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Johann Wolfgang Goethe (1749-1832)

Der deutsche Schriftsteller und Staatsmann Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt/Main geboren und starb am 22. März 1832 in Weimar. Goethe ist die bis heute bedeutendste Gestalt der deutschen Literatur; er prägte Sturm und Drang sowie mit Schiller die Weimarer Klassik und wurde darüber hinaus für folgende Generationen zum Inbegriff deutscher Geistigkeit schlechthin. Mit der Tragödie Faust schuf Goethe ein Menschheitsdrama von zeitloser Gültigkeit und weltliterarischem Rang.

Johann Wolfgang Goethe Der Sohn des Kaiserlichen Rates Johann Kaspar Goethe (1710-1782) und der Katharina Elisabeth (1731-1808) nahm 1765 das vom Vater bestimmte Jurastudium an der Universtität Leipzig auf. Eine lebensgefährliche Krankheit zwang ihn aber bald zur Rückkehr. In Strassburg lernte er Herder kennen, der ihm die Aufklärungskritik Hamanns und seine eigenen sprachphilosophischen Ideen übermittelte und Goethes Blick auf Shakespeare, Ossian sowie antike Werke richtete. Das juristische Abschlussexamen berechtigte Goethe zur Advokatur im Herbst 1771 in Frankfurt. Doch Goethe widmete sich lieber seinem ersten Drama und schrieb einige Gedichte. Er arbeitete auch am kritischen Organ der Sturm-und-Drang-Bewegung, den Frankfurter gelehrten Anzeigen mit. Sein erster Roman Die Leiden des jungen Werthers von 1774 verkaufte sich sehr gut und machte Goethe bekannt. Nach einer Reise in die Schweiz mit den Grafen zu Stolberg folgte Goethe dem Ruf des jungen Herzog Carl August an den Weimarer Hof, wo er Ende 1775 eintraf. Am "Musenhof" wirkten schon einige andere Künstler, u.a. Wieland sowie Charlotte von Stein. Goethe übernahm in Weimar zahlreiche politische Aufgaben, u.a. im Finanzwesen, Berg- und Wegebau und beim Militär, später übernahm er die Leitung des Theaters und die Aufsicht über das Bildungswesen; 1766 erfolgte die Ernennung zum Geheimen Legationsrat, 1779 zum Geheimen Rat und 1782 wurde Goethe durch Kaiser Joseph II. geadelt. Im September 1786 flüchtete Goethe heimlich nach Italien. Auf den Stationen seiner Reise interessierte er sich v.a. für das antike Rom und die italienische Renaissance und schrieb u.a. die endgültige Fassung der Iphigenie auf Tauris. In Rom besuchte er die Maler Tischbein und Kauffmann. Erst im Juni 1788 kehrte Goethe nach Weimar zurück, wo er sich mit Christiane Vulpius (1765-1816), der Schwester des erfolgreichen Genreautors verlobte, die er 1806 heiratete. Von den fünf Kindern aus dieser Verbindung überlebte nur der erstgeborene August (1789-1830) die ersten Lebensjahre. Goethe gab alle Staatsämter bis auf die Leitung des Hoftheaters auf, das er zu einer Musterbühne machte. Die 1790er-Jahre sind geprägt durch die Zusammenarbeit mit Schiller. Die beiden entwickelten einen Stil, der als Weimarer Klassik zur literarhistorischen Epochenbezeichnung wurde. Die Verbindung der beiden nach Herkunft und Bildung verschiedenen Geister lebte von einer fundamentalen Spannung der Denk- und Sichtweisen. Goethe verdankte Schiller die Anregung zu seinem Drama Die natürliche Tochter, Schiller wurde andererseits von Goethe zum Wilhelm Tell angeregt. Nach dem Tod Herders, Schillers und Wielands knüpfte Goethe neue Freundschaften, u.a. zu Humboldt, und beschäftigte sich mit Fichtes Transzendentalphilosophie. Goethe stand den Romantikern kritisch gegenüber. Auf dem Erfurter Fürstenkongress lernte Goethe 1808 Napoleon persönlich kennen. Im gleichen Jahr gab Goethe den ersten Teil des Faust heraus, der den Menschen in allen seinen Möglichkeiten und Verstrickungen zeigt. Weitere Reisen führten Goethe in einige böhmische Bäder, wo er weitere Dichtungen schrieb und Kontakte knüpfte, so begnetete er 1812 dem Komponisten Beethoven. In den letzten Lebensjahren verfasste Goethe u.a. eine umfangreiche Autobiographie, eine Gedichtsammlung und zuletzt den zweiten Teil seines Hauptwerks Faust.

