Als zweiter Sohn eines Bergmanns wurde Luther 1483 in Eisleben
geboren. Von 1501 bis 1505 studierte er an
der Universität Erfurt, wo er mit dem Magister der freien
Künste abschloss. Unter dem Eindruck
eines schweren Gewitters gelobte Luther 1505, Mönch zu
werden. Er legte bei den Erfurter
Augustinern das Mönchsgelübde ab, empfing 1507 die
Priesterweihe und nahm das Studium der
Theologie auf. 1512 erhielt Luther eine Professur für
Bibelauslegung am Konvent in Wittenberg. Seine
exegetischen Arbeiten und sein starkes religiöses Empfinden
kulminierten im Turmerlebnis, dass
Luther zur Erkenntnis führte, dass der Mensch nicht aus
eigener Kraft und durch seine Werke gerecht
werde, sondern allein durch Gottes Gnade. Mit der Publikation der
95 Thesen gegen den Ablasshandel
am 31. Oktober 1517 setzte Luther die Reformation in Gang. Nachdem
die Kirche nicht auf seine
Argumentation einging, sondern ihn als Ketzer mundtot machen
wollte, radikalisierte sich Luthers
Position: In den Leipziger Disputationen kritisierte er das
Papsttum als rein menschliche Institution und
verneinte das Dogma der Unfehlbarkeit. Angesichts der Verurteilung
durch die Kurie rechtfertigte sich
Luther 1520 in drei programmatischen Schriften und appellierte
insbesondere an die weltlichen
Obrigkeiten, die Kirchenreform in die eigene Hand zu nehmen. Am
Wormser Reichstag erliess Kaiser Karl V.
den Bann über Luther, doch dieser wurde von Friedrich, dem
Kurfürsten von Sachsen,
in Sicherheit gebracht. Auf der Wartburg begann Luther mit der
deutschen Übersetzung des Neuen
Testaments. 1521 kehrte er nach Wittenberg zurück. 1525
ergriff Luther im Bauernkrieg für die
Fürsten Partei, worauf ihm radikalere Mitstreiter Verrat
vorwarfen. Im Marburger
Religionsgespräch kam es 1529 zum Bruch mit der reformierten
Bewegung der Schweiz, weil Luther
Zwinglis rein
symbolisches Verständnis des Abendmahls
verwarf. In der Confessio Augustana, dem ersten
lutherischen Glaubensbekenntnis, wurde Luthers Lehre 1530 zu einem
System ausgebaut und gegenüber anderen Lehren abgegrenzt.
Nach der Übersetzung des Alten Testaments legte Luther 1534
die erste deutschsprachige Vollbibel vor. 1546 starb er in der
Heimatstadt, wo er in einem Streit vermitteln wollte.
Luther lehrte, wenn der Mensch sein Ungenügen und sein Versagen erkenne, sich vor Gott als Sünder bekenne und ihn um Barmherzigkeit und Gnade anrufe, dann dürfe er sich der Gerechtigkeit Gottes gewiss sein. Diese "Rechtfertigung" brauchte die Kirche als Mittelsinstanz zwischen dem Gläubigen und Gott nicht mehr. Luther stellte die Bibel über die kirchliche Tradition. Die Grundzüge der lutherischen Theologie lassen sich auf die Formel bringen: «solus Christus», «sola fides», «sola gratia» und «sola scriptura». Für Luther steht der geistliche Stand Gott nicht näher als die gewöhnlichen Gläubigen. Wie sich beim Bauernkrieg gezeigt hatte, war Luther der Auffassung, dass jede Obrigkeit von Gott komme. Er entwickelte eine Zweireichelehre, die dem "weltlichen Regiment" des Fürsten das "geistliche Regiment" der Kirche gegenüberstellte. Generell stellte Luther die Theologie uneingeschränkt über die Vernunft; sein philosophisches Motto war denn auch das «Credo quia absurdum est» des Tertullians: Es war Luther egal, ob es Widersprüche in der christlichen Lehre gibt, denn er glaubte sie gerade deshalb, weil sie nicht verstanden werden kann. In der aufschlussreichen Debatte mit Erasmus von Rotterdam über den freien Willen beharrte Luther auf dem allumfassenden Wissen Gottes, das auch die Zukunft einschliesst. So folgte Luther seinem grossen Vorbild Augustinus und erklärte, dass der Mensch seit dem Sündenfall keinen freien Willen mehr habe. Die Verneinung der menschlichen Willensfreiheit ist eine äusserst radikale Position, die zu vielen Problemen führt. Wie kann man zum Beispiel jemanden verurteilen, wenn er keine andere Wahl hatte?
