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Last Update: 12.12.04
 

 
 

Jeremias Gotthelf (1797-1854)

Der Schweizer Schriftsteller Jeremias Gotthelf wurde am 4. Oktober 1797 in Murten geboren und starb am 22. Oktober 1854 in Lützelflüh. Gotthelf lebte in der bewegten Zeit, als sich in der Schweiz die Industrialisierung durchsetzte und der moderne Bundesstaat gegründet wurde. Der dichtende Priester stand beiden Prozessen kritisch gegenüber und hielt in seinen Werken das Ideal der freien, redlichen und gottesfürchtigen Bauern hoch.

Jeremias Gotthelf Gotthelfs bürgerlicher Name war Albert Bitzius. Er stammte aus einer der führenden Berner Patrizierfamilien und studierte in Bern und Göttingen Theologie. Danach wirkte er als Vikar an verschiedenen Schweizer Orten bis er 1832 schliesslich eine Stellung als Pfarrer in Lützelflüh im Emmental annahm. Gotthelf kam erst spät zur Schriftstellerei, sein erstes Buch gab er 1837 heraus.

Gotthelf gehört zur literarischen Epoche des Biedermeiers. Mit seinen Schriften wollte der reformierte Priester das Volk zum rechten Leben anleiten, seine Schriften verstand er deswegen als andere Form der Seelsorge. Gotthelf zeichnet sich durch eine treffsichere und eindrückliche Beschreibung der menschlichen Psyche mit ihren inneren Kämpfen aus. Gotthelf war beeinflusst vom Philosophen Herder. Nach der Gründung des Schweizer Bundesstaats 1848 avancierte Gotthelf zu einem scharfen Gegner der herrschenden liberalen Staatspartei und kritisierte den Fortschrittglauben. Während er es in seinen politischen Traktakten nicht an satirischer Schärfe mangeln liess, war in seinem dichterischen Werken eher subtile Sozialkritik und Humor angesagt. Die berühmtesten Werke sind die beiden Uliromane Uli der Knecht (1841/46) und Uli der Pächter (1849) sowie Die schwarze Spinne (1842).

Es gibt noch heute einige, die in Gotthelfs Werken nur Dorfgeschichten sehen wollen, doch die realistische Darstellungskunst, gute Einschätzungen der menschlichen Psychologie und ihr Humor heben seine Werke weit über dieses Niveau. Anlässlich des 150. Todesjahres gab es 2004 in den Medien einiges über Gotthelf zu sehen, hören und lesen.

Literatur:   Jeremias Gotthelf, Die schwarze Spinne, Stuttgart 1994, Reclam UB 6489.
Jeremias Gotthelf, Uli der Knecht, Zürich 1997, Diogenes.
Jeremias Gotthelf, Uli der Pächter, Zürich 2004, Diogenes.
Internet:   Jeremias Gotthelf, Einige Werke, Originaltexte im Gutenberg-Projekt.
Verein Gotthelf-Fonds, Gotthelf.ch, alles rund um Gotthelf.

 

DIE SCHWARZE SPINNE - 1842

Die Seitenzahlen verweisen auf den Text der Reclam-Ausgabe (UB 6489, Auflage 2000, siehe oben).


Struktur

Die eigentliche Geschichte von der schwarzen Spinne wird durch eine Rahmenerzählung eingeklammert. Einige Familienmitglieder treffen sich im Emmental, um an eine Taufe zu gehen. Als sie zurück von der Kirche sind nehmen sie eine Vorspeise ein und gehen dann vor das Haus, weil einige ein Pfeifchen rauchen wollen. Das Gespräch kommt bald auf dies, bald auf das und schliesslich taucht die Frage auf, warum das schöne Haus so einen hässlichen Fensterpfosten hat. Darauf holt der Grossvater zu einer langen Schilderung aus (Seiten 29-91). Nach einer kurzen Pause, in der die Festgemeinschaft nachdenklich den Braten isst, wird die Erzählung vom Grossvater abgeschlossen (97-117). Am Schluss diskutieren die Leute noch kurz, was sie aus der Geschichte lernen könnten.