Goethe gilt als das unbestrittene Genie der deutschen Literatur. Er verfasste unzählige Gedichte, Dramen, und Prosawerke. Weniger bekannt sind seine naturwissenschaftlichen Tätigkeiten, die ihm zeitweise wichtiger als die literarische Arbeit erschienen. Goethe entdeckte 1784 den Zwischenkieferknochen beim Menschen. Seine Farbenlehre von 1810 dagegen wurde verlacht, da Goethe darin Newton nicht widerlegen konnte. Im Gegensatz zur neuzeitlichen Physik bestritt Goethe, dass sich das Wesen der Natur in mathematische Formeln fassen lasse. Seine naturwissenschaftlichen Anschauungen hatten einigen Einfluss auf die Naturphilosophien etwa von Hegel oder Schelling.

Literatur:   Johann W. Goethe, Die Leiden des jungen Werther, Stuttgart 2002, Reclam UB 67.
Johann W. Goethe, Iphigenie auf Tauris, Stuttgart 1993, Reclam UB 83.
Johann W. Goethe, Die natürliche Tochter, Stuttgart .., Reclam UB 114.
Johann W. Goethe, Faust, Erster und Zweiter Teil, München 1997, dtv.
Internet:   Johann W. Goethe, Fast alle Werke, Originaltexte im Gutenberg-Projekt.

 

DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHER - 1774

Werther, ein Jüngling aus bürgerlich-einfachen Verhältnissen, kommt aus der unangenehmen Stadt in die paradiesische Natur. Er soll eine Erbschaftsangelegenheit für seine Mutter regeln. In ihm herrscht ein latenter Konflikt, weil die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse durch die bürgerlichen Moralbegriffe eingeschränkt wird. Resignation befällt ihn, wenn er jene artigen Bürger ihr Gärtchen zum Paradies zurechtstutzen sieht. Sein Konflikt bleibt nicht nur theoretisch, denn an einem Ball auf dem Lande lernt er Lotte, die Tochter des verwittweten Amtmann S. kennen. Lottes Gegenwart versetzt ihn wie zuvor die Natur in einen besinnungslosen Glückstaumel. Zwar hat man ihn gewarnt, Lotte sei schon vergeben; doch auf die Vernunft zu hören, wo das Herz spricht war ihm völlig zuwider. Sie fühlen beide ihre Seelenverwandtschaft, doch Lotte ist massvoller und vernünftiger; sie ist vom Leben geprüft, denn ihre Mutter starb schon früh und somit wurde sie zur Erzieherin ihrer acht Geschwister. Ein Schatten fällt auf Werthers Glück, als Lottes Verlobter Albert (30. Juli) zurückkehrt. Was zuvor Glückseligkeit bedeutete, wird nun zur Quelle seines Unglücks. Werther findet zwar, Albert sei der beste Mensch unter dem Himmel, doch leider verkörpert er zu sehr das Prinzip bürgerlicher Rationalität. Der Gegensatz zwischen Albert, dem Verstandesmenschen, und Werther, dem Gefühlsmenschen, kommt in einer Diskussion über Selbstmord (12. August) offen zutage. Werther plädiert für die Legitimation des Suizids, während Albert ihn als unmoralisch verwirft und als Schwäche bezeichnet, die mit Wille, der sich an Richtlinien der Gesellschaft und der Kirche orientiert, zu bekämpfen wäre. Werther aber denkt, jedem sei das Mass seines Leidens von Natur zugemessen; werde dieses Mass überschritten, so verwandle sich das Leiden in Krankheit zum Tod. Selbstmord soll also ein Naturrecht des Menschen sein. Werther zeigt einen deutlichen Stimmungswandel, der sich in den nicht mehr verklärten Naturbeschreibungen, in den Jahreszeiten und dem Wechsel der Lektüre von Homer zu Ossian manifestiert. Er beschliesst Albert und Lotte für immer zu verlassen, um mit Arbeit und Abstand seinem Elend ein Ende zu machen. Fräulein von B., die Lotte ähnlich sieht, kann ihm nicht helfen zu vergessen. Seine Sinne seien ausgetrocknet und er sei eingesperrt in einem Käfig aufgrund der Engstirnigkeit seiner Vorgesetzten und der Rangsucht seiner Kollegen. Nach einem skandalösen Vorfall, als er beim Grafen von B. aus einer adeligen Tischgesellschaft verwiesen wird, unternimmt er eine Wallfahrt an die Stätte seiner Kindheit und es treibt ihn zurück in die Nähe Lottes. Seine Gefühle für Lotte, die anfangs Idealisierung und Verklärung waren, wandeln sich zu krankhafter Eifersucht. Er fragt sich: Zieht Albert nicht jedes elende Geschäft mehr an als die teure, köstliche Frau? Ein letztes Mal besucht Werther, schon entschlossen, sein Mass auszuleiden und diese Welt zu verlassen, Lotte in Abwesenheit Alberts. Als Werther eine längere Passage aus Ossian vorliest, stellt sich - im Medium der Dichtung - ein Gleichklang des Empfindens her. Sie fühlten zusammen ihr eigenes Elend im Schicksal der Edlen und ihre Tränen vereinten sie. Werther umarmt Lotte leidenschaftlich, küsst sie und wirft sich vor ihr nieder. Sie jedoch reisst sich los, flüchtet ins Nebengemach, wo sie sich einschliesst. Noch in derselben Nacht schreibt Werther einen Abschiedsbrief an Lotte, entleiht bei Albert - zu einer vorhabenden Reise - eine Pistole, legt jene Kleider an, die er in der Ballnacht getragen hatte, und erschiesst sich am Schreibtisch sitzend und Emilia Galotti in der Hand haltend.

Das Buch hatte den Nerv seiner Zeit genau getroffen. Es wurde ein sensationeller Erfolg. Man parfümierte sich mit "Eau de Werther", eine Epidemie "stilechter" Werther- Selbstmorde ist zu verzeichnen und die Werther-Mode schrieb vor: blauer Frack mit Messingknöpfen, gelbe Weste, braune Stiefel, runder Filzhut und ungepudertes Haar. Den Konflikt mit der Gesellschaft, den Goethes Roman registriert, wird nach dem Scheitern der Französischen Revolution ins 19. Jahrhundert weitergeschleppt und beherrscht unter der qualitativ verschärften Form des Weltschmerzes die europäische Literatur noch fast bis zur Jahrhundertmitte.


Personen

Werther Lotte (=Charlotten S.)
  • Beziehungsprobleme, Melancholie
  • Bürgerstand, Bildung (griech. Homer, unterhält sich mit Gelehrten)
  • Lebt entfernt von Vergangenheit, um Abschied zu verdauen, aber auch Geschäfte zu regeln
  • Schreibt an Wilhelm, seinen Bruder
  • Schwermütig (ihm bedeuten Menschen etwas, die ihn verstehen) und gefühlsbetont (liebt Kinder, sprunghaft/impulsiv)
  • Einsamkeit, schätzt die Natur, künstlerische und philosophische Interessen
  • Intellektuell, gebildet, sehr gesellschaftskritisch
  • Beredt, Tanzen, Smalltalk
  • Mädchen von schöner Gestalt, mittlerer Grösse mit schwarzen Augen
  • Engelsaussehen, vollkommen
  • Älteste Tochter des Amtmanns S.
  • Einfalt und Verstand
  • Leidenschaftliche Tänzerin (Verführerin)
  • Kommunikativ, kinderlieb, spielt Klavier, einfaches Gemüt
  • Für ihren Stand recht gebildet

Interpretation

Funktion des Briefpartners Willhelm: Binonischer Stein absorbiert die Strahlen der Sonne und leuchtet so eine Weile bei Nacht. Vergleich für Werthers Bedienten, in dem Werther Lottes Blicke zu sehen glaubt.

