Friedrich war schon als Junge intellektuell und musisch hoch begabt und aufgeschlossen gegenüber
den aufklärerischen Ideen. Sein Vater, Friedrich Wilhelm I., liess ihn aber mit militärischer
Strenge erziehen. Als 1730 ein Fluchtversuch nach England scheiterte wurde Friedrich inhaftiert und sein
Fluchthelfer hingerichtet. Als er 1732 in die Verlobung mit Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern
einwilligte, wurde Friedrichs Festungshaft aufgehoben. 1736-40 lebte er in Rheinsberg, wo Knobelsdorff
nach Friedrichs Plänen ein Schloss errichtet hatte. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er
1740 die Regierungsgeschäfte und lud führende Vertreter der französischen Aufklärung
ein, an der Preussischen Akademie der Wissenschaften zu wirken; 1750-53 nutzte Voltaire dieses Angebot. Nach dem Tod des österreichischen Herrschers liess
Friedrich II. Schlesien überfallen, das er in den beiden Schlesischen Kriegen verteidigte.
Beunruhigt durch österreichische Rüstungsanstrengungen begann Friedrich II. 1756
präventiv den Siebenjährigen Krieg. Er sicherte sich durch einem Bündnis mit England ab,
das zeitgleich die Franzosen in Kanada beschäftigte. Da Österreich auch mit Russland
verbündet war, hätte Preussen den Krieg beinahe verloren. Nur der seperate Friedensschluss mit
Russland wendete die Niederlage ab; im Frieden von Hubertusburg verzichtete Österreich 1763
endgültig auf Schlesien. Abgerundet wurde der territoriale Ausbau Preussens durch die
Polnische Teilung 1772. Innenpolitisch hielt Friedrich II. am Ständestaat fest. Er führte
selbst die Regierungsgeschäfte und baute die staatlichen Monopole aus.
Auf Rheinsberg reiften im geselligen Freundeskreis Friedrichs Erkenntnisse über seine Pflichten als künftiger Herrscher. In seiner 1739 erschienen Schrift zur politischen Philosophie, der Voltaire später den berühmten Titel Antimachiavel gab, bezeichnete er den Herrscher als «ersten Diener seines Staates», der durch den Zufall der Geburt dazu berufen ist. Der Herrscher sei wohl unbeschränkt souverän, aber der Wohlfahrt des Volkes verpflichtet. Friedrich II. löste sich vollständig von der Idee eines Gottesgnadentums. In seiner späteren Realpolitik schwankte Friedrich II. zwischen humanitärem Idealismus und Staatsräson und wurde zunehmend zynisch und skeptisch. Friedrich schrieb alle Werke in französischer Sprache und äusserte sich abschätzig über die deutsche Literatur seiner Zeit. Zudem liebte er die Musik und komponierte selbst Werke, v.a. für Flöten.
"Der alte Fritz" wurde je nach historischer Situation und politischem Standort schon ganz verschieden beurteilt. Oft wurde dabei auf die Widersprüchlichkeit seines Charakters hingewiesen. Der grosse deutsche Aufklärer Kant schätzte ihn besonders für seine offene Art. Von ihm bekam Kant nie ein Denkverbot, erst mit Friedrichs Nachfolger bekam er Probleme. Friedrich II. ging recht souverän mit Kritik um. Von ihm ist unter anderem folgende Geschichte überliefert: Gefragt, wie mit dem üblen Pamphlet, das jemand gegen den König auf einem öffentlichen Platz angeschlagen hat, zu verfahren sei, sagte der Grosse: «Tiefer hängen!»
Politische Philosophie
«Ich will der erste Diener meines Staates sein.»
«In meinem Staat soll ein jeder nach seiner Facon selig werden.»
«In den Gerichtshöfen sollen die Gesetze sprechen und der Herrscher schweigen.»
«Die Klugheit ist sehr geeignet zu bewahren, was man besitzt, doch allein die Kühnheit
versteht zu erwerben.»
«Wer seine Absichten zu früh enthüllt, bringt sie zum Scheitern. Denn er gibt seinen
Feinden und Neidern zu Gegenmassnahmen Zeit. Wer Schweigen kann, der kann zu schönen Eroberungen
gelangen.»
«Je mehr man altert, desto mehr überzeugt man sich, dass Seine heilige Majestät der
Zufall gut drei Viertel der Geschäfte dieses miserablen Universums besorgt.»
«Eine Regierung muss sparsam sein, weil das Geld, das sie erhält, aus dem Blut und Schweiss
ihres Volkes stammt. Es ist gerecht, dass jeder einzelne dazu beiträgt, die Ausgaben des Staates
tragen zu helfen. Aber es ist nicht gerecht, dass er die Hälfte seines jährlichen Einkommens
mit dem Staate teilen muss.»
Ethik
«Seine Pflicht erkennen und tun, das ist die Hauptsache.»
«Die erste Pflicht eines Bürgers ist, seinem Vaterland zu dienen.»
«Räsonniert, so viel ihr wollt, und worüber ihr wollt; nur gehorcht!»
«Gute Sitten haben für die Gesellschaft mehr Wert als alle Berechnungen Newtons.»
«Man müsste es dahin bringen, dass sich alle Menschen des Fanatismus und der Intoleranz
schämen.»
«Unser Leben ist ein flüchtiger Übergang vom Augenblick unserer Geburt zu dem des Todes.
Während dieser Zeit hat der Mensch die Bestimmung, zu arbeiten für das Wohl der Gesellschaft,
der er angehört.»
Witz & Selbstironie
«Die Krone ist ein Hut, in den es hineinregnet.»
«Es heisst, dass wir Könige auf Erden die Ebenbilder Gottes seien. Ich habe mich daraufhin im
Spiegel betrachtet. Sehr schmeichelhaft für den lieben Gott ist das nicht.»