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Last Update: 29.08.05
 

 
 

Heinrich Heine (1797-1856)

Der deutsche Schriftsteller und Journalist Heinrich Heine wurde am 13. Dezember 1797 in Düsseldorf geboren und starb am 17. Februar 1856 in Paris. Heine war einer der Hauptvertreter der Spätromantik und des Jungen Deutschlands. In seinen satirischen Gedichten verband er Empfindungsreichtum mit Ironie und Skepsis. Mit seinem geistvollen plaudernden Prosastil wurde er zu einem Vorläufer des modernen Feuilletonismus.

Heinrich Heine Harry Heine war der Sohn eines jüdischen Tuchhändlers. 1819-25 studierte Heine Jurisprudenz in Bonn, Göttingen und Berlin. Dort verkehrte er in berühmten Salons und lernte romantische Dichter wie etwa Tieck und die Philosophie Hegels kennen. Bereits 1822 war Heine nach Polen gereist und 1824 unternahm er eine Fussreise durch den Harz nach Weimar, um dort Goethe zu besuchen. 1825 trat Heine zum Protestantismus über und änderte dabei seinen Vornamen. 1826 reiste Heine nach England, 1828 nach Italien. Zurück in Deutschland arbeitete Heine für mehrere wechselnde Zeitschriften. Als Korrespondenz der Augsburger Allgemeinen Zeitung zog er 1831 nach Paris, wo er - von kurzen Reisen abgesehen - bis zu seinem Tod lebte. In Paris schloss er sich den Saint-Simonisten an. 1835 wurden Heines Schriften in Deutschland verboten. 1841 heiratete Heine das Landmädchen Mathilde. Ab 1848 litt Heine an einem schweren Rückenmarkleiden, das ihn zwang, seine letzten Tage auf seiner «Matratzengruft» zu verbringen.

Bereits in der Studentenzeit verfasste Heine Gedichte und Dramen, aber erst mit den Reisebildern, die von 1826-31 erschienen, wurde Heine bekannt. Das erste dieser Werke mit dem Titel Harzreise enthielt einen Reisebericht über eine Harzwanderung Heines, die sich mit den aktuellen politischen und literarischen Verhältnissen in Deutschland satirisch- kritisch auseinandersetzte. Auch die anderen Reisebücher waren geprägt von einer Mischung aus witzigen Beschreibungen und schönenen Gedichten. Die Gedichte aus den verschiedenen Bänden sammelte Heine im Buch der Liebe, das zur erfolgreichsten deutschen Gedichtsammlung wurde. Daneben entwickelte Heine auch seine feuilletonistische Prosa weiter, u.a. mit der Erzählungssammlung Der Salon (1837). In einer Episode Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski fand Wagner später die Anregung zu seinem Fliegenden Holländer. Heine versuchte zwischen Deutschland und Frankreich zu vermitteln, indem er die Kulturen einander bekannt machte. Seine Zeitgenossen fürchteten seine spitze Feder und seine scharfen polemischen Angriffe. Das Meisterwerk in dieser Beziehung ist das Versepos Deutschland. Ein Wintermärchen , indem Heine 1844 seine bitterste Kritik an den deutschen Zuständen übte. Heine lernte früh die Philosophie Hegels kennen, die ihn beeindruckte. In seiner revolutionären Haltung gegenüber Staat und Kirche stand er eher dem Linkshegelianismus nahe. Heine schloss sich den französischen Sozialisten an, lernte in Paris aber auch Marx kennen und führte mit ihm einen Briefwechsel.

Als einziger deutscher Schriftsteller seiner Epoche fand Heine mit seinem Oeuvre weltweite Anerkennung. In Deutschland selbst war die Rezeption von sich abwechselnden Phasen der Ablehnung und Verehrung bestimmt. Die Rechten und die Nationalsozialisten lehnten Heine wegen seiner jüdischen Herkunft und der polemischen Kritik ab. Die Linken lobten einseitig Heines bissige Sozialkritik. Erst in neuerer Zeit setzte eine vorurteilsfreie Würdigung von Heines Werk ein.

Literatur:   Heinrich Heine, Sämtliche Gedichte in zeitlicher Reihenfolge , Frankfurt am Main 1997, Insel.
Heinrich Heine, Deutschland. Ein Wintermärchen, München 1997, dtv.
Heinrich Heine, Die Harzreise , Stuttgart, Reclam UB 2221.
Heinrich Heine, Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland, Stuttgart 1997, Reclam UB 2254.
Internet:   Heinrich Heine, Fast alle Werke, Originaltexte im Gutenberg- Projekt.
Wolfgang Fricke, Heinrich Heine, viele Links.

 

DIE SCHLESISCHEN WEBER - Lied

Im düstern Auge keine Träne,
Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:
Deutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten
In Winterskälte und Hungersnöten;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen,
Der den letzten Groschen von uns erpresst,
Und uns wie Hunde erschiessen lässt -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
wo jede Blume früh geknickt,
Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt -
Wir weben, wir weben!

