Von 1732-40 besuchte Kant das streng pietistische Gymnasium Fridericianum in Königsberg. Vom 16.
Lebensjahr an besuchte er die Universität seiner Heimatstadt, wo er Naturwissenschaften und
Philosophie studierte. Nach dem Tod seines Vaters 1745 sah er sich gezwungen, sein Studium zu
unterbrechen und seinen Lebensunterhalt als Hauslehrer bei adeligen Familien zu verdienen. Nach seiner
Rückkehr an die Universität erwarb er 1755 mit einer Arbeit zum Thema Feuer die
Lehrbefähigung. Da die Stelle des Privatdozenten nicht bezahlt wurde, musste er neben seinem Pensum
an der Universität noch andere Tätigkeiten verrichten wie etwa die eines Bibliothekars. Erst
1770 erhielt er den lange ersehnten Lehrstuhl für Metaphysik und Logik in Königsberg,
wofür er eine zweite Disseration vorlegen musste, in der bereits einige Thesen des späteren
Werks vorkommen. Während der nächsten 27 Jahre war er an der Hochschule seiner Heimatstadt
tätig und zog eine grosse Zahl von Studenten an. Durch seine rationalistische Religionsauffassung
geriet er bald in Konflikt mit der preussischen Regierung. Nach der Veröffentlichung der Schrift
Die Religion innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft (1793) belegte ihn der preussische König
Friedrich Wilhelm II. schliesslich gar mit einem Lehr- und Publikationsverbot, das allerdings auf
religiöse Themen beschränkt war.
An dieses Verbot war Kant bis zum Tod des Königs 1797 gebunden. 1796 gab Kant seine
Lehrtätigkeit auf und 1801 sämtliche akademischen Ämter.
Kant war einer der wichtigsten Philosophen der neueren Zeit und bestimmt der einflussreichste deutsche Philosoph aller Zeiten. Seine Hauptwerke Kritik der reinen Vernunft (1781), Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785), Kritik der praktischen Vernunft (1788) und Kritik der Urteilskraft (1790) gelten heute als Klassiker der Philosophie. Seine Einschränkung der möglichen Erkennntis auf die Erscheinungswelt befriedigte seine Nachfolger allerdings nicht und so gingen Hegel & Co. wieder über Kants Kritik hinaus. Philosophiegeschichtlich steht Kant zwischen Aufklärung und Deutschem Idealismus.
| Literatur: | Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, Stuttgart '', Reclam UB 6461. Immanuel Kant, Zum ewigen Frieden, Stuttgart 1984, Reclam UB 1501. Robert Zimmer, Das Philosophen-Portal. Ein Schlüssel zu klassischen Werken, München 2004, dtv. |
| Internet: | Immanuel Kant, Einige Werke,
Originaltexte im Gutenberg-Projekt. Philipps-Universität Marburg, Kant-Information online, professionelle Seite. Steve Palmquist, Kant on the Web, professionelle Seite (englisch). |
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Schon in seinen Jugendjahren musste sich der junge Schüler einen Teil seiner Ausbildung durch wechselnde Nebenjobs selbst finanzieren. Kant besass eine eiserne Arbeitsdisziplin und verfolgte hartnäckig seine Ziele. Trotz gesundheitlichen Beschwerden wie ständig wiederkehrenden Magenschmerzen und merkwürdigen Blähungen, konzentrierte Kant sein ganzes Leben auf seine geistige Forschungsarbeit und kam in seinem ganzen 80-jährigen Leben praktisch nie aus Königsberg heraus. Mehrere Angebote für Professuren an anderen Universitäten wie Erlangen, Halle oder Jena lehnte er ab. Weniger bekannt ist, dass Kant zeitlebens auch an der Naturwissenschaft interessiert blieb und sogar eine eigene Theorie über die Entstehung von Sternensystemen verfasste.
Kant ging es nach der Herausgabe seines lange erwarteten Buches Kritik der reinen Vernunft wie vielen anderen Philosophen vor ihm: Er wurde lange von niemandem verstanden. Weil das Werk allgemein als sprachlich schwierig beurteilt wurde, kam er dem Lesepublikum mit einem Einführungsband entgegen, der den komplizierten Titel Prolegomena zu einer jeden zukünftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können trug und mit 222 Seiten auch nicht gerade dünn ausgefallen war. Als die Kritik dann endlich, dank einigen anderen Philosophen, die es genau lasen, verstanden wurde, ging es nicht lange, bis Kant zum grossen Meister erklärt wurde.
