Hauptmann stammt aus Schlesien (Salzbrunn heisst heute Szczawno Zdroj, und liegt also in Polen) geboren.
Nach einem kurzen Bildhauerstudium in Breslau und Jena wandte er sich dem Schreiben zu. Er wurde
entscheidend von den realistischen Werken des norwegischen Dramatikers Henrik Ibsen beeinflusst. Nach
Erfolgen in unterschiedlichen literarischen Genres, so mit der naturalistisch-psychologischen Novelle
Bahnwärter Thiel (1888), erlangte er vor allem als Dramatiker
Berühmtheit. Sein erstes Stück Vor Sonnenaufgang (1889) gilt als grundlegendes Werk
des Naturalismus, gezeigt wird der moralische Verfall mehrerer Bauernfamilien, die plötzlich zu
Wohlstand gelangt sind, als
auf ihrem Land Kohlevorkommen entdeckt wurden. In Die Weber (1892),
seinem bedeutendsten Drama, thematisiert er das Schicksal einer Gruppe schlesischer Weber zu Zeiten der
Weberaufstände, wobei er eine ganze soziale Schicht zu Protagonisten des Stückes macht, um so
die sozialen und politischen Dimensionen des Konflikts zu verdeutlichen. Hauptmann wandte sich mit der
Traumdichtung Hanneles Himmelfahrt (1893) vom rein naturalistischen Drama ab, indem er
naturalistische Elemente mit romantisch symbolischen Versen kombiniert. Die Hinwendung zur Neuromantik
zeigt sich im Versdrama Die versunkene Glocke (1897). Im gleichen Jahr wandte sich Hauptmann
wieder dem realistischen Drama zu, aber statt das soziale Anliegen hervorzuheben, nimmt er sich nun der
Auswirkungen moralischer Korruption auf den einzelnen an. Im Fuhrmann Henschel (1898) und in
Rose Bernd (1903) stellt er das Schicksal von Menschen dar, deren Scheitern bereits in ihren
Unzulänglichkeiten angelegt ist. Hauptmann schrieb ausserdem die Dramen Der rote Hahn (1901)
und Der arme Heinrich (1902), die Komödie Der Biberpelz (1893), in der die
preussischen Repräsentanten des Kaiserreiches blossgestellt werden, den Roman Der Ketzer von
Soana (1918) und Erzählgedichte. In der Atriden-Tetralogie (1941-1945), denen die antike
griechische Sage des zum Untergang verdammten Geschlechts der Atriden zugrundeliegt, zeigt sich wie in
vielen seiner späten Werke eine Annäherung an das Gedankengut des Nationalsozialismus, mit dem
er sich zurückgezogen lebend arrangiert hatte.
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In der Hütte des Häuslers Ansorge arbeiten die Baumertsleute an Webstühlen und Garnspulen. Der alte Baumert, der seit zwei Jahren kein Fleisch mehr gegessen hat, hat seinen kleinen Hund geschlachtet und schmort den trüben Braten im Topf. Gerade hat er neues Webgarn geholt und dabei unterwegs den Reservisten Moritz Jäger getroffen, der eine Flasche Schaps mitbringt und den mit offenen Mund zuhörenden Webersleuten vom Glanz des Soldatenlebens in der Stadt erzählt, zugleich aber auch angeberische Hetzreden führt. Der geschwächte Magen des alten Baumert kann das Hundefleisch nicht bei sich behalten. Er weint, sein Weib jammert über das Elend. Moritz Jäger stimmt das Weberlied an, das die andern zu auftrumpfender Entschlossenheit reizt: so kann´s nicht weitergehen, es muss anders werden.
In Welzels Gaststube unterhalten sich ein Reisender aus der Stadt und der Tischler Wiegand über die Aufruhr, die unter den Heimarbeitern gärt. Der Reisende versucht erst auf alberne Art mit der Wirtstochter anzubandeln, dann reizt sein stichelndes Geschwätz aber die hinzukommenden Weber, dass sie ihn ins Nebenzimmer hinausdrängen. Die Erregung wächst, die jungen Männer fangen, von dem Schmied Wittig aufgestachelt, wiederum mit dem Weberlied an. Als der versoffene Gendarm Kutsche Ruhe gebietet, wird die Situation so bedrohlich, dass der Polizist schleunigst retiriert. Die Weber singen auf der Strasse das verbotene Weberlied weiter.
In Dreissigers Wohnung wagt der junge Hauslehrer Weinhold im Verlauf einer kleinen Abendgesellschaft die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit zu stellen. Pastor Kittelhaus hält ihm in salbungsvollem Ton seinen Irrtum vor, Dreissiger aber verbittet sich Vorlesungen über Humanität; dafür habe er den Kandidaten nicht aufgestellt. Weinhold geht. Die aufständischen Weber sind im Anmarsch. Dreissigers Färbereiarbeiter haben den Rädelsführer Jäger festgenommen und bringen ihn zum Verhör in die Villa des Fabrikanten. Jäger gibt dem Polizeiverwalter Heide und dem Pastor höhnische Antworten. Als Heide ihn ungeachtet der drohenden Haltung der vor dem Haus randalierenden Weber abführen lässt, bricht die Aufruhr mit voller Gewalt los. Jäger wird befreit, die Polizei verprügelt und selbst der freundliche, aber gänzlich lebensferne Pastor misshandelt. Dreissiger bringt sich mit seiner Familie gerade in Sicherheit, bevor die Weber in seine Villa eindringen und den Menschenschinder Pfeifer, gegen den sich die Wut vor allem richtet, suchen. Als sie das ganze Haus leer finden, schlagen sie alles kurz und klein.
