Ludwig Andreas war der Sohn von Paul Johann Anselm Ritter Feuerbach, der 1808 geadelt wurde. Er begann
1822 ein Studium der Theologie und ab 1825 studierte er Philosophie bei Hegel in Berlin. Nach dem Studienabschluss wurde er 1828 Privatdozent in Erlangen, doch
aufgrund seiner unorthodoxen theologischen Ansichten musste er seine Bemühungen um eine akademische
Karriere aufgeben. Ab 1836 lebte er im Schloss Brucksberg bei Ansbach. Auf Einladung von Studenten durfte
er während den Revolutionsjahren 1848/49 in Heidelberg Vorlesungen über das Wesen der Religion
halten. Nach 1860 lebte er auf dem Rechenberg in bescheidenen Verhältnissen.
Feuerbach entwickelte seine Theologiekritik in Auseinandersetzung mit dem endgeschichtlichen Anspruch der hegelschen Philosophie. Er kritisierte besonders das Konzept vom "absoluten Geist" und die rein intellektualistische Menschensicht Hegels, dem er die Vernachlässigung des sinnlichen Lebens vorwarf. Feuerbachs Anthropologie gründet auf dem dialogischen Verhältnis von "Ich" und "Du", das er als "Liebe" definierte. Aus dieser Erfahrung resultierten Sinn und Objektivität. Seine Theologiekritik steht den Positionen linkshegelianischer Theoretiker nahe, doch sein Ziel war eine philosophische Kritik der Theologie überhaupt, die zu einer Anthropologisierung der Religion führen sollte. In seinem 1841 erschienenen Hauptwerk Das Wesen des Christentums bezeichnet Feuerbach Gott als Projektion des menschlichen Strebens nach Unsterblichkeit. Feuerbachs Anthropologie wurde von Marx und Engels weiterentwickelt.
| Literatur: | Ludwig Feuerbach, Das Wesen des Christentums, Stuttgart '', Reclam UB 4571. |
| Internet: | Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft Nürnberg, Feuerbach, professionelle Seite. |
Philosophie & Wissenschaft
«Die Vernunft ist das höchste Gesetz der Philosophie.
Nicht das Heilige ist ihr wahr, sondern das Wahre heilig.»
«Wie einst von der Kirche, so muss sich jetzt der Geist vom Staate frei machen.»
«Die höchste, die gottähnlichste Macht auf Erden ist die Macht der
Wissenschaft.»
«Niemand urteilt schärfer als der Ungebildete. Er kennt weder Gründe noch
Gegengründe und glaubt sich immer im Recht.»
«Der absolute Geist ist nichts anderes als der absolute Professor, der die Philosophie als Amt
betreibende, in der Professur seine höchste Seligkeit und Bestimmung findende, den
Kathederstandpunkt zum kosmologischen und welthistorischen, alles bestimmenden Standpunkt machenden
Professor.»
Ethik
«Man muss auch gegen die Unfreiheit und Dummheit tolerant sein.»
«Deine erste Pflicht ist, dich selbst glücklich zu machen.»
«Nur der ist etwas, der etwas liebt.»
«Du bist nur, wenn Du liebst; Sein ist erst Sein, wenn es Sein der Liebe ist.»
«Liebe, aber wahrhaft! - und es fallen Dir alle andern Tugenden von selbst zu.»
«Wollt ihr das Volk bessern, so gebt ihm statt Deklamationen gegen die Sünde bessere Speisen.
Der Mensch ist, was er isst.»
Frauen
«Mann und Weib sind nicht nur leiblich, sondern auch geistig unterschieden; aber folgt aus
diesem Unterschied Unterordnung, Ausschliessung des Weibes von geistigen und allgemeinen, nicht nur
häuslichen Beschäftigungen? Lassen wir die Frauen nur auch politisieren! Sie werden gewiss
ebensogut wie wir Männer Politiker sein, nur Politiker anderer Art, vielleicht selbst besserer Art
als wir.»
Andere Aussprüche
«Einst war mir das Denken Zweck des Lebens, aber jetzt ist mir das Leben Zweck des
Denkens.»
«Die echten Schriftsteller sind die Gewissensbisse der Menschheit.»