Zusammenfassung der Binnengeschichte

Im Emmental waren die Bauern nicht immer frei. Vor etwa 600 Jahren soll hier ein besonders grausamer Feudalherr gelebt haben, der Hans von Stoffeln hiess und dem Deutschen Ritterorden angehörte, der die Heiden im Baltikum bekehrte. Auch die Berner behandelte er wie Heiden; er liess sich von ihnen ein grosses Schloss auf einem Hubel oberhalb des Tals errichten. Zwei Jahre lang bauen die Bauern und bekommen dafür nicht mal ein kleines Dankeschön, sondern nur Schläge. Nachdem das Schloss fertig gestellt ist, werden sie vom Herr eingeladen. Doch statt einem guten Essen bekommen sie einen weiteren Auftrag. Stoffeln fordert, sie müssten ihm innert eines Monats einen Schattengang aus Buchen errichten, die sie von weit her holen und umpflanzen müssen. Es ist aber Mai und die Bauern müssen doch ihre Felder bebauen, deshalb sind sie sehr niedergeschlagen und wagen nicht, zu ihren Frauen nach Hause zu gehen. Als sie so jammern erscheint plötzlich ein unbekannter grüner Jäger (33), der den Dorfbewohnern seine Hilfe anbietet. Als er aber präzisiert, dass er sich unter seinem geringen Lohn ein ungetauftes Kind vorstellt, flüchten die Bauern. Die Männer beginnen die Arbeit notgedrungen ohne seine Hilfe, doch sie kommen einfach nicht voran; es ist als stünde das Vorhaben unter einem schlechten Stern. In der dritten Nacht bringt Christine, eine Zugewanderte aus Lindau, die Gotthelf als «grausam handlich Weib» beschreibt, den Männern Verpflegung. Als der grüne Jäger wieder erscheint, flüchten die Bauern, doch er hält Christine fest. Diese findet ihn nach einigen Worten gar nicht so schrecklich. Sie erklärt ihm, dass in den nächsten zwei Monaten keine Frau im Dorf ein Kind erwarte, doch der Jäger will das Kind auch gar nicht sofort, sondern einfach das nächste, das geboren wird. Christine verspricht ihm, alles dafür zu tun, denkt sich aber heimlich, den Jäger könne man später schon noch übertölpeln. Der Jäger will von ihr keine Unterschrift mit Blut, sondern gibt ihr einen Kuss auf die Wange, die daraufhin zu glühen und brennen beginnt (45). Im Wirtshaus erzählt Christine den Männern ihren Plan, die schliesslich zustimmen, obwohl eine junge Frau zu weinen beginnt und eine alte Frau vor dem Teufel warnt (50). Unterhalb der Kirche legen die Bauern in der Folge die Buchen ab, der Jäger besorgt den Rest. Seltsam nur, dass der Wagen vor der Kirche jedes Mal schwerer wird, obwohl es dort bereits nicht mehr bergaufwärts geht (51). Von Stoffeln, der den Schattengang nur in Auftrag gegeben hatte, weil einige seiner Ritter über sein Schloss gespottet hatten, ist froh, dass es den Bauern irgendwie gelingt. Er ist sich eigentlich bewusst, dass er zuviel verlangt hatte, ist aber zu stolz, um seinen Fehler zuzugeben. Ihm ist es egal, wie die Bauern es bewerkstelligen, doch einzelne Ritter wollen genauer wissen, was da vor sich geht, doch sie kommen alle auf mysteriöse Weise um. Pünktlich zum Urbanstag stehen auf Bärhegen die verlangen 100 Buchen. Die Bauern feiern das Werk, obwohl wieder einige mahnen, sie würden lieber beten (56f). Niemand hatte es gewagt, in diesem Monat zu beichten. Als der Priester durch eine Frau vom Vorgefallenen erfährt, ist er entsetzt, aber zum Kampf entschlossen. Heimlich tauft er das erste Neugeborene, das danach zur Welt kommt. Es handelt sich dabei um ein Kind der jungen Frau, die beim Beschluss so geweint hatte. Die Dorfbewohner feiern das Ereignis, als hätten sie den Teufel bereits bezwungen. Doch das Böse kündigt sich durch das immer stärkere Brennen von Christines Wange an (59f). Als die zweite Schwangerschaft ansteht, will Christine den Pfarrer von der Taufe abhalten, doch der Siegrist hält sie fest. Nachdem das Kind getauft wurde, platzt Christines Wange, wo sich inzwischen deutlich eine Kreuzspinne abzeichnet und viele Spinnen kriechen aus ihrem Gesicht (64).