Mit seinen Werken gelang es Kant, der Vernunft die Flügel zu stutzen und die Ansprüche der Philosophie vom Himmel wieder auf die Erde zu holen. Kant verglich die menschliche Erkenntnis in einem der seltenen bildlichen Darstellungen mit einer Insel in einem Ozean: «Es ist das Land der Wahrheit, umgeben von einem weiten und stürmischen Ozeane, dem eigentlichen Sitze des Scheins, wo manche Nebelbank und manches wegschmelzende Eis neue Länder lügt und indem es den auf Entdeckungen herumschwärmenden Seefahrer unaufhörlich mit leeren Hoffnungen täuscht, ihn in Abenteuer verflechtet, von denen er niemals ablassen und sie doch auch niemals zu Ende bringen kann. Ehe wir uns aber auf dieses Meer wagen, um es nach allen Breiten zu durchsuchen und gewiss zu werden, ob etwas in ihnen zu hoffen sei, so wird es nützlich sein, zuvor noch einen Blick auf die Karte des Landes zu werfen, das wir eben verlassen wollen, und zu fragen, ob wir mit dem, was es in sich enthält, nicht allenfalls zufrieden sein könnten oder auch aus Not zufrieden sein müssten, wenn es sonst überall keinen Boden gibt, auf dem wir uns anbauen könnten.»
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Vor Kant wurde in Deutschland das rationalistische Weltbild von Leibniz und seinem Schüler Wolff gelehrt. Dieses System ging von Descartes' Rationalismus aus und besagte, dass die menschliche Vernunft in der Lage sei, sichere Erkenntnis aus der Vernunft selbst heraus zu begründen. In der Metaphysik meinten Leibniz und Wolff, dass die Existenz Gottes, die Freiheit des menschlichen Willens und andere "grosse" Probleme sich durch die menschliche Vernunft beweisen liessen. Leibniz bezeichnete diese "Beweise" als «Vernunftwahrheiten». Dieser grosse Anspruch forderte Kant zum Nachdenken über diese metaphysischen Probleme heraus. Weitere Inputs kamen von Kants Beschäftigung mit dem englischen Naturwissenschafter Newton, der eine mechanistische Welterklärung auf der Basis der Schwerkraft formuliert hatte. Kant forderte, auch die Philosophie müsse sich der Methode bedienen, die Newton in seiner Physik verfolgt hat, d.i. die "induktive" Methode, die von Einzelbeobachtungen allgemeine Aussagen ableitet, im Gegensatz zur "deduktiven" Methode, wo vom Allgemeinen auf das Spezielle geschlossen wird. Daneben lernte Kant 1762 auch die Schriften Rousseaus kennen, die ihm klar machten, dass der Mensch mehr ist als nur Vernunft und Intelligenz. Doch am meisten Respekt zollte Kant später dem englischen Empiristen Hume, der ihn mit der Relativierung des Kausalitätsgesetzs herausgefordert hatte. Hume meinte konkret, dass die Aussage "A ist die Ursache von B" selbst dann nicht bewiesen sei, wenn B tausendmal auf A folgt; es sei lediglich ein Gewohnheitsurteil. Durch Newton, Rousseau und Hume beeinflusst, begann Kant nun ernsthaft am Rationalismus seiner Zeit zu zweifeln und sich über Metaphysiker lustig zu machen.
