John Duns Scotus wurde in England geboren. Nach der üblichen theologischen Ausbildung lehrte er in Oxford, 1302 in Paris und ab 1307 in Köln, wo er bald darauf im Alter von lediglich 41 Jahren starb. Aufgrund seiner scharfsinnigen Analysen erhielt er den Ehrentitel "doctor subtilis".
Die Aristoteles-Rezeption hatte im 13. Jahrhundert zu Kompromisssystemen geführt, die von Philosophen wie von religiösen Erneuerungsbewegungen bekämpft wurden. Duns Scotus versuchte, die Grenze zwischen Philosophie und Theologie neu zu ziehen und damit den Konflikt zwischen Wissen und Glauben zu lösen. Gegen die Aristoteliker wandte er ein, aus Vernunftbeweisen sei keine unmittelbare Erkenntnis zu gewinnen, daher hielt er die Unsterblichkeit der Seele und Gottes Existenz nicht für beweisbar. Zwar verwarf er die politische Theologie nicht, doch bereitete er die Kritik William von Ockhams vor. Duns Scotus prägte das spätmittelalterliche Denken, indem er eine genaue Prüfung von Argumenten forderte und den Harmonisierungsbemühungen Thomas von Aquins kritisch gegenüberstand. Sein Lehrgebäude, der "Skotismus" entsprach den Bedürfnissen der spätmittelalterlichen Welt und fand trotz seiner sprichwörtlichen Verwickeltheit an den Universitäten teilweise bis ins 17.Jahrhundert weite Verbreitung.
| Literatur: | Johannes Duns Scotus, Über die Erkennbarkeit Gottes, Hamburg 2002, Meiner. |
| Internet: | Stanford Encyclopedia of Philosophy, John Duns Scotus, Lexikoneintrag (englisch). |