Magnetberg. Werthers Grossmutter erzählte ihm das Märchen vom Berg, der alle Schiffe verschlingt, die ihm zu nahe kommen. Werther denkt, dass er von Lotte genauso angezogen wird, wie das Eisen vom Magnetberg.

Nussbaumgeschichte. Zwei Nussbäume standen im Garten eines Pfarrers, dessen Tochter Lotte und Werther zusammen besuchten. Des einen Baumes Pflanzer ist unbekannt, doch den andern hat der Schwiegervater des amtierenden Pfarres aufgrund der Geburt seiner Tochter, nun Frau des Pfarrers, gepflanzt.

Frau M. gestand ihrem geizigen Manne im Sterben, dass sie aus der Haushaltskasse öfters Geld entwendet habe, um den Haushalt in präziser Manier zu führen. Sie sage das nicht, weil sie ein schlechtes Gewissen habe, sondern weil es ihre Nachfolgerin besser haben soll.

Mögliche Auswege für Werther:


Autobiografischer Gehalt

Goethe war 1772 nach Wetzlar gegangen, um dort am Reichskammergericht juristische Erfahrungen zu sammeln. Doch statt dessen verliebte er sich am beschriebenen Ball in Charlotte Buff, die jedoch bereits verlobt war. Auch Maximiliane La Roche, in die sich Goethe anschliessend in Ehrenbreitstein verliebte, heiratete bald einen anderen. Als Goethe nun noch erfuhr, dass sich sein Wetzlauer Kollege und Lessings junger Freund Jerusalem wegen unglücklicherer Liebe zu einer Frau erschossen habe, entledigte sich der Dichter seines 'grossen Trübsinns' durch das Schreiben dieses Romans.

Jerusalem war auch in die Frau eines Staatssekretärs verliebt (Frau H.), er lernte sie ebenfalls am Ball in Volpertshausen kennen; auch die Geschichte von der Verweisung beim Grafen B. stammt aus Jerusalems Biographie. Der pedantische Gesandte, mit dem er sich herumschlagen musste, hat auch Aufnahme in Goethes Bestseller gefunden. In der Nacht vor seinem Tod im Dezember 1772 war Jerusalem sehr aktiv: er ordnete Papiere, schrieb Briefe und liess das Feuer nachheizen. Seinem Diener erklärte er, er wolle um 6 Uhr früh los. Staatdessen zog er den blauen Frack und die gelbe Weste an und erschoss sich in seinem Sessel über das rechte Auge, auf dem Pult aufgeschlagen lag 'Emilia Galotti' von Lessing. Nur ein Franziskaner hörte den Schuss, achte aber nicht darauf. Zwölf Stunden dauerten die letzten Leiden, Ärzte erschienen, die aber nichts besseres wussten, als ihm die Ader zu lassen. Gegen 12 Uhr mittags verstarb der Arme. Noch am selben Abend wurde er begraben - kein Geistlicher hat ihn je begleitet.

Im ersten Teil des Romans schreibt Goethe autobiographisch: er beschreibt seine Gefühle zu Charlotte; im zweiten Teil hingegen nimmt er Jerusalems Geschichte und leiht ihr seine Gedanken. Das Produkt lässt sich sehen.

