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Epikur (341-270 v. Chr.)

Der hellenistische Philosoph Epikur von Samos entwickelte Aristippos' hedonistische Lehre weiter. Für ihn war Lust das Ziel des Lebens, worunter er die Freiheit von Schmerz und Seelenruhe verstand. Er glaubte nicht an eine unsterbliche Seele oder ein Leben nach dem Tod, doch brauche uns das nicht zu stören, da wir es ja nicht erleben würden.

Der griechische Philosoph Epikur wurde auf der Insel Samos geboren. Im Alter von 18 Jahren leistete er in Athen seinen Militärdienst. Danach zog er zu seinem Vater nach Kolophon, wo er wie dieser Lehrer wurde. Um 311 gründete Epikur seine philosophische Schule in Mytilene auf der Insel Lesbos, und drei Jahre später wurde er zum Oberhaupt der Schule von Lampsakos (heute Lâpseki, Türkei) ernannt. Im Jahre 306 zog er mit seiner Schule nach Athen um, wo er bis zu seinem Tod lehrte.

Epikur entwickelte die hedonistische Philosophie der Kyrenaiker, v.a. Aristippos' weiter. Für Epikur ist Lust das höchstes Gut und Hauptziel im Leben. Die Kardinaltugenden der epikureischen Ethik sind Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Vernunft bzw. die Ausgewogenheit zwischen Lust und Leid. Wahres Glück ist nach Epikur die heitere Ruhe, die aus dem Sieg über die Furcht erwächst. Letztes Ziel aller epikureischer Gedanken über die Natur ist die Befreiung des Menschen von diesen Ängsten. Epikur zufolge besteht die Seele aus feinsten Teilchen, die im ganzen Körper verteilt sind. Die Auflösung des Körpers nach dem Tod führt zur Auflösung der Seele, was ein Leben nach dem Tode unmöglich macht. Man brauche sich vor dem Tod aber nicht zu fürchten, denn «solange wir sind, ist der Tod nicht und wenn der Tod da ist, gibt es uns nicht mehr.» Auch Epikurs Naturauffassung ist materialistisch und schliesst an die Tradition der Vorsokratiker Leukipp und Demokrit an. Wie diese betrachtete Epikur das Universum als unendlich und ewig und lediglich aus Körpern und leerem Raum bestehend. Anders als Demokrit glaubte er aber, dass die Atome sich bei Gelegenheit spontan in Bewegung setzten. Das lieferte ihm ein Mittel, die Freiheit des menschlichen Willens mit der materialistischen Weltauffassung kompatibel zu machen. In seiner Biologie nahm Epikur einen Schlüsselgedanken des Darwinismus vorweg; er meinte, dass nur diejenigen Arten überleben, die sich erhalten und vermehren können.

In der Biographie des Historikers Diogenes Laertios heisst es, Epikur habe an die 300 Manuskripte verfasst. Von diesen Schriften sind jedoch - vermutlich weil er schon von Zeitgenossen und von der christlichen Kirche erst recht abgelehnt wurde - nur drei Briefe sowie einige kurze Fragmente erhalten geblieben. Die Hauptquellen für die Überlieferung seiner Lehren sind die Werke der römischen Schriftsteller Cicero, Seneca, Plutarch und Lukrez, dessen Gedicht De Rerum Natura die Lehren des Epikureismus enthält.

Literatur:   Epikur, Briefe/Sprüche/Werkfragmente (Griechisch/Deutsch), Stuttgart ²2000, Reclam UB 9984.
Josef M. Werle, Epikur für Zeitgenossen. Ein Lesebuch zur Philosophie des Glücks, München 2002, Goldmann.
Otto A. Böhmer, Sternstunden der Philosophie. Von Platon bis Heidegger, München 2003, Beck.
Internet:   Michael Kuhn, Epikur, eine Vita mit einigen Original-Texten.
Alexander Ebel, Epikurs Briefe , Zusammenfassung.
Michael Erler, Leben wie ein Gott auf Erden, Artikel aus "Die Zeit" vom 1. Juli 1999.
Vincent Cook, Epicurus Epicurean Philosophy, Seite mit Original-Texten (englisch).
FAU Erlangen-Nürnberg, Epikur-Bilder.

 

EINSTIEG

Epikur lebte zu einer Zeit, als die Philosophie schon nicht mehr den guten Ruf hatte, den sie noch in der klassischen Zeit hatte. Erziehung und Philosophie waren nicht mehr ein und dasselbe. Sextus Empiricus beschrieb ein frühes Erlebnis Epikurs. Sein Vater, der ein Lehrer war, nahm den jungen Epikur im Alter von 13 Jahren mit zum Unterricht. Ein Lehrer erklärte: «Am Anfang entstand das Chaos.» Da fragte Epikur: «Und woraus entstand das Chaos?» Darauf meinte der Lehrer: «Das können wir nicht wissen, dies ist eine Frage, mit der sich die Philosophen beschäftigen.» Darauf meinte Epikur: «Und wozu soll ich dann hier meine Zeit verschwenden? Dann kann ich doch lieber gleich zu den Philosophen gehen.»

