Nach dem Studium der Germanistik und der Philosophie betätigte sich Enzensberger als
Rundfunkredakteur und
Lektor. Seine schriftstellerische Karriere begann mit betont zeitkritischer Lyrik, die - wie in den
Sammelbänden verteidigung der wölfe (1957) und landessprache (1960) - mit
irritierenden Stilmitteln (Verfremdung des Wortmaterials, parodistischer Gebrauch von Zitaten etc.)
verfuhr. Darüber hinaus verfasste Enzensberger seit den sechziger Jahren auch politik- und
medienkritische Essays, z. B. Einzelheiten (1962-1964), Politik und Verbrechen (1964),
Deutschland, Deutschland unter anderem (1967) und Baukasten zur Theorie der Medien (1971). Im
Rahmen der Studentenbewegung forderte er die Intellektuellen auf, an der "politischen
Alphabetisierung Deutschlands" mitzuwirken. Mit den teils dokumentarischen Arbeiten Das
Verhör von Habana (1970), Freisprüche, Revolutionäre vor Gericht (1970; Hg.)
und dem Roman Der kurze Sommer der Anarchie. Buenaventura Durrutis Leben und Tod (1972) suchte er
dieses Vorhaben praktisch umzusetzen. International bekannt wurde Enzensberger vor allem auch als
Herausgeber der Zeitschriften Kursbuch (1965-1975; seitdem beratend) und Transatlantik
(1980-1982). Seit 1985 fungiert er als Herausgeber der bemerkenswerten Verlags-Reihe Die Andere
Bibliothek. Enzensberger äussert sich immer wieder engagiert zu aktuellen politischen und
sozialen Fragen. So übte er nach der Wiedervereinigung Deutschlands vehemente Kritik an der Linken,
die eine Neuorientierung in der politischen Praxis verspielt hätte. Seit 1980 lebt Enzensberger in
München. Weitere Werke sind u.a. Ach Europa! (1987) und Mittelmass und Wahn (1988). Zu
Enzensbergers Dramen gehören Der Untergang der Titanic. Eine Komödie (1978) und Der
Menschenfreund (1984), das auf Molières
Menschenfeind anspielt.
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Sprachliche Elemente
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Enzensberger über sein Gedicht: "Die Bewusstseins-Industrie ist ein Kind der letzten hundert Jahre. ... Sie ist die eigentliche Schlüsselindustrie des 20. Jahrhunderts. ... Indem Meinungen, Urteile und Vorurteile verbreitet werden, versucht diese Art von Industrieerzeugnissen die existierenden Herrschaftsverhältnisse, gleich welcher Art sie sind, zu verewigen. Sie soll Bewusstsein nur induzieren, um es auszubeuten. Ihr Produkt ist immateriell. ... Wer Herr und Knecht ist, das entscheidet sich nicht nur daran, wer über Kapital, Fabriken und Waffen, sondern, je länger je deutlicher, daran, wer über das Bewusstsein der anderen verfügen kann. Seitdem sich die Produktion materiller Güter genügend ausgedehnt hat ... ist jede Herrschaft prinzipiell ungesichert, von der Zustimmung ihrer Subjekte abhängig: nach deren Zustimmung muss sie trachten, unablässig muss sie sich selbst rechtfertigen. ... An die Stelle der materiellen tritt eine immaterielle Verelendung, die sich am deutlichsten im Schwinden der politischen Möglichkeiten des einzelnen ausdrückt: einer Masse von politischen Habenichtsen, über deren Köpfe hinweg sogar der kollektive Selbstmord beschlossen werden kann, steht eine immer kleinere Anzahl von politisch Mächtigen gegenüber. Dass dieser Zustand von der Majorität hingenommen und freiwillig ertragen wird, ist heute die wichtigste Leistung der Bewusstseins-Industrie." (Einzelheiten I, 1962)