Kepler stammte aus bescheidenen Verhältnissen. Er besuchte die Lateinschule in Leonberg und legte
1583 sein Landexamen ab, das ihn zu einem Stipendium berechtigte. Erst studierte er an den Klosterschulen
von Adelberg und Maulbronn, ab 1589 an der Universität Tübingen evangelische Theologie. Dort
wies ihn der Mathematiker Mästlin auf das kopernikanische Weltbild hin. Nach Studienabschluss nahm
Kepler 1594 eine Stelle als Lehrer für Mathematik und Moral an der Stiftsschule von Graz an.
Gleichzeitig wurde er Mathematiker der Landesregierung und gab Kalender mit Prognosen heraus. Da einige
seiner Voraussagen zutrafen, wurde er schnell als Astrologe berühmt. Wegen ihrem reformierten
Bekenntnis wurden Kepler und seine Familie 1600 aus Graz vertrieben. Nun liess er sich in Prag nieder, wo
er Assistenz von Brahe wurde und nach dessen Tod 1601 seine Stelle als Hofmathematiker Rudolfs II. bekam.
Als er die Beobachtungsdaten von Brahe auswertete, kam er zum Schluss, dass die Planetenbahnen nicht
Kreise sondern Ellipsen sein müssen. Nach entsprechenden Veröffentlichungen stieg der Druck auf
Kepler; 1611 nahm er eine Anstellung als Mathematiker in Linz an. Nachdem sich 1626 die Gegenreformation
in Linz durchgesetzt hatte, suchte Kepler nach einem neuen Wohnort und einem neuen Verleger. Er bekam
einige Angebote, die mit der Bedingung eines Konfessionswechsels verknüpft waren, was Kepler aber
ablehnte. Schliesslich trat er 1628 in die Dienste des Kriegsfürsten Wallenstein und liess sich in
Schlesien nieder. Auf einer Reise nach Linz starb er 1630 in Linz.
Kepler wurde berühmt durch seine drei Gesetze über die Planetenbahnen. Das erste Gesetz besagt, dass sich die Planeten auf elliptischen Bahnen um die Sonne bewegen. Das zweite keplersche Gesetz, der Flächensatz, lehrt, dass die Planeten in der gleichen Zeit gleiche Flächen durchqueren. Im dritten keplerschen Gesetz werden die Umlaufzeiten der Planeten in ein mathematisches Verhältnis zu ihrer mittleren Entfernung von der Sonne gesetzt. Kepler vertrat die These, eine von der Sonne ausgehende Kraft verursache die Planetenbewegung. Die 1627 erschienenen Rudolfinischen Tafeln bildeten für 200 Jahre die Grundlage vieler astronomischen Berechnungen. Kepler benutzte dazu die damals noch weitgehend unbekannte Logarithmenrechnung. Daneben befasste sich Kepler aber auch mit anderen mathematischen Problemen, etwa im Bereich der Kegelschnitte, Volumenberechnungen und Optik. Sein Ansatz zur Infinitesimalrechnung wurde von Galilei aufgegriffen. In seinem letzten Werk stellte er sich unter dem Titel Somnium seu astronomia lunaris die Frage, ob es Mondbewohner geben könnte.
Kepler stellte die Beobachtung und Erfahrung über die Autoritäten und die Bibel, was für die Entwicklung der neuzeitlichen Naturwissenschaften entscheidend war. Aus den keplerschen Gesetzen leitete Newton sein allgemeines Gravitationsgesetz ab.
| Literatur: | Johannes Kepler, Weltharmonik, München 1997, Oldenbourg. |
| Internet: | St.-Michaels-Gymnasium Metten, Kepler, Seite mit Links. |
«Die Körper wären nicht schön, wenn sie sich nicht bewegten.»
«Die Mathematik befriedigt den Geist durch ihre ausserordentliche Gewissheit.»
«Mir kommen die Wege, auf denen die Menschen zur Erkenntnis gelangen fast ebenso bewunderungswürdig vor wie die Natur der Dinge selbst.»
«Niemand sollte es für unmöglich halten, dass sich aus den Torheiten und Gotteslästerungen der Astrologen solides und brauchbares Wissen kristallisieren kann.»