Karl Theodor Jaspers war der Sohn eines wohlhabenden Bankdirektors. Nach seinem Studium der Medizin in
Berlin, Göttingen und Heidelberg war Jaspers 1908-15 als Assistent an der psychiatrischen Klinik in
Heidelberg tätig. 1909 lernte er den Soziologen Weber kennen, der ihn stark beeinflusste, 1910
heiratete er die Pflegerin Gertrud Mayer. Nach intensiver Beschäftigung mit Husserl und Dilthey veröffentlichte Jaspers 1913 seine
Habilitationsschrift; darauf erhielt er 1916 die Professor
für Psychologie in Heidelberg. 1919 begann er eine langjährige Freundschaft mit Heidegger und
1920 wechselte er auf den Lehrstuhl für Philosophie in Heidelberg, wo u.a. Arendt zu seinen
Studenten zählte. Unter dem nationalsozialistischen Regime erhielt er Lehrverbot, weil seine Ehefrau
Jüdin war. Nach Kriegsende wurde er wieder Professor in Heidelberg. Aus Enttäuschung über
die politische Entwicklung verliess Jaspers aber Deutschland und wirkte 1948-61 als Professor für
Philosophie in Basel. Jaspers erhielt 1958 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 1959 den Erasmuspreis.
Jaspers schrieb psychiatrische, philosophische und politische Schriften. Im Zentrum aller seiner Aktivitäten stand jedoch seine Philosophie der möglichen Existenz. Im 1919 erschienen Werk Psychologie der Weltanschauungen versuchte Jaspers eine von Dilthey und Weber beeinflusste Typologie verschiedener Welterklärungsmodelle. Im dreibändigen Hauptwerk Philosophie, das 1932 erschien, befasst sich Jaspers mit den drei grossen Themen Welt, Seele und Gott. Im ebenfalls wichtigen Werk Von der Wahrheit ergänzte Jaspers 1947 seine Philosophie der möglichen Existenz zu einer Lehre vom Umgreifenden. Nach dem Zweiten Weltkriegs engagierte sich Jaspers getreu seinem Motto «Philosophie und Politik sollten sich treffen» auch politisch. Er kritisierte die Blockpolitik der beiden Grossmächte, aber auch die Verdrängung der Kriegsschuld in der Bundesrepublik Deutschland.
Nach seinem Tod geriet Jaspers eine Weile in Vergessenheit. Doch seit den 80er-Jahren wird Jaspers auch international zunehmend gewürdigt, wobei sich viele mit dem Verhältnis zwischen ihm und Heidegger befasst haben. Arendt würdigte Jaspers als den in jeder Hinsicht würdigsten Nachfolger, den Kant je gehabt habe. Ein anderer Schüler, der Basler Philosoph Saner ordnete Jaspers Nachlass und gab ihn heraus.
| Literatur: | Karl Jaspers, Was ist der Mensch?, München 2003, Piper. Karl Jaspers, Einführung in die Philosophie, München 2004, Piper. Karl Jaspers, Die grossen Philosophen, München 1997, Piper. |
Politik & Toleranz
«Der Friede beginnt im eigenen Haus.»
«Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde.»
«Gleichgültigkeit ist die mildeste Form der Intoleranz.»
«Wir sollten Toleranz ueben gegen jedermann und jeden, nur nicht
gegenüber der Intoleranz.»
«Die Demokratie setzt die Vernunft des Volkes voraus, die sie erst hervorbringen soll.»
«Der Krieg ist in wachsendem Umfang kein Kampf mehr, sondern ein
Ausrotten durch Technik.»
«Der Mensch steht heute vor der Alternative: Untergang des Menschen oder
Wandlung des Menschen.»
Menschliches
«Was nicht in die Masse dringt, ist unwirksam.»
«Dass wir miteinander reden können, macht uns zu Menschen.»
«Die Hoffnungslosigkeit ist schon die vorweggenommene Niederlage.»
«Wir sind sterblich, wo wir lieblos sind, unsterblich, wo wir lieben.»
«Die Zukunft ist als Raum der Möglichkeiten der Raum unserer Freiheit.»