Während die Bauern den zweiten vermeintlichen Sieg feiern, verenden alle ihre Tiere. Ihre Ställe können sie nicht säubern, die Spinnen kommen von überall. Stoffeln erfährt nun vom Handel, doch meint er kaltherzig, sie müssten ihr Versprechen eben halten. Er hat nur Angst um seine Rinder und bedenkt nicht, dass er Anlass zur ganzen Geschichte gegeben hat (66). Christine bietet sich freiwillig an, das nächste Kind dem Jäger zu bringen. Die junge Frau, die zum zweiten Mal schwanger ist und im gleichen Haus wie Christine wohnt spürt den Verrat, obwohl niemand ihr etwas sagt. Selbst ihr Mann lässt sich von seiner Schwägerin Christine betören und verspricht, absichtlich langsam zum Pfarrer zu gehen, damit sie unterdessen das Kind holen könne. Er denkt, wenn er nicht dabei ist, habe er keine Schuld (70). Schliesslich gebärt die Frau in der Erntezeit ihr Kind, das ihr von Christine sofort entrissen wird (73). Hans, der Vater, läuft tatsächlich sehr langsam zum Priester und trinkt zuerst noch lange mit dem Siegrist und erklärt dem Priester, seine Frau brauche sowieso immer sehr lange für eine Geburt. Doch im heftigen Gewitter glaubt der Pfarrer einen Frauenschrei zu hören und bricht auf. Als er eine Frau auf den Jäger zueilen sieht, realisiert er sofort, was vorgefallen sein musste. Unerschrocken stürzt er sich dazwischen und versprüht Weihwasser: der Jäger flieht und Christine schrumpft zu einer grossen Spinne zusammen, die sich auf das Kind legt. Todesmutig entfernt der Priester die Spinne vom Neugeborenen (79) und bringt dieses zur Mutter. Er tauft es, womit seine Seele in Gottes Gewalt ist, doch das Kind stirbt bald, weil es von der Spinne vergiftet wurde. Auch der Priester stirbt kurz darauf an den Folgen seiner Heldentat (81). Nun beginnt ein grosses «Sterbet»; eines der ersten Opfer ist Hans, dem bald viele weitere folgen. Die Spinne ist überall und nirgends zugleich und rafft in kurzer Zeit viele Menschen weg und die Überlebenden versetzt sie in Angst und Schrecken. Davon bleibt auch das Schloss nicht verschont, schliesslich will ein übermütiger polnischer Ritter den Kampf mit der Spinne aufnehmen und geht ins Dorf, doch alle Leute, die er fragen will, fliehen. Er realisiert zu spät, dass die Spinne sich auf seinem Helm niedergelassen hat und sich langsam in sein Hirn frisst (86). Während einem Gelage rafft die Spinne sämtliche Ritter hinweg, nur einige Diener überleben und erzählen den Dorfbewohnern davon. Doch diese können sich nicht über den Tod der Ausbeuter freuen, da die Spinne immer teuflischer wütet (88). Nur Christines Haus, in dem nur noch die junge Mutter mit ihrer Schwiegermutter lebt, bleibt vorerst verschont. «Das fromme Weibchen» hat schon von eingesperrten Geistern gehört und beschliesst deshalb, einen solchen Versuch zu wagen. Sie gräbt ein Loch im erwähnten Fensterpfosten und spitzt einen Zapfen, der es verschliessen soll. In einem Traum erscheint ihr der verstorbene Priester, der ihr ankündigt, dass ihre Stunde nun gekommen sei. Tatsächlich befindet sich die Spinne bereits auf der Decke ihres Sohnes. Die Frau packt sie und verfrachtet sie unter Todesqualen ins vorbereitete Loch (91). Sie stirbt einen Märtyrertod und erlöst damit das ganze Dorf von der grässlichen Seuche. «Nun war der schwarze Tod zu Ende. Ruhe und Leben kehrte ins Tal zurück.» (92).