 

FAUST - 1808/1832

Vor Beginn der Handlung stehen eine lyrische Zueignung, in der allgemein über den dichterischen Prozess bzw. die Bedingungen des Theaters diskutiert wird sowie das Vorspiel auf dem Theater, in dem Mephistopheles in der Rolle des Schalks am Hofe des Herrn die Schöpfung und insbesondere die Beschränktheit der Menschen bemängelt. Als Gegenbeispiel führt Gott den Doktor Faust an, den er bald in die Klarheit führen will. Mephistopheles bietet dagegen eine Wette, dass es ihm gelinge, Faust vom rechten Pfad abzubringen. Der Herr stimmt zu, denn «ein guter Mensch in seinem dunklen Drange ist sich des rechten Weges wohl bewusst.»

Die Anfangsszene rekapituliert Faust gescheiterte Versuche, dem Weltgeheimnis mit Hilfe von Wissenschaft auf die Spur zu kommen. Deshalb versucht er es nun mit der Magie, doch führt weder das Zeichen des Makrokosmos, mit dem Faust den Weltgeist erfassen will, noch die Beschwörung des Erdgeistes zum gewünschten Erfolg. Die nächtliche Sitzung wird gestört durch den Famulus Wagner, der Faust in ein gelehrtes Gespräch ziehen will. Von der Engstirnigkeit des Famulus erneut auf die Beschränktheit seiner Welt verwiesen, entschliesst sich Faust zum Suizid, doch künden Kirchenglocken und Chorgesang vom anbrechenden Ostermorgen und die Erinnerung an seine Kinderjahre hält ihn von der Tat ab. Beim anschliessenden Osterspaziergang wird Faust seines gespaltenen, zwischen Geistigkeit und Sinnlichkeit schwankenden Wesens gewahr; «Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust». Diesen Konflikt verspricht Mephisto zu lösen, fordert aber Fausts Seele als Pfand. Der Pakt erhält durch die von Faust geforderte Zusatzklausel wiederum den Charakter einer Wette. Die zentrale Handlungseinheit, die Liebestragödie um Gretchen, wird vorbereitet in den teils witzig-satirischen, teils pittoresk-unheimlichen Szenen in Auerbachs Keller und der künstlichen Verjüngung Fausts in der Hexenküche. In der Gestalt Gretchens begegnet Faust das lebendige Idealbild der Frau, die ihm Mephisto zuvor in einem Zauberspiegel gezeigt hatte. Zur Erfüllung seiner leidenschaftlichen Begierde nimmt er dessen Hilfe in Anspruch, was sich als fataler Fehler erweist: Das Gretchens Mutter zugedachte Betäubungsmittel wirkt tödlich, ihr Bruder fällt im Duell mit Faust, sie tötet in Verzweiflung das gemeinsame Kind und endet im Kerker. Insofern scheint sich das Böse als beherrschendes Prinzip durchzusetzen, scheitert jedoch an der von Gretchen verkörperten Gegenmacht der göttlichen Liebe, über die Mephisto keine Gewalt besitzt.


Dramatis personae

Faust Doktor, Knecht Gottes, Sucher
Mephistopheles gefallener Engel, Teufel, klug, erfahren, Materialist, hat nicht die Rolle des abgrundtiefen Bösen, hat beschränkte Optik, sieht keinen grösseren Zusammenhang
Wagner ehrenvoller Bürger, nach aussen orientiert -> Schein, Wirkung sind wichtige Begriffe für ihn; er hält sich für gescheit und glaubt daran, dass er etwas Fortschrittliches erreichen wird; der ewige Opportunist
Gretchen unterwürfig (zu wenig Selbstvertrauen), bescheiden, fromm, gehorsam, tugendhaft naiv, beeinflussbar, reine Seele, fleissig, an der Grenze zum Erwachsensein
Marthe lüstern, verschwiegen, schlau, mit allen Wassern gewaschen, naiv
Valentin Gretchens Bruder, Soldat und Moralist