Kant war schon am Anfang seiner Arbeiten im Jahr 1769 klar, dass es von letzten Dingen wie Gott, der Seele, Freiheit oder Gerechtigkeit keine Erkenntnis wie von materiellen Dingen geben kann. Er folgte dem Skeptizismus Humes bis zu diesem Punkt, doch an der Folgerichtigkeit von kausalen Aussagen zweifelte er nicht. Er suchte also eine goldene Mitte zwischen dem Skeptizismus und dem Rationalismus, den er nun "Dogmatismus" nannte. Wie Newton die Gesetzmässigkeiten der äusseren Welt untersuchte, wollte Kant die Gesetzmässigkeiten des menschlichen Erkenntnisprozesses erforschen. Zuerst einmal begreift Kant Raum und Zeit nicht mehr als eigenständige Wesenheiten, sondern «Formen der Anschauung», die den Menschen wie Brillen vor den Augen stehen, wenn sie die Welt wahrnehmen. Kant unterscheidet in der Kritik zwischen drei Erkentnisvermögen: 1. der sinnlichen Anschauung, welche die Welt mittels der räumlichen und zeitlichen Vorstellungen wahrnimmt, 2. dem Verstand, der diese Vorstellungen begrifflich einordnet und 3. der Vernunft, die uns befähigt, diese Begriffe mit anderen zu verbinden. Interessant ist die Unterscheidung zwischen Verstand und Vernunft. Sinnliche Anschauung und Verstand liefern die Daten unserer Erfahrung und damit nachprüfbare Erkenntnisse, die Vernunft fragt hingegen nach den Zusammenhängen und Ursachen der Erfahrungswelt und stellt bald Fragen, die über das Erkennbare hinausgehen. Im Bereich der letzten Fragen nach Gott, der Freiheit oder der Seele liefert die Vernunft nach Kant also gar keine Erkenntnisse, sondern verführt uns zu Spekulationen.
Kant führt auch die Begriffe "transzendental" und "transzendent" in die Philosophie ein. Was ist damit gemeint? "Transzendent" ist alles, was jenseits der sicheren Erkenntnis liegt und gehört damit einer Welt der Dinge an sich an, über die der Mensch nichts wissen kann. "Transzendental" sind die menschlichen Erkenntniswerkzeuge, d.h. die Bedingungen der menschlichen Erkenntnis wie Raum, Zeit und die Begriffe. Kant nannte seine Theorie deshalb auch eine "Tranzendentalphilosophie", da sie nicht mehr über das Transzendente spricht, sondern über das Transzendentale; sie will aufzeigen, wie die menschliche Erkenntnis zu Stande kommt. In etwas eigentümlicher Sprache nennt Kant die Lehre von Raum und Zeit als notwendigen Vorstellungen vor jeder Anschauung (a priori) «Transzendentale Ästhetik». In seiner «Transzendentalen Analytik» geht es um die Verstandsbegriffe, wo er in Anlehnung an Aristoteles Kategorien der Welterklärung wie etwa Ursache, Wirkung, Substanz oder Akzidens behandelt. Und die «Transzendentale Dialektik» schliesslich soll zeigen, dass es für alte Ideen wie Gott, Freiheit oder Unsterblichkeit gute Gründe dafür, aber auch ebenso gute Gründe gibt, die dagegen sprechen. Obwohl Kant immer wieder betonte, er liebe die Metaphysik, stellte Kants Kritik einen radikalen Bruch in der Geschichte dieser "Königin der Wissenschaften" dar. Seit Aristoteles' "erstem Beweger" war diese eng an mit der Theologie verknüpft. Mit seiner Kritik stellte Kant eines der wichtigsten Scheidungsdokumente zwischen Theologie und Philosophie aus, was ihm selbst einige Aufklärer wie etwa Mendelssohn nur schwer verzeihen konnten, der ihn einen "Alleszermalmer" nannte. Kant wies darauf hin, dass aus einem Begriff nicht auf einen Gegenstand geschlossen werden kann. Es genügt also nicht, einen Begriff von Gott oder einer unsterblichen Seele zu haben, denn die Existenz kann nicht durch begriffliche Analyse gleichsam logisch nachgewiesen werden.
Zusammengefasst sieht der menschliche Erkenntnisprozess nach Kant etwa so aus, das wir zuerst sinnliche Eindrücke erhalten, ohne die keine Erkenntnis möglich ist. Diese Daten werden anschliessend zuerst durch die räumliche und zeitliche Strukturierung und danach mit Hilfe von Verstandesbegriffen zu einem Erkenntnisgegenstand verarbeitet. Das bedeutet, dass der Mensch die Welt erst konstruiert. Was wir "Welt" nennen, ist nicht einfach da, sondern wird von uns massgeblich geformt. Kant begreift also Erkenntnis nicht als blosses Aufnehmen von Erfahrungen (Empirismus), aber auch nicht als blosses Ergebnis logischer Analyse (Rationalismus); sondern als Kombination beider Seiten. Kant meinte dazu: «Anschauungen ohne Begriffe sind blind, Begriffe ohne Anschauungen sind leer.» Was wir wahrnehmen können, prägt unsere «Erscheinungswelt», doch wie die Welt denn "wirklich" ist, darüber können wir nichts sagen. Damit verabschiedet sich Kant auch von der Vorstellung einer "wahren" Welt, da Wahrheit nun relativ wird. Diese These von Kant hat bei einigen Lesern eine Art Schock ausgelöst, u.a. beim jungen Schriftstellergenie Kleist.