Epikur litt nicht gerade unter mangelndem Selbstbewusstsein, er war stolz auf seine autodidaktisch erarbeiteten Gedanken. Von den grossen Philosophen seiner Zeit, Platon und Aristoteles, hielt er wenig, denn er hatte eine Abneigung gegen Systeme. Trotz seiner frühen Hinwendung zur Philosophie gelang es Epikur erst mit etwa 32 Jahren eine eigene Schule zu gründen, die sich in Mytilene auf Lesbos befand. Die Schüler, die er um sich scharte, waren ihm treu, was für die ihm nachgesagten Führungsqualitäten spricht. Er behandelte einfache Leute mit grosser Höflichkeit und freundlichem Respekt, während er für seine Berufskollegen meistens nur Spott und Hohn übrig hatte. Epikur war sicher im Auftreten und strahlte die Gelassenheit eines Selfmademan aus. Faszinierend wirkte zudem der Freundschaftskult, der in Epikurs Schule betrieben wurde. Die Epikureer waren Freunde fürs Leben, was in seiner Ethik mehr bedeutete als die grösste Tugend. So wuchsen die Epikureer mit der Zeit zu einer immer grösseren Familie und 306 übersiedelte Epikur mit allen Anhängern nach Athen, wo er sich eine noch grössere Ausstrahlung seiner Schule versprach. Und tatsächlich kamen die Schüler in Strömen aus ganz Griechenland und Kleinasien. Da Epikur ein lauschiges Gartengrundstück erworben hatte, wurden seine Schüler als Philosophen des Gartens bekannt.

In vornehmeren Kreisen der Stadt zog man schon bald gegen die epikureische Schule zu Felde: Vor allem die Tatsache, dass Epikur in seinem Garten auch Sklaven und Frauen zuliess, stiess auf Ablehnung. Bald wurden Gerüchte verbreitet, der Meister schlafe in jeder Nacht mit fünf Damen, was wohl eher nicht zutraf, wenn man bedenkt, was Epikur über Sex sagte. Es ist aber durchaus anzunehmen, dass Epikur allerlei Erfahrungen in diesem Gebiet gesammelt hatte, denn er trat wie ein erfahrener Genussvirtuose auf. Gerade der Begriff der "Lust", den Epikur als Freiheit von Schmerz verstand, hat zu den Missverständnissen rund um seine Schule beigetragen. Es hiess bald einmal, im Garten gäben sich die Epikureer der ungezügelten Völlerei und Wollust hin. Doch die Epikureer zogen geistige Lust der Sinneslust vor. In einem Brief schrieb Epikur dazu: «Wenn wir also die Lust als das Endziel hinstellen, so meinen wir damit nicht die Lüste der Schlemmer und solche, die in nichts als dem Genusse selbst bestehen, wie manche Unkundige und manche Gegner oder auch absichtlich Missverstehende meinen, sondern das Freisein von körperlichem Schmerz und von Störung der Seelenruhe.»

Interessant für seine Anhänger dürfte auch gewesen sein, dass Epikur den Sinneseindrücken vertraute und die "Vernünfteleien" des Platon ablehnte. In seiner Naturwissenschaft hielt er es mit der Atomtheorie Demokrits, die er praktisch vollständig übernahm. Er nahm auch eine Vielzahl von möglichen Welten an. Wahrscheinlich glaubte er gar nicht an Götter, doch leugnete er deren Existenz nicht. Vielmehr vertrat er eine deistische Sicht, wonach diese glückliche und ewige Wesen mit übernatürlichen Kräften seien, die bestimmt keinen Einfluss auf die Vorgänge auf der Erde nähmen. Er fand auch für sie einen Platz in seinem Weltbild: Er versorgte sie zwischen den Universen, wo sie niemanden störten.

Nach 30 Jahren an der Spitze seiner Schule kam für Epikur der Zeitpunkt seines Endes. Er litt an einem Nierenleiden, das ihm schreckliche Schmerzen verursachte. Doch der Genussmensch inszenierte seinen eigenen Tod standesgemäss: Er liess sich seine Badewanne füllen, legte sich hinein und verlangte nach einem letzten Glas guten Wein. Nachdem er es getrunken hatte, mahnte er die um ihn versammelten Schüler zur Treue zur Philosophie und zur Pflege ihrer Freundschaft. Danach schloss er die Augen für immer.
[Nach: Böhmer, S. 31-42]

 

LEHRSÄTZE

Auswahl aus den 40 Lehrsätzen. [Nach: Briefe/Sprüche/Werkfragmente, S. 66-79]

