparty kommt auch noch ein Croquet-Spiel mit menschlichen
Spielkarten vor, bevor die Geschichte damit endet, dass der Herz-Bube wegen Diebstahls vor Gericht
gestellt wird und Alice unter einem Baum bei ihrer Schwester Celia aufwacht.Das Buch wurde zuerst am 4. Juli 1865 veröffentlicht. Es ist inspiriert durch eine Bootsfahrt auf der Themse genau drei Jahre zuvor, auf der Carroll den drei Schwestern Lorina Charlotte, Alice Pleasance und Edith Liddell eine Geschichte erzählte, die er erst unter dem Namen Alice's Adventures Under Ground und dann nach Erweiterungen als Alice's Adventures in Wonderland niederschrieb.
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