Nach einem Studium in Oxford wurde Hobbes Hauslehrer der Familie des Earl of Devonshire; eine Stelle, die
er von Unterbrechungen abgesehen, bis zum Lebensende behielt. Auf einer Reise nach Frankreich und Italien
lernte Hobbes u.a. Descartes und Galilei kennen. Als Sekretär von Bacon
übersetzte Hobbes einige von dessen Schriften ins Lateinische. Wegen den Revolutionswirren in
England flüchtete Hobbes 1640 nach Paris, wo er den späteren englischen König Charles II.
unterrichtete. Als Cromwell 1651 die Macht übernommen hatte, kehrte Hobbes nach England zurück.
Nach der Restauration der Monarchie war er deswegen Angriffen der Royalisten ausgesetzt. Hobbes starb
erst im hohen Alter von 91 Jahren.
Beeinflusst durch die wissenschaftliche Exaktheit der neuen mathematischen-deduktiven Methode suchte auch Hobbes in der natürlichen Vernunft das Modell seiner Philosophie. In seinen Werken folgte Hobbes einem stufenweisen Vorgehen: Nach der Physik und Anthropologie wandte er sich der Staats- und Rechtslehre zu. Er wollte Erfahrungsdaten analytisch auf gesetzesartige Prinzipien zurückführen, welche die Basis der wissenschaftlichen Erkenntnis bilden sollten; metaphysische ewige Wahrheiten kommen bei Hobbes nicht vor. Berühmt wurde vor allem Hobbes Hauptwerk Leviathan, das 1651 erschien. Hobbes' politische Anschauungen und Philosophie waren von Bodin und der Erfahrung der Bürgerkriege in England beeinflusst.
Hobbes' politische Theorie hatte keinen unmittelbaren politischen Einfluss, sondern wurde bald durch die liberale Lehre Lockes abgelöst. Hobbes beeinflusste daneben Spinoza, Pufendorf und als Logiker Leibniz. Der berüchtigte Schmitt ging in seinem Rechtsdenken von Hobbes' Vorstellungen aus.
| Literatur: | Thomas Hobbes, Leviathan, Stuttgart 1970, Reclam UB 8348. |
| Internet: | Thomas Hobbes, Leviathan 1 & Leviathan 2, Originaltexte (englisch). |
Als der Leviathan 1651 in Paris erschien, brachte er seinem Verfasser Atheismus- und Verratsvorwürfe ein. Auch Charles II., den Hobbes in Frankreich unterrichtet hatte, war nicht glücklich über das Buch und verbannte Hobbes aus der englischen Kolonie in Paris. Hobbes kehrte daraufhin nach England zurück, wo er sich nicht weiter in die konkrete Politik einmischte. Der Titel des Werkes ist bekannter als sein Inhalt: Der Leviathan ist ein Ungeheuer, das im Alten Testament vorkommt, u.a. im Buch Hiob und in den Psalmen. Es ist eigentlich merkwürdig, dass ein Etatist wie Hobbes dem Staat einen so schrecklichen Namen gibt. Das Titelblatt der Erstausgabe von 1651 zierte das Bild eines grossen Herrschers, der aus einer Unzahl von kleinen Menschen zusammengesetzt war.
Hobbes sah den Menschen nicht als Vernunftwesen allein und lehnte Aristoteles' Vorstellung eines politischen Wesens ab. In seiner Staatsphilosophie ging Hobbes vom Naturzustand einerseits und vom Staatsvertrag andererseits aus. Im Naturzustand sind die Menschen durch den Selbsterhaltungstrieb bestimmt, der ein unersättliches Machtstreben zur Folge hat. Deshalb meinte Hobbes, der Mensch sei dem Menschen ein Wolf. Die Konsequenz des Naturzustands ist daher der Krieg aller gegen alle. Um dies zu verhindern, müssen die Menschen auf ihre Macht verzichten und sie einem Souverän übertragen. Durch eine solche Staatsbegründung kann die Willkür des Naturzustands durch die rechtssetzende Gewalt überwunden, sowie Frieden und Eigentumsrecht garantiert werden. Das aufklärerische Moment besteht im Leviathan darin, dass die Monarchie nicht mehr mit dem Gottesgnadentum, sondern mit einem Staatsvertrag begründet wird. Hobbes' Staatsvertrag gibt aber keine Antwort, warum sich die bösen Menschen überhaupt zum Frieden entschliessen sollten.