Lust und Begierde
V «Es ist nicht möglich, lustvoll zu leben, ohne einsichtsvoll, vollkommen und gerecht zu leben; ebensowenig einsichtsvoll, vollkommen und gerecht zu leben, ohne lustvoll zu leben.»
VIII «Keine Lust ist an sich ein Übel. Aber das, was bestimmte Lustempfindungen verschafft, führt Störungen herbei, die um vieles stärker sind als die Lustempfindungen.»
XVIII «Die Lustempfindung im Fleische wächst nicht mehr, wenn erst einmal das schmerzhafte Gefühl des Mangels aufgehoben wird, sondern variiert nur. Des Denkens Lustgrenze wird erzeugt durch die Ergründung gerade jener Zusammenhänge, die dem Denken die grössten Ängste verschaffen, und all dessen, was damit verwandt ist.»
XX «Das Fleisch erlangte die Grenzen der Lust nur im Unbegrenzten, und nur unbegrenzte Zeit könnte sie verschaffen. Das Denken jedoch, wenn es bezüglich des Zieles und der Grenze des Fleisches Reflexionsfähigkeit erlangt und die Ängste im Hinblick auf die Ewigkeit gelöst hat, verschafft das vollkommene Leben, und wir bedürfen der unbegrenzten Zeit nicht mehr. Vielmehr flieht es weder die Lust, noch scheidet es, wenn die Verhältnisse sein Ausscheiden aus dem Leben bewirken, als mangelte ihm irgend etwas am vollendeten Leben.»
XXVI «All jene Begierden, die nicht wieder zu einer Schmerzempfindung führen, wenn sie nicht erfüllt werden, sind nicht notwendig, sondern enthalten ein leicht auslöschbares Verlangen, wann immer es sich zeigt, dass ihre Gegenstände schwer zu beschaffen sind oder Schaden hervorrufen.»

Philosophie und Erkenntnis
II «Der Tod ist nichts, was uns betrifft. Denn das Aufgelöste ist empfindungslos. Das Empfindungslose aber ist nichts, was uns betrifft.»
XI «Wenn uns nicht Anwandlungen von Argwohn vor den Himmelserscheinungen quälten oder vor dem Tode, er könnte uns irgendwie betreffen, dazu die Tatsache, dass wir die Grenzen der Schmerzen und Begierden nicht erkennen, so bedürften wir der Naturforschung nicht.»
XII «Es ist nicht möglich, die Angst bezüglich der entscheidensten Gesetzmässigkeiten zu lösen, wenn man nicht verstanden hat, welches die Gesetzlichkeit des Alls ist, sondern von sich aus irgend etwas auf Grund der Mythen argwöhnt. Es ist also nicht möglich, ohne Naturforschung unbeeinträchtigte Lustempfindungen zu erlangen.»
XXIII «Liegst du mit allen Wahrnehmungen im Kampf, so wirst du nicht wissen, worauf du jene zurückführen und beurteilen kannst, die du für täuschend erklärst.»

Politik und Recht
VI «Um sich vor den Menschen sicher zu fühlen, dafür gab es infolge ihrer Veranlagung ein Gut, nämlich Herrschaft und Königtum, mit deren Hilfe man imstande war, sich dies zu verschaffen.»
XIV «Wenn auch die Sicherheit vor den Menschen bis zu einem gewissen Grade eintritt durch eine bestimmte Macht, Störungen zu beseitigen, und durch Reichtum, so entspricht doch die reinste Sicherheit aus der Ruhe und dem Rückzug von der Masse.»
XXXI «Das der menschlichen Anlage entsprechende Recht ist ein Abkommen mit Rücksicht auf den Nutzen, einander nicht zu schädigen und sich nicht schädigen zu lassen.»
XXXIII «Gerechtigkeit ist nicht etwas an und für sich Seiendes, sondern ein im Umgang miteinander an jeweils beliebigen Orten abgeschlossener Vertrag, einander nicht zu schädigen und sich nicht schädigen zu lassen.»

 

BERÜHMTE ZITATE

Auswahl aus den 81 Lebensweisheiten. [Nach: Briefe/Sprüche/Werkfragmente, S. 80-97]

Freundschaft
13 «Von dem, was die Weisheit für die Glückseligkeit des gesamten Lebens bereitstellt, ist das weitaus Grösste der Erwerb der Freundschaft.»
23 «Jede Freundschaft ist um ihrer selbst willen zu wählen. Ihren Anfang jedoch nimmt sie beim Nutzen.»
28 «Weder die Leichtfertigen noch die Zauderer soll man der Freundschaft würdigen. Man muss allerdings etwas riskieren um der Freundschaft willen.»
66 «Mitfühlen wollen wir mit unseren Freunden, nicht indem wir jammern, sondern indem wir uns um sie kümmern.»
78 «Der edle Mensch kümmert sich am meisten um Weisheit und Freundschaft. Von ihnen ist die erstgennante ein sterbliches Gurt, die letztgenannte ein unsterbliches.»

Zufall oder Schicksal - die alte Frage
40 «Wer sagt, alles geschehe mit Notwendigkeit, vermag demjeningen nichts vorzuhalten, der sagt, nicht alles geschehe mit Notwendigkeit. Denn ebendies, so behauptet er, geschehe mit Notwendigkeit.»

Hände weg von der Politik!
58 «Befreien muss man sich aus dem Gefängnis der Alltagsgeschäfte und der Politik.»

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Götter und Menschen
65 «Sinnlos ist es, von den Göttern zu erbitten, was einer sich selbst verschaffen kann. »