Auf die Frage des älteren Göttis, ob denn die Spinne nie aus dem Loch gekommen sei, setzt der Grossvater zum zweiten Teil seiner Erzählung an. Nach der Heldentat der Mutter wurde das Haus mit Ehrfurcht betrachtet und die Waisenkinder gut behandelt. Auch die Dorfbewohner und selbst die Feudalherren hatten die Lektion gelernt und lebten eine ganze Weile sehr gottesfürchtig, so dass wieder Glück einkehrte (97-99). Doch nach etwa zweihundert Jahren ziehen Hochmut und Hoffart wieder ein; die Herren lassen sie nun in Frieden, doch die Bauern behandeln ihre Mägde und Knechte immer schlechter. Im Haus wohnt zu dieser Zeit der fromme Christen, der von seiner bösem Mutter geknechtet wird. Als diese ihm eine Verwandte zur Frau gibt, wird er gleich von zwei Weibern unterdrückt. Die beiden lassen für sich ein neues Haus bauen und überlassen das alte dem Gesinde, das dadurch wenig beaufsichtigt wird (101-104). Ein wüster Knecht benutzt die Furcht der Mägde vor der Spinne, um sich von ihnen Gefälligkeiten zu erzwingen. Als die Drohung nicht mehr wirkt, hält er das Messer oft an das Loch, in dem sich die Spinne befindet. Als auch dies nicht mehr zieht, bohrt er in der stürmischen Weihnachtsnacht eine Öffnung in den Fensterpfosten. Die Spinne kommt sofort heraus und tötet die gottverlassenen Diener (107). Als Christen von der Messe zurückkommt, sieht er, was geschehen war. Die Spinne wütet in den nächsten Tagen noch schlimmer als beim ersten Mal; sie verlässt kaum ein Haus, ohne alle getötet zu haben. Sie lauert den Todeszügen auf, so dass die Leichen bald einfach liegen gelassen werden (110). Die Dorfbewohner brauchen einen Sündenbock und schieben alle Schuld Christen zu, obwohl dieser einer der redlichsten Männer des Dorfes ist. Eine gebärende Frau beschimpft ihn in den wüstesten Tönen. Christen aber nimmt ihr das Kind ab und eilt zur Kirche. Auf dem Weg begegnet er der Spinne. Sein kleiner Sohn bringt das Neugeborene zum Priester, während Christen die Spinne packt und sie nach Hause trägt, wo er sie wieder ins Loch einsperrt (114f). Auch Christen opfert sein Leben, damit andere überleben können. Die Dorfbewohner sehen ein, dass sie ihn falsch behandelt hatten, und zeigen sich gegenüber seinen Kindern grosszügig, die gut erzogen werden: «Es wurden rechtschaffene, gottesfürchtige Menschen, die Gnade bei Gott hatten und Wohlgefallen bei den Menschen, die Segen im Leben fanden und im Himmel noch mehr. Und so blieb es in der Familie, und man fürchtete die Spinne nicht, denn man fürchtete Gott...» (117).


Interpretation

Während in Deutschland das Zeitalter der Romantik mit Eichendorff langsam zu Ende ging, traten in der Schweiz in der Mitte des 19. Jahrhundert drei grosse Schriftsteller auf: Nach dem Berner Gotthelf die beiden Zürcher Keller und Meyer. Besonders Gotthelf ist tief im Heimatland mit seinen Menschen, Landschaften und Schicksalen verwurzelt. Trotzdem lebt im Besonderen auch das Allgemeingültige als innerster Kern lebt und das hebt Gotthelfs Werke wie bereits oben erwähnt von der Dorfgeschichte ab. Gotthelf stammte aus einem Geschlecht bernischer Landpfarrer, die als geistliche Führer und Seelsorger aufs engste in die Lebensgemeinschaft des Dorfes verflochten waren. Er widmet sich ganz und gar dem Bauerntum, wie bereits der Titel seines ersten Buches Bauernspiegel anklingen lässt. In hellen Farben beschreibt uns Gotthelf die Bauernlandschaft des Emmentals im 19. Jahrhundert. Die Gestalten werden dank Gotthelfs meisterhafter psychologischer Darstellung für den Leser greifbar. Gut und Böse sind Gotthelf die beiden einander bedingenden metaphysischen Wirklichkeiten in einer christlich erlebten Ordnung. Zur Realistik der Schilderung gesellt sich der moralische Appell zur Läuterung der Seelen.

