Friedrich Engels war der Sohn eines reichen Textilfabrikanten. In der Lehrzeit stand er dem "Jungen
Deutschland" nahe, in Berlin lernte er die Junghegelianer kennen. Unter einem Pseudonym gar er 1839
erstmals einige Schriften heraus. Von 1842-44 arbeitete er in Manchester, wo er das Elend der Arbeiter
hautnah erlebte. Auf der Rückreise traf Engels 1844 in Paris Marx, mit dem er sofort eine fast vollkommene Übereinstimmung in den
politischen Ansichten feststellte. In Brüssel gaben sie erstmals gemeinsam erarbeitete Texte heraus.
1847 wurde Engels zum Sekretär der Ersten Internationalen gewählt. Während der Revolution
lebte Engels in Köln, ab 1849 arbeitete er wieder in der väterlichen Firma in Manchester. Mit
viel Geld unterstützte er den mittellosen Marx. 1870 zog er zu diesem nach London, wo er viele Werke
verfasste.
In der Jugend noch stark vom Junghegelianismus geprägt, wandte sich Engels unter dem Eindruck der erbärmlichen Lage der englischen Arbeiterschaft dem Sozialismus zu. Zusammen mit Marx entwickelte er eine kommunistische Weltdeutung. Kurz vor der Revolution von 1848/49 schrieben sie das Manifest der Kommunistischen Partei. In diesem welthistorisch äusserst bedeutsamen Text nahmen Marx und Engels eine radikale Kritik der bürgerlichen Gesellschaft vor und riefen das internationale Proletariat zum Klassenkampf auf. Während Marx an ökonomischen Werken arbeitete, schrieb Engels viele historische, politische und militärwissenschaftliche Arbeiten. Nach dem Tod Marx' gab er dessen hinterlassene Schriften heraus.
| Literatur: | Friedrich Engels, Der deutsche Bauernkrieg, Münster 2004, Unrast. Marx/Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Stuttgart 1999, Reclam UB 8323. Marx/Engels, Studienausgabe Band 1: Philosophie (hg. v. Iring Fetscher), Frankfurt am Main 1990, Fischer. Marx/Engels, Studienausgabe Band 2: Politische Ökonomie (hg. v. Iring Fetscher), Frankfurt am Main 1990, Fischer. |
| Internet: | Marx/Engels, Sämtliche Texte, mit Volltextsuche. Friedrich Engels, Diverses, Originaltexte im Gutenberg-Projekt Peter Möller, Marx & Engels, Kritik einzelner Konzepte. |
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Auf der Rückreise von England traf Engels 1844 in Paris Marx, mit dem er eine lebenslange Freundschaft schloss. Die beiden stellten bald fest, dass sie in ihren politischen und gesellschaftlichen Ideen völlig übereinstimmten; Engels zog mit Marx nach Brüssel. In der ersten gemeinsam verfassten Schrift Die heilige Familie grenzten sie sich von den Linkshegelianern ab und mit der Deutschen Ideologie stellten sie ihre kommunistische Vision vor, die sich in ihrer Religionskritik auf Feuerbach bezog. Bald traten Marx und Engels dem Londoner "Bund der Gerechten" bei, der sich unter ihrem Einfluss zum Kommunistischen Bund umbenannte. Engels schrieb 1847 die Grundsätze des Kommunismus und zusammen mit Marx kurz darauf das berühmte Manifest der Kommunistischen Partei (beide Texte enthalten in Reclam 8323).
Während der deutschen Revolution von 1848 arbeitete Engels mit an Marx' Neuen Rheinischen Zeitung und nahm 1849 an Aufständen in Baden und der Pfalz teil. Nach der Niederlage der Revolution zog Engels in die Schweiz, dann nach England, wo er die nächsten 20 Jahre wieder im Geschäft seines Vaters arbeitete. Dabei unterstützte er Marx, dessen Ideen er immer noch teilte, mit grossen finanziellen Zustupfen. 1870 liess er sich in London nieder, wo er sich nun ausschliesslich der sozialistischen Bewegung widmete. Er wurde Sekretär im Generalrat der Ersten Internationalen (offiziell "Internationale Arbeiterassoziation"). In Abgrenzung von anderen sozialistischen Strömungen betonten Engels und Marx den prozessualen und damit langfristigen Charakter der proletarischen Revolution. Engels betonte, die Revolution würde nicht «über Nacht» kommen, sondern sei ein «mehrjähriger Entwicklungsprozess der Massen, unter beschleunigten Umständen.»
Während Marx an seinen ökonomischen Studien arbeitete, wandte Engels die gemeinsame Geschichtsauffassung auf militärwissenschaftliche und historisch-politische Themen an. So schrieb er zum Beispiel eine Analyse der Bauernkriege von 1525, in der er Thomas Müntzer zum ersten Revolutionär hochstilisierte. In der Dialektik der Natur versuchte er, die Dialektik des ökonomischen und gesellschaftlichen Geschehens zu einer Dialektik der Natur zu erweitern. Engels zog aus der Auseinandersetzung mit den naturwissenschaftlichen Arbeiten seiner Gegenwart den Schluss, dass sich die Natur nach den ihr innewohnenden, ihr eigentümlichen Gesetzen der Dialektik in einem ständigen Evolutionsprozess entfalte, genau wie der Mensch und die Gesellschaft sich in der marxistischen Theorie nach Gesetzen entwickeln. Nach Marx' Tod setzte Engels seine publizistische Tätigkeit fort, redigierte nun auch Marx' Nachlass und gab die Bände 2 und 3 des Kapitals heraus. Engels tritt hinter Marx stets etwas zurück, was aber nicht erstaunt, wenn man bedenkt, dass er einige seiner Schriften sogar unter Marx' Namen herausgab. Doch mit all seinen Arbeiten trug Engels wahrscheinlich ebenso stark zur Verbreitung des Marxismus bei wie der Namensgeber selbst.