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Last Update: 03.11.04
 

 
 

Friedrich Engels (1820-1895)

Der deutsche Philosoph und Historiker Friedrich Engels wurde am 28. November 1820 in Barmen bei Wuppertal geboren und starb am 5. August 1895 in London. Als enger Mitarbeiter und zeitweiliger Financier Marx' arbeitete er mit diesem an einer Überwindung des Kapitalismus. Marx und Engels gelten als Begründer des "wissenschaftlichen Sozialismus", auch bekannt als Marxismus.

Friedrich Engels Friedrich Engels war der Sohn eines reichen Textilfabrikanten. In der Lehrzeit stand er dem "Jungen Deutschland" nahe, in Berlin lernte er die Junghegelianer kennen. Unter einem Pseudonym gar er 1839 erstmals einige Schriften heraus. Von 1842-44 arbeitete er in Manchester, wo er das Elend der Arbeiter hautnah erlebte. Auf der Rückreise traf Engels 1844 in Paris Marx, mit dem er sofort eine fast vollkommene Übereinstimmung in den politischen Ansichten feststellte. In Brüssel gaben sie erstmals gemeinsam erarbeitete Texte heraus. 1847 wurde Engels zum Sekretär der Ersten Internationalen gewählt. Während der Revolution lebte Engels in Köln, ab 1849 arbeitete er wieder in der väterlichen Firma in Manchester. Mit viel Geld unterstützte er den mittellosen Marx. 1870 zog er zu diesem nach London, wo er viele Werke verfasste.

In der Jugend noch stark vom Junghegelianismus geprägt, wandte sich Engels unter dem Eindruck der erbärmlichen Lage der englischen Arbeiterschaft dem Sozialismus zu. Zusammen mit Marx entwickelte er eine kommunistische Weltdeutung. Kurz vor der Revolution von 1848/49 schrieben sie das Manifest der Kommunistischen Partei. In diesem welthistorisch äusserst bedeutsamen Text nahmen Marx und Engels eine radikale Kritik der bürgerlichen Gesellschaft vor und riefen das internationale Proletariat zum Klassenkampf auf. Während Marx an ökonomischen Werken arbeitete, schrieb Engels viele historische, politische und militärwissenschaftliche Arbeiten. Nach dem Tod Marx' gab er dessen hinterlassene Schriften heraus.

Literatur:   Friedrich Engels, Der deutsche Bauernkrieg, Münster 2004, Unrast.
Marx/Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Stuttgart 1999, Reclam UB 8323.
Marx/Engels, Studienausgabe Band 1: Philosophie (hg. v. Iring Fetscher), Frankfurt am Main 1990, Fischer. Marx/Engels, Studienausgabe Band 2: Politische Ökonomie (hg. v. Iring Fetscher), Frankfurt am Main 1990, Fischer.
Internet:   Marx/Engels, Sämtliche Texte, mit Volltextsuche.
Friedrich Engels, Diverses, Originaltexte im Gutenberg-Projekt
Peter Möller, Marx & Engels, Kritik einzelner Konzepte.

 

EINSTIEG

Friedrich Engels war der Sohn eines wohlhabenden Textilfabrikanten und Kaufmanns. Während seiner Lehre stand er der politisch-literarischen Bewegung "Junges Deutschland" nahe, die das Ziel einer deutschen Einigung verfolgte. In seiner Militärzeit lernte er in Berlin die "Junghegelianer" kennen. Unter dem Decknamen "F. Oswald" veröffentlichte er 1839-42 seine ersten philosophie-, religions- und literaturkritischen Schriften. Als er von 1842-44 in Manchester in der Filiale des väterlichen Geschäfts arbeitete, sah er das Elend der englischen Arbeiterschaft. Er lernte auch den englischen Frühsozialisten Owen und die "Chartisten" kennen. In der 1844 verfassten Schrift Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie meinte Engels, dem Industrieproletariates komme die Hauptrolle beim Aufbau einer kommunistischen Gesellschaft in der Zukunft zu. In der polemischen Schrift Die Lage der arbeitenden Klasse in England kritisierte er 1845 die menschenunwürdigen Lebensverhältnisse der englischen Industriearbeiter.