Als Bitzius 1832 seine Pfarrerstelle in Lützelflüh annahm, waren auch in der Schweiz die Strömungen des Materialismus und Liberalismus eingedrungen. In seiner Praxis erkannte Bitzius mit scharfem Auge die Auswirkungen, wobei ihm besonders Hochmut, Geiz, Egoismus, Hartherzigkeit, Trägheit, Auflehnung und Zuchtlosigkeit ein Dorn im Auge waren. Daneben sah der Pfarrer auch die grosse Armut in weiten Teilen des Bauernstandes, die in scharfem Konstrast stand zu den grossen Vermögen der führenden Industriellenfamilien. Da Bitzius skeptisch war bezüglich einer Veränderung durch politische Aktion, verfolgte er mit seinen Schriften das Ziel, die Seelen aufzurütteln, indem er den Schweizern einen Spiegel der Zustände auf dem Lande vorhält. So griff Bitzius im Alter von fast 40 Jahren zur Feder. Obwohl sich der Ruf des Jeremias Gotthelfs schnell verbreitete, blieb Bitzius bescheiden und verfolgte weiter sein pädagogisch-sittliches Ziel. Neben den grossen Romanen stehen viele kleine Erzählungen, wovon die bedeutendste die Sagenerzählung Die schwarze Spinne ist, die erstmals 1842 erschienen ist. Diese Erzählung ist eines der stärksten Zeugnisse von Gotthelfs beeindruckender Sprach- und Gestaltungskraft; zugleich zeigt sie die unlösbare Verbindung des konservativen, aber über die heimatliche Enge hinausgehenden Dichters mit dem glaubensstarken Streiter in der Person des Pfarrers von Lützelflüh.

Der Kern der Erzählung bildet eine uralte Mär; die grausige Geschichte von einer schwarzen Spinne und einer Seuche, die sie im Tal verbeitet. Dabei kann die Spinne als Symbol für die schwarze Pest gesehen werden; diese Interpretation wird durch das Buch selbst nahegelegt (92). Die Seuche kommt aber nicht als blindes Verhängnis über die Talbewohner, sondern wegen den bösen Leidenschaften des Menschen. Sie ist ein Gericht auf Erden, das über die Schuldigen hereinbricht. Wie in den grossen geistlichen Schauspielen des Barock greifen die ewigen Mächte, Gott und Teufel, unmittelbar in das Geschehen ein; allerdings nicht als allegorische Figuren, sondern menschlich individualisiert. Auch die Seuche ist keine gestaltlose Macht, sondern durch die ekelhafte schwarze Giftspinne körperlich dargestellt. Diese erzeugte der Teufel durch seinen Kuss auf die Wange eines gottlosen Weibes. Das entfesselte Wüten dieser Spinne wird in immer neuen Schreckensszenen, wie in einer Folge von beklemmenden Angstträumen, dargestellt. Doch schliesslich siegt in der Erzählunug die Herzenskraft und die aufopfernde Tat einer jungen Frau beim ersten Ausbruch und Christens beim zweiten Ausbruch der Seuche. Die "Märtyrer" besiegen die höllischen Mächte der Finsternis. Eingebettet ist die furchtbare Sagenballade in die idyllische Schilderung vom friedlichen Fest einer Kindstaufe im Emmental. Nach dem ersten Teil der Erzählung sind die Zuhörer verängstigt und wagen kaum mehr in die Nähe des Fensterpfostens, wo sie jetzt die Spinne eingesperrt wissen. Doch der Grossvater, der lebensweise Erzähler, zieht aus der Mär die beruhigende Schlussfolgerung, wer Gottes Gebot halte, brauche die Macht des Bösen nicht zu fürchten.

 

BERÜHMTE ZITATE

Ethik
«Ein freundlich Wort findet immer guten Boden.»
«Um Erfahrungen zu machen, bedarf es der Weisheit.»
«Schwerer Anfang ist zumeist zehnmal heilsamer als leichter Anfang.»
«Man möge bedenken, dass man andere ertragen soll, wie man selbst ertragen zu werden wünscht.»
«Mensch, willst du, dass die Tränen dir versiegen, und es heiter werde in deinem Gemüt, so musst du deine Augen nicht in den Schoss der Erde drücken, du musst sie aufwärts kehren.»

Mensch
«Der Mensch kennt alle Dinge der Erde, aber den Menschen kennt er nicht.»
«Wie oft verglimmen die gewaltigsten Kräfte, weil kein Wind sie anbläst.»
«Ein guter Name geht in Augenblicken verloren; ein schlechter wird in Jahren nicht zu einem guten.»
«Niemand zu haben auf der Welt, zu dem man sich flüchtet, auf den man in der Not bauen kann, das ist ein Weh, an dem manches Herz verblutet.»

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