Galileo studierte in Florenz, wo er die Schriften Archimedes' kennenlernte. Nachdem er eine
hydrostatische Waage gebaut hatte, wurde er 1589 zum Professor für Mathematik in seiner Heimatstadt
Pisa berufen. Die Legende erzählt, er habe am Schiefen Turm Fallversuche durchgeführt, um seine
Theorie zu überprüfen. Weil er dort besser bezahlt wurde, wechselte er 1592 an die
Universität von Padua. Er richtete sich eine feinmechanische Werkstatt ein, erfand einige Hilfsmittel
und entwickelte seine Fallgesetze. Galilei baute das in Holland erfundene Fernrohr nach und unternahm
astronomische Beobachtungen, die ihn zur Entdeckungung der vier grössten Jupitermonde, den Saturnringen
und den Venusphasen führten. Seine Beobachtungen veröffentlichte er 1610 in
Sidereus nuncius. Weil sich seine Entdeckungen mit dem herkömmlichen Weltsystem nicht in
Übereinstimmung bringen liesse, bekannte sich Galilei 1610, inzwischen Hofmathematiker des Grossherzogs
von Florenz, zum heliozentrischen Weltbild des Kopernikus. Er forderte eine Neuinterpretation der Heiligen Schrift in Bezug auf ihre
Widersprüche mit den Ergebnissen der Naturwissenschaften, was zu einem Konflikt mit der katholischen
Kirche führte. Diese verbot 1616 seine Lehre. Galilei nahm dies zum Anlass, die aristotelisch-scholastische Physik zu widerlegen. Als ein neuer
Papst gewählt wurde, der ihm als Kardinal wohlgesinnt war, widmete Galilei diesem seine geistvolle
Abhandlung Saggiatore. Der Dialogo sopra i due massimi sistemi über das ptolemäische
und das kopernikanische Weltbild wurde 1632 kurz nach seiner Veröffentlichung auf kirchlichen Befehl
verbrannt. Die Kirche liess Galilei anklagen und machte ihm den Prozess, der mit seiner Verurteilung am 22.
Juni 1633 endete. Zwar musste Galilei seiner
Überzeugung abschwören, doch soll er gemurmelt haben: «Und sie bewegt sich
doch.» Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, die 1637 nach seiner fast vollständigen
Erblindung in Hausarrest umgewandelt wurde. Schliesslich schrieb er noch sein Hauptwerk Discorsi e
dimostrazioni matematiche über die Mechanik und die Fallgesetze. Erst 1992 wurde Galilei von
Johannes Paul II. im Namen der katholischen Kirche vollständig rehabilitiert.
Galileis Hauptverdienst liegt in einer neuen Auffassung von den Naturwissenschaften, die durch Experimente die empirische Überprüfung ihrer Theorien anstreben sollen. Galilei verstand sich selbst nicht als Ketzer, sondern war überzeugt, die Menschen könnten durch die Naturwissenschaften Einblick in den göttlichen Schöpfungsplan erlangen. Zusammen mit Bacon und Descartes gilt Galilei als Begründer des neuen rationalen Zeitalters der Wissenschaft. In seinen auch literarisch wertvollen Werken bediente er sich der italienischen Volkssprache ohne jeden barocken Schwulst. Er schrieb in der Dialogform, um seine Gedanken allgemein verständlich zu machen. Brecht widmete Galileis Konflikt mit der Kirche ein episches Drama.
| Literatur: | Galilei Galileo, Sidereus Nuncius (Nachricht von neuen Sternen), Frankfurt am Main 2002,
Suhrkamp. Galilei Galileo, Unterredungen und mathematische Demonstrationen über zwei neue Wissenszweige..., Frankfurt am Main 2004, Harri. |
Mathematik & Natur
«Das Buch der Natur ist mit mathematischen Symbolen geschrieben.»
«Die Mathematik ist das Alphabet, mit dem Gott die Welt geschrieben hat.»
«Wer die Geometrie begreift, vermag in dieser Welt alles zu verstehen.»
«Miss alles, was sich messen lässt, und mach alles messbar, was sich nicht
messen lässt.»
«Die Natur ist unerbittlich und unveränderlich, und es ist ihr gleichgültig, ob die
verborgenen Gründe und Arten ihres Handelns dem Menschen verständlich sind
oder nicht.»
Erde
«Und sie bewegt sich doch.»