Entstehungsgeschichte und Bedeutung

Goethes dramatisches Hauptwerk, die zweiteilige Tragödie Faust, war bestimmt von einer sechs Jahrzehnte dauernden, wechselvollen Entstehungsgeschichte. Mit dem Stoff des historischen Faust wurde er vermutlich in Form des Volksbuches von Johann Nikolaus Pfitzer (1674) und der Strassburger Version des Puppenspiels bekannt, die auf dem Drama Christopher Marlowes (1587) fusste. Ferner dürfte er bereits in seiner Jugend Lessings dramatisches Faust-Fragment (1759) gelesen haben, der die im Mittelalter nur als warnendes Exempel vorgeführte Gestalt erstmals mit positiven Zügen versah. Der Prozess gegen die 1772 in Frankfurt hingerichtete Kindesmörderin Susanna Margarete Brand wiederum regte die Gretchen-Handlung des ersten Teils an. Goethes erster, zwischen 1772 und 1775 entstandener Entwurf zu Faust eignete sich die im Sturm und Drang gängige titanische Auffassung der Figur an. Diesem nur als Abschrift erhaltenen sogenannten Urfaust folgte 1790 die überarbeitete Fassung Faust. Ein Fragment. Erst auf Drängen und unter intensiver Beteiligung Schillers nahm Goethe 1797 die Arbeit wieder auf, die nunmehr im ästhetisch-philosophischen Vorzeichen der Weimarer Klassik stand. Mit Rücksicht auf die moralischen Konventionen seiner Zeit tilgte Goethe die allzu freizügigen Teile der Walpurgisnacht-Szenen vor der Veröffentlichung des ersten Teils (1808). Die im Konflikt beider Liebeskonzeptionen aufscheinende Einsicht in die prinzipielle Unvereinbarkeit von Ehe und Erotik berührte die seinerzeit kontrovers geführte Diskussion um den Stellenwert der bürgerlichen Zweierbeziehung und belegte zugleich innerhalb des Dramas die offenkundige Unlösbarkeit des von Faust als schmerzlich empfundenen Grundwiderspruchs von geistiger und sinnlicher Existenz. Der erste Teil des Faust, der bei den Zeitgenossen teils enthusiastischen Zuspruch fand, vereinte das im Genie-Ideal des Sturm und Drang wurzelnde Faustbild mit der Ideendiskussion der Hochklassik und der nachklassischen Ästhetik Goethes, die besonders in der romantischen Ausmalung der Hexenszenen zutage trat.

Die Einlösung der Wette blieb dem zweiten Teil der Tragödie überlassen, der aus der Sicht des alternden Dichters kaleidoskopartig die Summe seines eigenen jahrzehntelangen Ringens um Welterkenntnis und Lebenserfüllung zog. Der Abschluss des Faust fällt in Goethes letzte Lebensjahre. Der erste Teil wurde durch den Prolog im Himmel bereits auf den barocken Welttheateraspekt von Calderón hin orientiert. Ab 1827 erhielt der zweite Teil des Faust in Goethes Tagebüchern den Titel «Hauptgeschäft». 1831 versiegelte Goethe das Manuskript und beauftragte seine literarischen Helfer Eckermann und Riemer mit der Herausgabe «dieser sehr ernsten Scherze». Am Ende des zweiten Teils von Faust steht die Einsicht in den absoluten Wert der in sich selbst vollendeten, auf kein konkretes Ziel gerichteten Tätigkeit: «Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen». Die Macht der unter dieser Voraussetzung wirksamen göttlichen Gnade besiegt letzten Endes den Geist, der stets verneint und macht Mephisto zum Verlierer der Wette. Im Gegensatz zum positiven Echo des ersten Teils stiess der zweite bei seiner Veröffentlichung weitgehend auf Unverständnis, was der enormen Nachwirkung der Tragödie insgesamt aber keinen Abbruch tat.

 

PROMETHEUS - 1773

Bedecke deinen Himmel, Zeus,
mit Wolkendunst!
Und übe, Knaben gleich,
der Diesteln köpft,
an Eichen dich und Bergeshöhn!
Musst mir meine Erde
doch lassen stehn,
und meine Hütte,
die du nicht gebaut,
und meinen Herd,
um dessen Glut
du mich beneidest.

Ich kenne nichts Ärmer's
unter der Sonn' als euch Götter.
Ihr nähret kümmerlich
von Opfersteuern
und Gebetshauch
eure Majestät
und darbtet, wären
nicht Kinder und Bettler
hoffnungsvolle Toren.

