Søren Aabye Kierkegaard war der Sohn eines dänischen Kaufmanns. Unter dem Einfluss seines
frommen Vaters wurde er in der Kindheit stark von der lutherischen Theologie beeinflusst. Nach einem
Studium der Theologie und Philosophie betätigte er sich als Magister und Prediger in Kopenhagen.
Weil er seinen hohen Ansprüchen nicht zu genügen glaubte, löste er seine Verlobung mit
Regine Olsen auf und zog sich aus dem beruflichen Leben zurück. Von 1841-42 lebte Kierkegaard in
Berlin, wo er den Vorlesungen Schellings beiwohnte, die ihn mit den Gedanken Hegels vertraut machten. Bald zog er jedoch nach Kopenhagen zurück, wo er nun als Schriftsteller wirkte und sich in polemischen Schriften mit der dänischen Staatskirche anlegte, der er eine Verkehrung des biblischen Christentums vorwarf.
In Auseinandersetzung mit der Dialektik Hegels wandte Kierkegaard sich durch einen radikalen Individualismus gegen spekulative Systeme. Das philosophische Werk trägt stark autobiographische Züge; wie sein Vater litt auch Kierkegaard zeitlebends an Schuldgefühlen, die ihn immer wieder in schwere Depressionen stürzten. Seine Werke reichen von fiktiven Romanen bis zu theologischen Streitschriften und sind meist in der Dialogform gehalten. Zudem gab er sie unter wechselnden Pseudonymen heraus, die häufig lediglich einem Buchstaben entsprachen, wie "A" oder "B". Zentral in Kierkegaards Werk sind die Begriffe Existenz und Angst, sowie Freiheit und Wahl/Entscheidung.
Zu Lebzeiten wurde Kierkegaard kaum beachtet, lediglich einige skandinavische Schriftsteller rühmten die Werke im späten 19. Jahrhundert. Doch im 20. Jahrhundert knüpften moderne Theologen wie Barth, die Existenzphilosophie ab Heidegger sowie die Vertreter der Frankfurter Schule um Adorno und Horkheimer an Kierkegaards Denken an.
| Literatur: | Søren Kierkegaard, Entweder - Oder, München 1998, dtv. Søren Kierkegaard, Die Krankheit zum Tode, Stuttgart 1997, Reclam UB 9634. |
| Internet: | VirtuSens, Kierkegaard Portal, professionelle Seite. |
Wissenschaft und Denken
«Der Denker ohne Paradox ist wie der Liebende ohne Leidenschaft: ein mittelmässiger
Patron.»
«Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.»
«Das Genie ist wie das Donnerwetter: es schreitet gegen den Wind, erschreckt die Menschen und
reinigt die Luft. Das Bestehende hat dagegen allerlei Blitzableiter erfunden.»
«Das meiste dessen, was heutzutage am stärksten unter dem Namen Wissenschaft (besonders
Naturwissenschaften) floriert, ist gar nicht Wissenschaft, sondern Neugier. Alles Verderben wird zuletzt
von den Naturwissenschaften kommen.»
«Die Menschen haben, wie es scheint, die Sprache nicht empfangen, um die Gedanken zu verbergen,
sondern um zu verbergen, dass sie keine Gedanken haben.»
Liebe und Leben
«Ehe ist die wichtigste Entdeckungsreise, die der Mensch unternehmen kann.»
«Sich um die Liebe zu betrügen ist der fürchterlichste Betrug; es ist ein ewiger Verlust,
der sich nie ersetzen lässt, weder in der Zeit noch in der Ewigkeit.»
«Der Hass ist die Liebe, die gescheitert ist.»
«Während der ersten Periode des menschlichen Lebens besteht die Hauptgefahr darin, kein Risiko
auf sich zu nehmen.»
«Aller Laster Anfang ist die Langeweile.»
«Verstehen kann man das Leben nur rückwärts. Leben muss man es vorwärts.»
«Ein Mann kann niemals so grausam sein wie ein Weib.»