Der Souverän kann eine einzelne Person oder eine Versammlung sein. Diese soll allmächtig sein und niemandem verpflichtet. Sie allein setzt Recht und Moral, denn Autorität macht das Gesetz und nicht die Wahrheit. Die Gesellschaft entsteht erst durch einen solchen Souverän. Leviathan ist als reale Überperson gedacht, als sterblicher Gott, die Verkörperung des allmächtigen Staats. Da Hobbes in der Gewissens- und Glaubensfreiheit den Ausgangspunkt aller Uneinigkeiten auffasst, lehnt er in seinem Staatsmodell diese Postulate ab. «The king can do no wrong»; der König steht über dem Gesetz, das er selbst erteilt. Wenn die Auslegung eines Gesetzes unklar ist, kann nur der Gesetzgeber selbst endgültig urteilen und dies ist der Monarch selbst. So wendet sich Hobbes klar gegen das Richterrecht.
Machiavelli und Hobbes wandten die Überlegungen zur Freiheit der Humanisten ins Pessimistische. Freiheit erscheint bei beiden als Zustand ungeregelter Natur, gegen die sich der Mensch zur Wehr setzen muss. Die Religion wird zu einem reinen Machtinstrument degradiert, das der Aufrechterhaltung von Macht, Ordnung und Frieden dient. Den Humanisten galt das erfolgreiche Leben in Familie und Staat noch als Spiegel individuellen Glücks. Bei Machiavelli gab es nur noch Herrscher und Beherrschte und bei Hobbes wird nun der Staat zum alleinigen Garanten des Überlebens.
Siehe auch: Kommentiertes Titelblatt der Erstausgabe von 1651.
Staat & Recht
«Auctoritas, non veritas facit legem.» = «Autorität, nicht Wahrheit, macht das
Gesetz.»
«In der Monarchie sind die Untertanen die Menge, und, auch wenn dies paradox ist, der König
ist das Volk.»
Wissenschaft
«Man muss aber bedenken, dass nicht alle die Wissenschaft besitzen, die sie zu besitzen
behaupten. Wer die Ursachen der Dinge zu ergründen glaubt, indem er nur den Schriften anderer folgt
und fremde Meinungen, ohne selbst etwas zu entdecken, abschreibt, taugt gar nichts. Denn etwas Gesagtes
zu wiederholen, hat nichts Gutes an sich, sondern im Gegenteil oft das Schlechte, dass es der Wahrheit
den Weg verbaut, indem es die Irrtümer der Früheren bekräftigt.»
Sprache & Kommunikation
«Endlich verführt die Fähigkeit zu sprechen den Menschen auch dazu, zu reden, wenn er
überhaupt nichts denkt, und indem er, was er redet, für wahr hält, sich selbst zu
täuschen. Das Tier kann sich nicht selbst täuschen. So wird der Mensch durch die Sprache nicht
an sich besser, sondern nur mächtiger.»
«Eine dritte, und zwar die grösste Wohltat der Sprache ist, dass wir befehlen und Befehle
verstehen können. Denn ohne diese gäbe es keine Gemeinschaft zwischen den Menschen, keinen
Frieden und folglich auch keine Zucht, sondern Wildheit; ohne Sprache würden die Menschen einsam
leben und in Schlupfwinkeln jeder für sich hausen, nicht aber gesellig wohnen.»