Da ich ein Kind war,
nicht wusste, wo aus, wo ein,
kehrte mein verirrtes Aug'
zur Sonne, als wenn drüber wär'
ein Ohr, zu hören meine Klage,
ein Herz wie meins,
sich des Bedrängten zu erbarmen.

Wer half mir wider
der Titanen Übermut?
Wer rettete vom Tode mich,
von Sklaverei?
Hast du's nicht alles selbst vollendet,
heilig glühend Herz?
Und glühtest, jung und gut,
betrogen, Rettungsdank
dem Schlafenden dadroben?

Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
je des Beladenen?
Hast du die Tränen gestillet
je des Geängsteten?

Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
die allmächtige Zeit
und das ewige Schicksal,
meine Herrn und deine?

Wähntest du etwa,
ich sollte das Leben lassen.
in Wüsten fliehn,
weil nicht alle Knabenmorgen-
Blütenträume reiften?

Hier sitz' ich, forme Menschen
nach meinem Bilde,
ein Geschlecht, das mir gleich sei.
zu leiden, weinen,
geniessen und zu freuen sich,
und dein nicht zu achten,
wie ich.

Sprachliche und formale Eigenarten

  • pathetisch
  • Gefühle werden ausgedrückt
  • teilweise komplizierte Sätze; oft Infinitivkonstruktionen
  • teilweise Wortumkehrungen (künstlerische Freiheit darf auch die Regeln der Grammatik verletzen)
  • Klang ist wichtiger als die Korrektheit der Sprache
  • Pointierung auf den Schluss

Inhaltliche Gedanken

  • In der ersten Strophe wird Zeus eingeführt als Herrscher über das Wetter und die Pflanzen; doch hat er über Prometheus keine Gewalt, er beneidet ihn sogar.
  • Dann hebt Prometheus zur Kritik an den Göttern an, die sich kümmerlich von Opfersteuern nähren. Er beschuldigt sie, von den Dummen zu leben.
  • Einst glaubte auch Prometheus, dass die Götter ihm helfen könnten, doch er wurde offenbar enttäuscht.
  • Nun stellt er gar rhetorische Fragen, um dann zeigen zu können, dass er sich immer selber helfen musste und sich nie auf die Hilfe durch die Götter verlassen konnte. Und zwar war es das "heilig glühend Herz", das alles vollendete. Doch das sieht er erst im Nachhinein, damals hatte er die Götter noch geehrt.
  • Für die Götter gibt es also keine Ehre, da sie keine Hilfe waren.
  • Nach dem altgriechischen Mythos waren nun aber selbst die Götter dem Schicksal unterworfen. Darauf spielt Prometheus an, wenn er fragt: "Hat nicht die allmächtige Zeit und das ewige Schicksal...?"
  • Wegen kleiner Schwierigkeiten wird Prometheus aber nicht aufgeben, er will soviel wie möglich erreichen.
  • In der letzten Strophe zeigt Prometheus sich als schöpferischen, tätigen Mann --> Originalgenie als S&D-Ideal.
Das Lebensgefühl des Sturm und Drang war eine mystische Sicht der Natur, an der der Mensch als Bestandteil partizipiert. Der letzte Satz im Gedicht erklärt, wozu die Menschen da sind: Um "zu leiden, weinen, geniessen und zu freuen sich, und dein nicht zu achten, wie ich!" (ich fühle, also bin ich).

Im Gegensatz zu den Philosophen der Aufklärung glaubten viele Repräsentanten des Sturm und Drang, der Mensch beruhe nicht allein auf dem rationalen, sondern auch und gerade auf dem sentimentalen Element. Für die Aufklärung war "Gott" eine notwendige philosophische Grösse, für den Sturm und Drang ist die ganze Natur göttlich (Pantheismus). So weigert sich Prometheus, Zeus zu ehren, denn die allmächtige Zeit und das ewige Schicksal haben ihn zu dem gemacht, was er ist.

