Descartes stammt aus einem alten Adelsgeschlechts in der Touraine. René besuchte 8 Jahre lang das
Jesuitenkollegium in La Flèche (Anjou), wo er neben den klassischen Studienfächern auch in
moderner Mathematik, Naturwissenschaften und Scholastik unterrichtet wurde. Danach begann er ein
Jurisprudenz-Studium an der Universität von Poitiers, das er 1616 abschloss. Dennoch übte er nie einen Beruf im Rechtsbereich aus. 1618 begann er eine militärische Karriere, die ihn in verschiedenen Armeen quer durch Europa führte; er nahm am Dreissigjährigen Krieg teil. Von 1623 bis 1625 reiste Descartes durch Italien und von 1625 und 1629 weilte er in Frankreich, wo er Teil einer Forschergruppe war. Nun widmete sich Descartes ganz dem Studium der Philosophie und Naturwissenschaften. 1629 verkaufte er seinen Besitz in Frankreich und zog in die republikanischen Niederlande, wo er mehr Gedankenfreiheit erwartete, doch nach seinen Veröffentlichungen geriet er bald in Konflikt mit der holländischen Kirche, die seinen Gottesbegriff inakzeptabel fand. So folgte er 1649 noch so gerne einer Einladung der Königin Christine von Schweden und reiste nach Stockholm, um ihr Philosophieunterricht zu erteilen. Der strenge nordische Winter liess Descartes' Lungenleiden wieder aufbrechen, an dem er schliesslich im Jahr 1650 starb.
Schon während den Feldzügen galt Descartes' Hauptinteresse nicht der Politik, sondern den Problemen der Mathematik und Philosophie. Als er gerade an einem ersten Werk arbeitete, hörte er von der Verurteilung Galileis wegen dessen Ablehnung des ptolomäischen Weltbildes. Descartes merkte dadurch, dass die Kirche noch immer sehr empfindlich war und den wissenschaftlichen Fortschritt aufhalten wollte. Descartes blieb vorsichtig und veröffentlichte daraufhin nur relativ ungefährliche Teile seines Werkes. Den berühmten Discours de la méthode gab er 1637 anonym in Leiden heraus. Weitere wichtige Werke waren die Meditationes de Prima Philosophia und die lateinischen Principia Philosophiae.
Descartes' Schriften wurden 13 Jahre nach seinem Tod von der katholischen Kirche auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt. Doch die Verbreitung der Cartesianischen Gedanken konnte damit nicht mehr gestoppt werden. Descartes gilt heute als eigentlicher Begründer der neuzeitlichen Philosophie und einer der Urväter der Aufklärung. Seine bedeutenden Beiträge im Bereich der Mathematik sind unbestritten. Am 2. Dezember 2004 wurde der mit einer Million Euro dotierte Descartes-Preis der Europäischen Union erstmals verliehen. Mit dem Preis wird europäische Spitzenforschung ausgezeichnet.
| Literatur: | René Descartes, Discours de la méthode, Paris 2000, Garnier. Otto A. Böhmer, Sternstunden der Philosophie. Von Platon bis Heidegger, München 2003, Beck. |
| Internet: | René Descartes, Discours de la méthode, Originaltext im
ABU-Projekt. René Descartes, Meditations touchant la Première philosophie, Originaltext im Athena-Projekt. E-Philo, Descartes, Seite im Philolexikon. Armin Hermann, Descartes, Biographie aus dem Physik-Lexikon. |
Obwohl er im Winterquartier seines Heeres nicht übermässig beschäftigt war, fiel es Descartes schwer, sich auf seine geistige Arbeit zu konzentrieren. Er hatte eine Art Erleuchtung gehabt, konnte sie aber nicht in Worte fassen. Vorerst führte er seinen kriegerischen Beruf weiter, auf der Seite des Herzogs von Bayern nahm er an der Schlacht am Weissen Berg teil, die dem böhmischen König Friedrich (Tochter Elisabeth 20 Jahre später De's Freundin) eine schwere Niederlage zufügte. Von dieser Zeit wird berichtet, dass er an Frauen weniger interessiert war und eine sehr schöne Dame sogar mit den Worten abwies, die Wahrheit wäre noch viel schöner als sie.
