Bernd Heinrich von Kleist ist der Sohn des Offiziers Friedrich von Kleist und dessen zweiter Frau Ulrike
geboren. Die Kleists sind eine ausgesprochene Soldatenfamilie, die bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
bereits achtzehn preussische Generäle hervorgebracht hatte. Gemäss der Familientradition
wurde Kleist protestantisch und preussisch streng erzogen, von Liebe und
Wärme in der Familie, wie sie etwa Goethe erfuhr, kann
bei ihm keine Rede sein. Doch Vater und Mutter starben früh, einzig zu seiner Stiefschwester Ulrike
hatte Kleist ein herzliches Verhältnis (vgl. Kafka). 1792
trat er in Potsdam ins Militär ein, hielt jedoch nicht viel von der nur dem Staat dienenden und das
Individuum vernachlässigenden Institution. Sein Abschied vom Militärdienst und die
schnelle Aufgabe des anschliessend aufgenommenen Studiums (Musik, Philosophie, Mathematik und
Staatswissenschaften) führten im Verein mit der Problematisierung seines rationalistischen
Weltbildes zur "Kantkrise". Sie markierten einen
entscheidenden Wendepunkt in seinem Dasein, das fortan von unruhigem Oszillieren zwischen
gegensätzlichen Polen geprägt war: familiären Ansprüchen und persönlichen
Neigungen, dem Zwang zur Daseinsvorsorge und dem Wunsch nach freiem Ausleben
seiner poetischen Neigung, der Sehnsucht nach Partnerschaft und einer aus Selbstzweifeln genährten
Bindungsunfähigkeit.
So zog Kleist 1802 in die Schweiz und trug die Absicht, einen alten Bauernhof zu erwerben um auf dem Land
sein Glück zu finden. Doch schon 1803 trat Kleist wieder in die Armee ein, diesmal auf der Seite des
ihm angeblich verhassten Napoleons, um den Tod zu finden. 1806 war Kleist bei sehr schlechtem
gesundheitlichem Zustand, mit der es allerdings nie so furchtbar stand, wie er glaubte. Kleists Vorhaben
nach seiner Rückkehr nach Berlin 1809 schlugen sämtlich fehl, obwohl er die Unterstützung
einflussreicher Persönlichkeiten des kulturellen Lebens gewinnen konnte, die durchweg die
patriotische Stossrichtung der Berliner Romantik vertraten. Kleist sieht die Dichtung als
Handlungsersatz. Kleist entschliesst sich, patriotischer Dichter zu werden, der in kriegerischer Sprache
zu Franzosenhass aufruft (Befreiungskriege). Als die Zeitung eingehen musste und die Bemühungen um
die Aufführung des Dramas Prinz Friedrich von Homburg ebenfalls scheiterten, fasste er,
isoliert von Familie und Öffentlichkeit, den Entschluss, seinem
Leben ein Ende zu setzen. Er und seine Freundin Henriette Vogel erschossen sich am Morgen des 21.
November 1811 am Ufer des Kleinen Wannsees in der Nähe von Berlin.
Das Spannungsverhältnis von Ich und Welt ist vor allem in den Erzählungen mit einer psychologischen Raffinesse ausgebreitet, die neue Massstäbe in der deutschsprachigen Erzählkunst gesetzt hat und aufgrund ihrer Modernität für das Unverständnis der Zeitgenossen zumindest mitverantwortlich war. Die für Kleists Leben charakteristische Konstellation von komplexer Persönlichkeit und widrigen Schicksalsmächten wird weithin in seinem literarischen Werk reflektiert, häufig im Gewand juristischer Konflikte, so z.B. in Michael Kohlhaas. Auch dies ist eine weitere Parallele zu Kafka.
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Wie kommt es dazu?
Wieder einmal ist der Rosshändler unterwegs nach Sachsen, um dort seine gesunden jungen Tiere zu verkaufen. Er wird jedoch von einem Zöllner aufgehalten, dem er Zoll bezahlen muss. Nach Entrichtung des Weggeldes will er weiterreiten, wird jedoch vom Burgvogt aufgehalten, der von ihm einen Passierschein fordert. Kohlhaas, der bisher einen solchen noch nie benötigte, sucht den Junker Wenzel von Tronka auf, um dieses Missverständnis aufzuklären. Der Junker aber, der von den Pferden von Kohlhaas begeistert ist, beharrt auf dem Gesetz. So erklärt sich der Pferdehändler bereit, einen solchen Passierschein aus Sachsen zu holen und lässt als Pfand die Pferde und einen Knecht zurück.
Wie er vermutet hatte, war das ganze nur ein Schwindel. Als er deswegen wieder auf das Schloss zurückkehrt, um sich seine Pferde wieder abzuholen, ist sein Knecht nicht mehr da und er findet zwei völlig abgemagerte Pferde vor. Auf dem Schloss wird behauptet, dass der Knecht ein Verbrechen begangen hatte, und er daher verjagt worden war. Die Pferde wurden dann, während seiner Abwesenheit für die Feldarbeit eingesetzt.