Die Repräsentanten des Sturm und Drang pflegten den Mythos vom Genie, das aus sich eine Welt erschafft. Prometheus ist auch ein Genie; er schuf Menschen nach seinem Bilde, um sie leiden, weinen, genissen und sich freuen zu lassen. Besonders verehrt von den Stürmer und Drängern wird der englische Autor Shakespeare (vgl. Goethes Geburtstagsrede auf "Shäkespear"), weil dessen Dramen sich selten an die aristotelischen drei Einheiten hielten. Shakespeare gilt als das grosse Genie, das sich über die Regeln hinwegsetzen kann, ja sogar muss, um der Kunst willen. Shakespeare's Dramen sind dennoch genial (Ablehnung der französischen Regelklassik, Anlehnung an die angelsächsische Kunstfreiheit).

 

ERLKÖNIG - 1797

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? -
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron und Schweif? -
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. -

»Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.«

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? -
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. -

»Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.«

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? -
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. -

»Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.«
Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! -

Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.

 

BERÜHMTE ZITATE

Leben, Alter & Arbeit
«Alt wird man wohl, wer aber klug?»
«Den lieb' ich, der Unmögliches begehrt.»
«Der Zweck des Lebens ist das Leben selbst.»
«Gott gibt die Nüsse, aber er beisst sie nicht auf.»
«Die Irrtümer des Menschen machen ihn eigentlich liebenswürdig.»
«Keine Kunst ist's, alt zu werden; es ist Kunst, es zu ertragen.»
«Der Mensch ist ein dunkles Wesen, weiss nicht, woher es kommt, wohin er geht.»

Liebe & Ehe
«Ein edler Mann wird durch ein gutes Wort der Frauen weit geführt.»
«Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben.»
«Freiwillige Abhängigkeit ist der schönste Zustand, und wie wäre der möglich ohne Liebe?»
«Im Ehestand muss man sich hin und wieder streiten, sonst erfährt man ja nichts voneinander!»
«Heut' ist mir alles herrlich; wenn's nur bliebe! Ich sehe heut' durchs Augenglas der Liebe.»

Philosophie & Wissenschaften
«Jede Lösung eines Problems ist ein neues Problem.»
«Wenn du eine weise Antwort verlangst, musst du vernünftig fragen.»
«Da gab's ein Gerede, man weiss nicht wie, das nennt man eine Akademie.»
«Wir würden gar vieles besser kennen, wenn wir es nicht genau erkennen wollten.»
«Eigentlich weiss man nur, wenn man wenig weiss; mit dem Wissen wächst der Zweifel.»
«Es gibt viele Menschen, die sich einbilden, was sie erfahren, das verstünden sie auch.»
«Alles Gescheite ist schon gedacht worden; man muss nur versuchen, es noch einmal zu denken.»
«Es gibt Bücher, durch die man alles erfährt und doch zuletzt von der Sache nichts begreift.»

Geschichte
«Das Beste, was wir von der Geschichte haben, ist der Enthusiasmus, den sie erregt.»
«Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen.»
«Wer nicht von dreitausend Jahren sich weiss Rechenschaft zu geben, bleib im Dunkeln unerfahren, mag von Tag zu Tage leben.»

Politik, Fürsten, Staatsräson & Gesetze
«Herrschen lernt sich leicht, regieren schwer.»
«Die Demokratie rennt nicht, aber sie kommt sicherer zum Ziel.»
«Wer alt mit Fürsten wird, lernt vieles, lernt zu vielem schweigen.»
«Wenn man alle Gesetze studieren sollte, so hätte man gar keine Zeit, sie zu übertreten.»
«Während die Deutschen sich mit Auflösung philosophischer Probleme quälen, lachen uns die Engländer mit ihrem grossen praktischen Verstand aus und gewinnen die Welt.»

Bekannte Zitate aus dem Faust
«Da steh' ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug, als wie zuvor.»
«Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum.»
«Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.»
«Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach, wir Armen!»
«Es irrt der Mensch, solang' er strebt.»
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