Erst 17 Jahre später veröffentlichte er schliesslich die bahnbrechende Abhandlung über die Methode . Descartes kritisiert die althergebrachte Scholastik: Wie in der Medizin, wo die Ärzte über "Heilmittel" debattiereten, die "gewisse Launen vertreiben", so bewunderten die Menschen auch diejenigen Philosophen, die möglichst komplizierte Gedankengänge von sich geben. Doch müsse die Philosophie auf einfachen Grundlagen basieren, denn nur vom Einfachen können man zum Schwierigen fortschreiten. Obwohl das Buch aus heutiger Sicht nichts erstaunliches bietet, betrat Descartes in seiner Zeit Neuland und verdankte es nur seiner langen und akkuraten Beschäftigung. In der Einleitung schrieb er, dass er in seiner Schulzeit gelernt habe, dass es keinen Unfug gäbe, den nicht irgendein Philosoph vertreten hätte. Deshalb müsse er ganz von vorne anfangen. Seine Methode bestand aus vier Schritten: 1. Nichts als wahr annehmen, was nicht evident als wahr erkannt werden kann. 2. Die Probleme in soviele Schritte aufteilen, wie nötig sind. 3. Gedanken ordnen, mit dem einfachsten Problem beginnen und stufenweise weiterfahren. 4. Durch vollständige Notizen sicher gehen, dass nichts übergangen wurde. Dieses empirische Programm sollte einen Wegweiser für die Naturwissenschaften geben, doch wollte er selbst es gerade mal in der Philosophie anwenden.
Zu diesem Zweck nahm er vorerst einmal nichts an. In seinem radikalen Zweifel meinte er, es könnte ja sein, dass ein böser Genius ihn nur träumte und ihm die ganze Welt vorgaukelte. Schliesslich kam er aber doch auf jenen einen Gedanken, der später zu seinem berühmten Satz «Cogito ergo sum» wurde. Er konnte denken, ja zweifeln, doch sich selbst wegdenken konnte er nicht: «Täusche mich, wer immer kann, er wird doch nie bewirken, dass ich nichts bin, solange ich denke, dass ich etwas bin; oder dass es eines Tages wahr ist, ich sei niemals gewesen, wenn es in diesem Augenblick wahr ist, dass ich bin. Ich denke, also bin ich. Wie lange aber? Solange ich denke. Was bin ich also? Ein denkendes Ding, d.h. ein zweifelndes, erkennendes, bejahendes, verneinendes, wollendes, nicht wollendes, einbildendes und empfindendes Ding.» In einem zweiten Schritt, der weniger nachvollziehbar ist, führte er Gott und die Seele wieder an ihren Platz zurück.
Obwohl Descartes eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für die nachfolgenden Generationen von
Philosophen hatte, sah er seinen Beitrag sehr bescheiden. Er habe doch nur Glück gehabt, dass er schon in
seiner Jugend einen wachen Geist besessen habe.
[Nach: Böhmer, S. 43-55]
Denken, Wissen, Wissenschaften
«Alles Wissen besteht in einer sicheren und klaren Erkenntnis.»
«Es muss das Ziel der wissenschaftlichen Bestrebungen sein, den Geist so zu lenken, dass er über alle sich ihm darbietenden Gegenstände begründete und wahre Urteile
fällt.»
Andere Aussprüche
«Die Leute streiten, weil sich nicht gelernt haben zu argumentieren.»
«Es reicht nicht aus, einen gut funktionierenden Verstand zu haben; das Wichtigste ist, ihn auch gut zu nutzen.»
«Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.»
«Die nur ganz langsam gehen, aber immer den rechten Weg verfolgen, können viel weiter kommen als die, welche laufen und auf Abwege geraten.»