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Last Update: 07.12.04
 

 
 

Franz Kafka (1883-1924)

Franz Kafka wurde am 3. Juli 1883 in Prag geboren und starb am 3. Juni 1924 an einer unheilbaren Kehlkopftuberkulose, an der er seit 1917 litt. Kafkas Darstellung des in labyrinthischen Lebensverhältnissen gefangenen Menschen wurde zum Synonym für bedrückend-absurde Zustände (Wortschöpfung "kafkaesk").

Franz Kafka Der Sohn eines jüdischen Kaufmanns, wuchs im multikulturellen Prag nach der Jahrhundertwende auf. Die in der Doppelmonarchie österreich-Ungarn oft angefeindeten Juden hielten dort zur deutschen Kultur (vgl. Franz Werfel, Max Brod und Friedrich Torberg). Da Kafka aber kein orthodoxer Jude war, wurde er weder von den Tschechen noch von den Juden vollständig akzeptiert. Nach dem Besuch des deutschen Gymnasiums begann Kafka in Prag zu studieren, zuerst 2 Wochen Chemie, dann Jurisprudenz (besuchte aber oft Germanistikvorlesungen), die er 1906 mit dem Titel "Dr. jur." abschloss. Er trat danach einer italienischen Versicherungsgesellschaft bei, wechselte dann zur Arbeiterversicherungsanstalt, er zeigte sich dort als Sekretär recht ideenreich, war tüchtig, aber sonst nicht auffallend. Nach dem Arbeitsschluss begann er sich immer mehr seiner Leidenschaft, dem Schreiben, zu widmen. Lange wohnte er bei den Eltern, zog dann in ein kleines Häuschen in der Prager Altstadt mit seiner Schwester Ottla. Er verlobte sich dreimal, brachte es aber nie zu einer Heirat (die wichtigste Beziehung betrifft Félice Bauer). Von seiner Mutter fühlte er sich in seiner Arbeit einigermassen verstanden, vom Vater hingegen gar nicht. 1915 erschien die berühmteste Novelle Die Verwandlung, kurz nach der Strafkolonie . Zur allgemeinen Lebensangst kamen gesundheitliche Probleme wie Schlaflosigkeit, Nervenleiden, Kopfschmerzen, anhaltende Schwäche und Angstträume. 1917 erlitt er einen Blutsturz, der zum Ausbruch der Lungentuberkulose führte. Im Alter von 34 Jahren wurde er vorzeitig pensioniert, hielt sich dann in verschiedenen Kuren auf dem Land auf, schrieb dort unter anderem den Roman Das Schloss . 1919 verlobte er sich zum dritten Mal, aber auch darauf folgte 1920 die Entlobung. 1923 verliess Kafka Prag, reiste nach Berlin, wo er bis zu einem neuerlichen Zusammenbruch von einer jüdischen Medizinstudentin betreut wurde. Im Alter von 41 Jahren starb er am 3. Juni 1924 in Kierling bei Wien.

Zu seinen Lebzeiten erschienen nur einige Erzählungen. Nach seinem Tod entschloss sich sein Freund Max Brod, entgegen einer ausdrücklichen Abmachung, die Manuskripte doch zu veröffentlichen, u.a. auch die der drei Romane Der Prozess (hg. 1925), Das Schloss (hg. 1926), Der Verschollene (bekannt u.d.T. Amerika, hg. 1927). Je nach Zeitalter dominierten in der Rezeption Kafkas religiöse, existentialistische, psychoanalytisch-psychologische, textkritische, sozialpsychologische, sehr spät auch marxistische Motive, die aber alle das eine nicht leisten können: Kafkas Werk in eine eindeutige Botschaft zu "übersetzen". Die neuere Kafkaforschung unterstreicht eine bislang kaum beachtete Dimension des "Kafkaesken": die der absurden, grotesken Komik.


Phänomen Kafka


Kafkas Stil

 

DIE VERWANDLUNG

Gregor Samsa

Das "Ungeziefer"

  • Bei Eltern lebend, unselbständig
  • Reisender, Verkäufer (arbeitet hart für Chef, dem seine Eltern vieles schulden), Arbeitssklave
  • Wird vom Geschäft überwacht (Chef, Geschäftsdiener, Prokurist, Krankenkassenarzt)
  • Zurückgezogen und isoliert, keine Frauengeschichten, schüchtern
  • Kälte-leidend, kontaktarm, frustriert, gehetzt
  • Ständige Besorgnis um Wirtschaftslage, Zuganschlüsse, Kundenlaunen
  • Käfer in Menschengrösse
  • Kann sprechen, allerdings verstehen es die Menschen nicht
  • Kann denken und hört noch alles, nur ahnt das niemand
  • Bauch braun, bogenförmige Wölbungen, panzerartiger Rücken
  • Viele kleine Beine

Kosequenzen für die Familie Samsa


Gregor vor dem Ende


Autobiografisches in der "Verwandlung"


"Die Verwandlung" - Wofür könnte sie Symbol sein?

Die Verwandlung zeigt einen Fluchtzwang aus einer nicht auszuhaltenden Lebenshaltung, so ist es nur logisch, dass diese Flucht misslingt. Die Verwandlung macht sichtbar, was früher schon war: Die Selbstentfremdung des Menschen.

Die Geschichte ist aber auch eine Parabel zum Leben Kafkas und insofern ein Vorwurf an seine Familie. Sie zeigt einen langen, schmerzlichen Prozess des Todes auf, wie er sich bei Kafka abzuzeichnen begann. Er wusste, dass er nicht mehr allzu lange zu leben hatte und er musste sich wohl Tag für Tag damit befassen. In der Verwandlung ändert sich das Leben für Gregor und seine Familie von einem Tag auf den anderen, die Familie kann sich aber nicht daran gewöhnen und Gregor auch nicht und so beginnt eine Entfremdung, die schliesslich im mehr oder weniger freiwilligen Tod Gregors gipfelt.

 

IN DER STRAFKOLONIE

Wenn es wahr ist, dass "Kunst wie eine Uhr ist, die vorgeht" [Kafka], so weist diese Erzählung auf Phänomene totalitären Machtzugriffs auf den einzelnen voraus, wofür Auschwitz wie kein anderer Name steht. Aber sie auf eine prophetische Analyse des Kommenden zu beschränken, wird ihr nicht gerecht. Assoziationen ergeben sich auch zu anderen Themen:
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