Sigmund Freud war Schüler des Physiologen Brücke und des Hirnpathologen Meynerth. Ab 1885 war
er als Dozent für Neuropathologie an der Wiener Universität tätig. Im Jahr 1902 wurde er
zum Professor befördert und eröffnete zusätzlich eine private psychiatrische Praxis. Nach
dem Anschluss Österreichs 1938 emigrierte er nach London, wo er bald darauf starb.
Nach hirnanatomischen Forschungen studierte Freud in Paris und Nancy seelische Erkrankungen ohne organischen Befund, Hysterien. Zusammen mit Breuer entwickelte er die kathartische Methode zur Abreaktion verdrängter traumatischer Erfahrungen, die er als die Ursache seelischer Störungen erkannte. Gemäss Freud ist das ganze psychische Leben eines Menschen durch Triebe bestimmt, die nach Befriedigung sehnen. Der Hauptantrieb des menschlichen Verhaltens sieht Freud im Libido, der sexuellen Triebkraft. Später stellte er diesem noch den Todes- oder Destruktionstrieb als Gegner zur Seite. Das Ich stehe schon in frühester Kindheit den Forderungen, Normen und Tabus der Gesellschaft gegenüber, die es in Form des Gewissens verinnerliche. Dabei unterschied Freud vier frühkindliche vorsexuelle Entwicklungsstadien, die orale, anale, phallische und genitale Phase, und wies auf die Bedeutung des Ödipuskomplexes hin. Die Psyche ist in Freuds Modell in das Ich (Bewusstsein), das Es (Unbewusstes) und das Über-Ich (introjizierte Forderungen, zum Teil nicht bewusste Inhalte). Kulturelle Leistungen führte Freud auf Umwandlungen (Sublimierung) des Sexualtriebes zurück. Freud entwickelte eine neue Therapiemethode, das «freie Assoziieren», die Psychoanalyse. Ausgehend von seiner Theorie setzte er sich in seinen Schriften mit anderen Problemen auseinander, so etwa Fehlbehandlungen, Traumdeutungen, Völkerpsychologie, Religionswissenschaft und zeitkritischen Fragen.
Freuds Lehre wurde besonders wegen ihrer Sexualtheorie immer wieder angegriffen. Sie hatte nicht nur Einfluss auf Psychologie und Medizin, sondern auch starke Auswirkungen auf die Anthropologie, Philosophie, Kunst und Literatur des 20. Jahrhunderts.
| Literatur: | Sigmund Freud, Die Traumdeutung, Frankfurt am Main 1991, Fischer. Sigmund Freud & Albert Einstein, Warum Krieg?, Zürich 1996, Diogenes. |
| Internet: | Sigmund Freud-Museum Wien, Homepage, Museum. |
Glück
«Glück ist die Erfüllung von Kinderwünschen.»
«Die Absicht, dass der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung nicht
enthalten.»
«Was man im strengsten Sinn Glück heisst, entspringt der eher plötzlichen Befriedigung
hochaufgestauter Bedürfnisse und ist nur als episodisches Phänomen möglich.»
Andere Aussprüche
«Amerika ist ein Fehler.»
«Gegen Angriffe kann man sich wehren, gegen Lob ist man machtlos.»
«In dem Augenblick, in dem ein Mensch den Sinn und den Wert des Lebens bezweifelt, ist er
krank.»
«Ganz nebenbei, warum hat keiner von all den Frommen die Psychoanalyse geschaffen, warum musste man
da auf einen ganz gottlosen Juden warten?»