Kant leitete mit seinem wichtigsten Werk Kritik der reinen Vernunft eine - wie er es nannte -
"kopernikanische Wende" in der Philosophie ein. Er meinte also, er habe für die Philosophie etwas
ähnliches geleistet wie seinerzeit Kopernikus im Bereich der Astronomie. Kopernikus steht für
einen Perspektivwechsel in der Anschauung der Welt: Indem er die Sonne und nicht mehr die Erde in den
Mittelpunkt des Universums rückte, konnte der Mensch nicht mehr als Mittelpunkt der Welt gelten.
Kants Wende kreist um die menschliche Erkenntnis. Wir sollten den Blick von den
Erkenntnisgegenständen auf die Erkenntnisvoraussetzungen lenken. Kants Kritik setzte der
menschlichen Erkenntnisfähigkeit neue Grenzen und stutzte damit die Philosophie auf ein gesundes
Mass zurück, indem er wesentlich engere Grenzen für die menschliche Erkenntnis als viele
Philosophen vor ihm zog. Obwohl er den letzten Begriffen wie Gott oder Unsterblichkeit die
Möglichkeit ihrer Erkenntnis abspricht, will Kant weiter an ihnen festhalten. In seiner
«Transzendentalen Methodenlehre» erklärt er diese zu notwendigen Ideen, die für
die Aufrechterhaltung der Moral notwendig seien.
[Nach: Zimmer, S. 106-120]
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«Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschliessung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.»
Kant fährt fort und meint, zu dieser Aufklärung benötige es Freiheit; die Freiheit nämlich, «von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen. » Den Privatgebrauch aber könne man teilweise einschränken. Dabei ist zu beachten, dass Kant die beiden Begriffe "öffentlich" und "privat" nicht im heute üblichen Sinn verwendet. Er versteht unter dem Privatgebrauch denjenigen, den ein Mensch in einem ihm anvertrauten bürgerlichen Posten oder Amt von seiner Vernunft machen darf. Unter dem öffentlichen Gebrauch versteht Kant demgegenüber den Einsatz der Vernunft für Schriftsteller, Philosophen und Künstler. Kant ist zuversichtlich, dass sich die Aufklärung durchsetzen wird, selbst gegen Hindernisse werde sich der Geist der Freiheit durchsetzen. Kant legt den Hauptpunkt der Aufklärung auf religionspolitische Fragen und fordert konkret, dass vom Herrscher keine Religionszugehörigkeit mehr vorgeschriebenen wird. Es ist bezeichnend für die deutsche Aufklärung, dass sie vor allem an diesem Punkt interessiert ist, während die französische Aufklärung "radikaler" war und durchaus auch weitergehende politische Forderungen stellte und damit die Revolution von 1789 vorbereitete.
«Wenn man nun gefragt wird: Leben wir jetzt in einem aufgeklärten Zeitalter? so ist die Antwort: Nein, aber wohl in einem Zeitalter der Aufklärung.» Kant war also völlig klar, dass die Aufklärung noch keineswegs abgeschlossen war.
«Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.»
«Man sollte es nicht für möglich halten, aber auch die Tugenden müssen ihre Grenzen
haben.»
«Es ist unmöglich, dass ein Mensch ohne Religion seines Lebens froh werde.»
«Der Krieg ist darin schlimm, dass er mehr böse Menschen macht, als er deren
wegnimmt.»
«Der Friede ist das Meisterstück der Vernunft.»
«Das Lachen ist der Lebenskraft zuträglich, denn es fördert die Verdauung.»
«Über Geschmack lässt sich nicht disputieren.»