Das Schifflein fliegt, der Webstuhl kracht,
Wir weben emsig Tag und Nacht -
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!

Sprachliche Eigenschaften

  • Fünfzeilige Strophen; Reimschema AABBC AABBC ...
  • Einleitung: am Webstuhl, dreifacher Fluch
  • Mittlere drei Strophen:
    Fluch auf Gott, König und Vaterland
  • Schlussstrophe: Wiederaufnahme des Beginns
  • Immer am Ende: quot;Wir weben, wir weben!quot;


Inhaltliche Bemerkungen

Das Lied handelt von den schlimmen Lebensbedingungen der Weber in der Zeit der industriellen Revolution. Durch die Etablierung von Fabriken, billigere Produktweisen etc. führten zu grosser Arbeitslosigkeit unter den Heimarbeitern Schlesiens.

Die Bevölkerung ist enttäuscht von ihrem Land, ihrem Deutschland. Sie fühlen sich selbst von Gott im Stich gelassen, auf den sie vergebens gehofft hatten. Den König nehmen sie als Oberhaupt der reichen Klassen wahr, ihn kümmert das Schicksal seiner Untertanen nicht; die Weber fühlen sich wie Hunde behandelt. So können sie auch dem Vaterland nichts abgewinnen. Ein Vaterland, dass seine Untertanen leiden lässt, braucht man schliesslich nicht.

Aber man muss doch leben. Also wird gewebt, und gewebt, und auf ein besseres Leben gehofft.

 

LORELEI - Gedicht

Ich weiss nicht, was soll es bedeuten
Dass ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fliesst der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar,
Ihr goldnes Geschmeide blitzet
Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
ergreift es mit wildem Weh,
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lorelei getan.

 

BERÜHMTE ZITATE

Liebe Ehe
«Ein Tor ist immer willig, wenn eine Törin will.»
«Bildungslücken erleichtern uns oft den Zugang zum Herzen.»
«Was Prügel sind, weiss jeder; was Liebe ist, hat noch niemand herausgefunden.»
«Die Musik bei einem Hochzeitszug erinnert mich immer an die Musik von Soldaten, die in den Krieg ziehen.»
«Liebe ist in Frankreich eine Komödie, in England eine Tragödie, in Italien eine Oper und in Deutschland ein Melodrama.»
«Wer nicht so weit geht, wie sein Gefühl ihn treibt und sein Verstand ihm erlaubt, ist eine Memme, wer weiter geht, ist ein Dummkopf.»

Bildung Wissenschaften
«Geld ist rund und rollt weg, aber Bildung bleibt.»
«Weise erdenken neue Gedanken, und Narren verbreiten sie. »
«Um die Wahrheit zu erfahren, muss man den Menschen widersprechen.»
«Ein Kluger bemerkt alles, ein Dummer macht über alles seine Bemerkungen.»
«Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten. Aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen.»

Religion
«Gott wird mir verzeihen - es ist ja sein Beruf.»
«Verfolgung der Andersdenkenden ist überall das Monopol der Geistlichkeit.»
«Von dem Augenblick an, wo eine Religion bei der Philosophie Hilfe begehrt, ist der Untergang unabwendlich.»
«Religion und Heuchelei sind Zwillingsschwestern, und beide sehen sich so ähnlich, dass sie zuweilen nicht voneinander zu unterscheiden sind.»
«Ärgert dich dein Auge, so reiss es aus, ärgert dich deine Hand, so hau sie ab, ärgert dich deine Zunge, so schneide sie ab, und ärgert dich deine Vernunft, so werde katholisch.»
«In dunklen Zeiten wurden die Völker am besten durch die Religion geleitet, wie in stockfinstrer Nacht ein Blinder unser bester Wegweiser ist; er kennt dann die Wege und Stege besser als ein Sehender. Es ist aber töricht, sobald es Tag ist, noch immer die alten Blinden als Wegweiser zu gebrauchen.»

Politik
«Die Freiheit ist eine neue Religion, die Religion unserer Zeit.»
«Die Freiheit der Meinung setzt voraus, dass man eine hat. »
«Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.»
«Jede Zeit hat ihre Aufgabe, und durch die Lösung derselben rückt die Menschheit weiter.»

Deutschland und die Deutschen
«Luther erschütterte Deutschland - aber Francis Drake beruhigte es wieder: Er gab uns die Kartoffel.»
«Das ist schön bei den Deutschen; keiner ist so verrückt, dass er nicht einen noch Verrückteren fände, der ihn versteht.»
«Gefährliche Deutsche! Sie ziehen plötzlich ein Gedicht aus der Tasche oder beginnen ein Gespräch über Philosophie.»
«Franzosen und Russen gehört das Land. Das Meer gehört den Briten. - Wir aber besitzen im Luftreich des Traums die Herrschaft unbestritten.»

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