Der fromme alte Webermeister Hilse im Nachbardorf ist entsetzt über den Aufstand. Hornig erzählt, dass die tobenden Menge unterwegs ist, um auch hier die Unternehmer zu vertreiben, aber schon ist das Militär aufgeboten, um die Revolte niederzuschlagen. Hilse glaubt an das Eingreifen einer höheren Gerechtigkeit, aber seine Schwiegertochter Luise begrüsst den Aufruhr mit fanatischer Begeisterung. Die revoltierenden Weber rufen ihre Kameraden auf die Strasse, Hilses alter Freund Baumert ist, von Alkohol ermutigt, einer ihrer Anführer. Die Soldaten schiessen, die Weber nötigen sie durch Steinwürfe zum Rückzug. In eigensinniger Gottergebenheit bleibt der einarmige Vater Hilse in seiner Stube und arbeitet weiter an dem Platz, an den ihn sein himmlischer Vater hingesetzt hat. Draussen kracht eine neue Salve, der alte Mann bricht zusammen. Eine verirrte Kugel hat ihn getötet.
Berliner "Vossische Zeitung" vom 13. Juni 1844
Gehen wir an den einzelnen, durch andere Häuser getrennt neben einander
liegenden Gebüden der HH. Dierig vorüber bis gegen das Ende des Dorfes, wo ein Weg von
Peterswaldau einmündet. Das Etablissement der HH. Hilbert und Andretzky liegt hier an der
Strasse und file zuerst in Langenbielau unter den Streichen der Wüthenden. Noch sehen wir
überall auch äusserlich das Werk der Zerstörung. Kein Fenster, nur einige Trümmer der
Scheiben vom Giebel der Gebäude bis zur Sohle, die Kreuze zerbrochen oder ausgerissen,
die eisernen Stäbe, wo die Fenster mit Gittern verkleidet sind, zum Theil zerschlagen,
die Thüren da und dort zersprengt, vor den Häusern Überreste zertrümmerter
Geräthschaften, an den Wänden deutliche Zeichen von zahllosen Steinwürfen. Und so
treten wir einigermassen vorbereitet in das Innere ein, aber der erste Blick überzeugt
uns, wie unzulänglich alle unsere trüben Erwartungen waren. Wir schreiten über
Trümmer
wohin sich unser Fuss wendet, nichts ist verschont geblieben was nicht auch den Hieben
einer mit dämonischer Wuth geschwungenen Axt widersteht. Wir sehen nichts als kahle
Wände, .....
"Kölnische Zeitung" vom 18. Juni 1844
Was wir im Nachfolgenden mittheilen, sagt dasselbe Blatt, ist theils aus schriftlichen,
theils mündlichen Berichten von Augenzeugen entnommen, in deren Wahrhaftigkeit wir
unserseits kein Misstrauen zu setzen berechtigt sind, die wir indessen doch nur als
subjective Auffassungen dessen geben, was unsere Berichterstatter, die wir möglichst mit
eigenen Worten reden lassen, sahen. Bekanntlich begannen jene Auftritte bei dem
Baumwollenfabrikanten Zwanziger und Söhne in Peterswaldau, der noch vor 30 Jahren ganz
mittellos, sich jetzt ein Vermögen von 230.000 Thlr. erworben, und dessen Härte in
Bedrückung der Weber sprichwörtlich geworden. Besonders wird über einen Sohn desselben
geklagt. Die Verandlassung zu den zerstörenden Auftritten wird nun folgendermassen
angegeben: Am 3. d.M. zog ein Haufe Weberburschen vor das Wohnhaus des Zwanziger und sang
dort ein die Handlungsweise gedachter Herren darstellendes Lied, das sie schon vorher an
die Thüren angeheftet hatten, von wo es durch Zwanziger wieder entfernt worden war. Das
Lied ist aus dem Bewusstsein des Contrastes zwischen der üppigen, sich breitmachenden
Herrlichkeit der Fabrikherren und der elenden Lage der Arbeiter hervorgegangen. Bei dieser
Gelegenheit gelang es den Fabrikherren, einen der tumultuarischen Sänger in Haft zu
bekommen.
Thiel hat vom Bahnmeister an der Strecke einen Kartoffelacker überlassen bekommen, und eines Tages macht sich die ganze Familie auf, um diesen zu bestellen. Bei dieser Gelegenheit wird Tobias vom Vater bei der Begehung der Strecke mitgenommen, und dieser freut sich an den verwunderten Fragen des Kindes. Dann empfiehlt er Tobias der besonderen Obhut Lenes und geht auf seinen Posten, um den Schnellzug abzunehmen. Da geschieht das Furchtbare: Tobias kommt unter die Räder und kann nur noch tot geborgen werden. Thiel bricht ohnmächtig zusammen und wird nach Hause gebracht, wo die Bewusstlosigkeit andauert. Als einige Stunden später die Leiche des kleinen Tobias gebracht wird, findet man Lene und ihr Kind erschlagen. Thiel ist verschwunden. Erst am nächsten Morgen entdeckt man ihn auf den Geleisen an der Stelle sitzend, wo das Unglück geschehen ist, und mit der Mütze seines Kindes spielend. Er ist geistiger Umnachtung verfallen.