Als Kohlhaas nach Hause zurückkehrt, erfährt er von seinem Knecht, dass er zu Unrecht vertrieben worden sei. Daher reicht der Rosshändler eine Klage ein, die jedoch abgewiesen wird. Er wendet sich deshalb über den Staatshauptmann Heinrich von Geusau an den Brandenburger Kurfürsten. Doch die Bitte um Hilfe kommt nicht zu diesem selbst, sondern zu dessen Erzkanzler Graf Kallheim, der mit dem Junker von Tronka verwandt ist. Deswegen misslingt auch dieser Versuch. Schliesslich will die Frau von Kohlhaas versuchen, in die Burg des Junkers zu gelangen, um die Klage ihres Ehemannes noch einmal vorzubringen. Dabei wird sie aber von einer Wache der Burg verletzt und stirbt wenige Tage später an den Verletzungen. Vor dem Tod beschwört sie ihrem Mann, seinem Feind zu vergeben, wie es in der Bibel steht, und die Sache auf sich beruhen zu lassen.
Kohlhaas, der seine Familie jedoch sehr geliebt hat, schwört nun ewige Rache. Er stellt dem Junker ein Ultimatum von drei Tagen, in denen er die Pferde durchfüttern und anschliessend nach Kohlhaasenbrück zurückbringen sollte. Als die Tage vorübergehen und er keine Antwort erhält, verkauft er sein Grundstück und schickt seine Kinder zur Grossmutter.
Dann brennt er mit einigen seiner Knechte, die ihm treu ergeben sind, die Burg des Junkers nieder. Dabei tötet er mehrere Menschen, doch der Junker von Tronka kann über ein Kloster in die Stadt Wittenberg entkommen. So zündet Kohlhaas trotz der Gegenwehr des Landvogts die Stadt dreimal an. Die Wut der Bürger richtet sich nun gegen Wenzel von Tronka. Kohlhaas gelingt es mit dem kleinen Haufen von Anhängern, der sich mittlerweile um ihn gebildet hat, 500 Mann unter dem Befehl von Friedrich von Meissen, durch einen Überraschungsangriff zu besiegen. Kurz danach schlägt er 300 Männer des Landvogt in die Flucht. Nach einiger Zeit nennt man Kohlhaas bereits den "Mordbrenner". Leipzig ist in Kriegsbereitschaft, kann jedoch gegen die immer grössere Anzahl an Gegnern gegen Kohlhaas nichts ausrichten.
Durch Martin Luther, den Kohlhaas sehr verehrt, bekommt er freies Geleit und die Klage wird von neuem vor Gericht gebracht. Der Pferdehändler legt die Waffen nieder. Auf das hinauf macht ihm der Kurfürst klar, dass er, wenn er den Prozess verlieren würde, mit der ganzen Strenge des Gesetzes bestraft würde. Kohlhaas nimmt trotzdem die Bedingungen an. Da die Unruhe wächst, beschliesst Kohlhaas zu fliehen. Doch die Flucht misslingt und Kohlhaas wird zum Tode verurteilt. Er soll nach Brandenburg gebracht werden, dies wird durch die Krankheit eines seiner Kinder verzögert.
Als er endlich eintrifft wird nach der Kapsel, die er um den Hals trägt gefragt. Da erzählt er von einer Zigeunerin, die dem sächsischen und brandenburgschen Kurfürsten die Zukunft vorausgesagt hat. In der Kapsel befindet sich ein Zettel, der wichtige Nachrichten für den Kurfürsten von Sachsen enthält. Bevor Kohlhaas gehängt werden soll, liest er den Zettel und vernichtet ihn, indem er ihn isst. Der Kurfürst von Sachsen fällt sofort in Ohnmacht. Kohlhaas wird nun unter der Klage des Volkes hingerichtet und begraben.
Teile der Novelle beruhen auf wahren Begebenheiten: Etwa im Jahre 1535 war ein Viehhändler namens Hans Kohlhaase mit seinem Vieh nach Sachsen unterwegs. In einer Schenke fiel er einigen Bauern auf, da er in Eile war. Die Bauern hielten ihn für einen Viehdieb, weil er in der Nacht weiterreiten wollte. Als ihn die Bauern zur Rede stellen wollten, zog Hans Kohlhaase sein Messer und bedrohte die Bauern. Deshalb nahmen ihm die Bauern die Pferde weg und verlangten, dass sie solange bei ihnen blieben, bis Kohlhaase genug Beweise gebracht hatte, dass die Pferde sein Eigentum wären. Als Hans Kohlhaase bei seiner Rückkehr erkannte, dass seine Pferde für die Feldarbeit benützt worden waren und er einen grossen Betrag für die Fütterung bezahlen sollte, protestierte er bei verschiedenen Fürsten, die ihm jedoch nicht halfen. Als Rache plünderte er mehrere Orte und zündete sie an. Als er gefangen genommen und zum Tode verurteilt worden war, soll er auf dem Weg zu seiner Hinrichtung immer wieder gemurmelt haben: "Nunquam vidi iustum derelictum." - "Niemals habe ich einen Gerechten verlassen gesehen" ...
Liebe, Schmerz und Schicksal
«Auch der Olymp ist öde ohne Liebe.»
«Unsere äusseren Schicksale interessieren die Menschen, die inneren nur den Freund.»
«Der Schmerz macht, dass wir Freude fühlen, so wie das Böse macht, dass wir das Gute
erkennen.»
Künste
«Rom ward an einem Tage nicht erbaut.»
«Ich betrachte die Musik als die Wurzel aller übrigen Künste.»
Politik
«Was man dem Volk dreimal sagt, hält das Volk für wahr.»
«Nicht ein Zehnteil würd´ ein Herr des Bösen tun, müsst er es selbst mit
eignen Händen tun.»