Auf der Rückreise von England traf Engels 1844 in Paris Marx, mit dem er eine lebenslange Freundschaft schloss. Die beiden stellten bald fest, dass sie in ihren politischen und gesellschaftlichen Ideen völlig übereinstimmten; Engels zog mit Marx nach Brüssel. In der ersten gemeinsam verfassten Schrift Die heilige Familie grenzten sie sich von den Linkshegelianern ab und mit der Deutschen Ideologie stellten sie ihre kommunistische Vision vor, die sich in ihrer Religionskritik auf Feuerbach bezog. Bald traten Marx und Engels dem Londoner "Bund der Gerechten" bei, der sich unter ihrem Einfluss zum Kommunistischen Bund umbenannte. Engels schrieb 1847 die Grundsätze des Kommunismus und zusammen mit Marx kurz darauf das berühmte Manifest der Kommunistischen Partei (beide Texte enthalten in Reclam 8323).

Während der deutschen Revolution von 1848 arbeitete Engels mit an Marx' Neuen Rheinischen Zeitung und nahm 1849 an Aufständen in Baden und der Pfalz teil. Nach der Niederlage der Revolution zog Engels in die Schweiz, dann nach England, wo er die nächsten 20 Jahre wieder im Geschäft seines Vaters arbeitete. Dabei unterstützte er Marx, dessen Ideen er immer noch teilte, mit grossen finanziellen Zustupfen. 1870 liess er sich in London nieder, wo er sich nun ausschliesslich der sozialistischen Bewegung widmete. Er wurde Sekretär im Generalrat der Ersten Internationalen (offiziell "Internationale Arbeiterassoziation"). In Abgrenzung von anderen sozialistischen Strömungen betonten Engels und Marx den prozessualen und damit langfristigen Charakter der proletarischen Revolution. Engels betonte, die Revolution würde nicht «über Nacht» kommen, sondern sei ein «mehrjähriger Entwicklungsprozess der Massen, unter beschleunigten Umständen.»

Während Marx an seinen ökonomischen Studien arbeitete, wandte Engels die gemeinsame Geschichtsauffassung auf militärwissenschaftliche und historisch-politische Themen an. So schrieb er zum Beispiel eine Analyse der Bauernkriege von 1525, in der er Thomas Müntzer zum ersten Revolutionär hochstilisierte. In der Dialektik der Natur versuchte er, die Dialektik des ökonomischen und gesellschaftlichen Geschehens zu einer Dialektik der Natur zu erweitern. Engels zog aus der Auseinandersetzung mit den naturwissenschaftlichen Arbeiten seiner Gegenwart den Schluss, dass sich die Natur nach den ihr innewohnenden, ihr eigentümlichen Gesetzen der Dialektik in einem ständigen Evolutionsprozess entfalte, genau wie der Mensch und die Gesellschaft sich in der marxistischen Theorie nach Gesetzen entwickeln. Nach Marx' Tod setzte Engels seine publizistische Tätigkeit fort, redigierte nun auch Marx' Nachlass und gab die Bände 2 und 3 des Kapitals heraus. Engels tritt hinter Marx stets etwas zurück, was aber nicht erstaunt, wenn man bedenkt, dass er einige seiner Schriften sogar unter Marx' Namen herausgab. Doch mit all seinen Arbeiten trug Engels wahrscheinlich ebenso stark zur Verbreitung des Marxismus bei wie der Namensgeber selbst.

 

BERÜHMTE ZITATE

«Alles, was die Menschen in Bewegung setzt, muss durch ihren Kopf hindurch; aber welche Gestalt es in diesem Kopf annimmt, hängt sehr von den Umständen ab.»
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