Luther wird heute immer noch sehr kontrovers beurteilt, was nicht überrascht angesichts der von ihm ausgelösten Umwälzungen. Manche würdigen Luthers grossen Mut, andere werfen ihm extreme Überheblichkeit vor. Luther hat einige sehr unappetitliche Zitate über Juden und Angehörige anderer Konfessionen und Religionen zum Besten gegeben. Unten auf dieser Seite finden sich eine Reihe von Beispielen.
| Literatur: | Martin Luther, An den christlichen Adel deutscher Nation / Von
der Freiheit eines Christenmenschen /
Sendbrief vom Dolmetschen, Stuttgart 1962, Reclam UB 1578. Martin Luther, Vom ehelichen Leben und andere Schriften über die Ehe, Stuttgart 1978, Reclam UB 9896. Martin Luther, Tischreden, Stuttgart 1981, Reclam UB 1222. |
| Internet: | Martin Ebert, Ein feste Burg ist unser Gott, ausführliche Vita. |
Jugend und Alter
«Jugend ist wie ein Most. Der lässt sich nicht
halten. Er muss vergären und
überlaufen.»
«Wenn wir alt werden, so beginnen wir zu disputieren, wollen
klug sein und doch sind wir die
grössten Narren.»
«Wer im zwanzigsten Jahr nicht schön, im dreissigsten
nicht stark, im vierzigsten nicht klug,
im fünfzigsten nicht reich ist, der darf danach nicht hoffen.
»
Frauen
«Eine Frau ist der beste Gefährte.»
«Will die Frau nicht, so komm' die Magd!»
«Die grösste Ehre, die das Weib hat, ist allzumal, dass
die Männer durch sie geboren werden.»
«Ob sie sich aber auch müde und zuletzt todt tragen,
das schadet nichts, lass' sie nur todt
tragen, sie sind darumb da.»
Reden Predigen
«Tritt frisch auf, tu's Maul auf, hör bald auf.
»
«Ihr könnt predigen, über was ihr wollt, aber
predigt niemals über vierzig
Minuten.»
«Viel mit wenig Worten fein kurz anzeigen können, das
ist Kunst und grosse Tugend. Torheit
aber ist's, mit viel Reden nichts reden.»
Bildung, Wissenschaften Musik
«Wenn die Schulen zunehmen, dann steht's wohl im Land.
»
«Es gefällt mir kein Stand so gut, ich wollte auch
keinen lieber annehmen, als ein
Schulmeister zu sein.»
«Die Arznei macht kranke, die Mathematik traurige und die
Theologie sündhafte
Leute.»
«Musika ist eine halbe Disziplin und Zuchtmeisterin, so die
Leute gelinder und sanftmütiger,
sittsamer und vernünftiger macht.»
Über Kopernikus
«Der Narr will mir die ganze Kunst der Astronomia
umkehren!»
Religiöse und moralische Intoleranz allgemein
«Warum tötet man die Ehebrecher nicht?»
«Wenn sie sich nicht bekehren lassen, werden wir sie den
Folterknechten befehlen.»
«Der Papst ist der Teufel; könnte ich den Teufel
umbringen, warum wollte ichs nicht
tun?»
«Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen. Es ist ein
gerechtes Gesetz, dass sie getötet
werden.»
«Wenn ich Richter wäre, so wollte ich eine solche
französische giftige Hure rädern
und ädern lassen.»
«In solch einem Krieg ist es christlich zu würgen,
rauben, brennen und alles zu tun, was
schädlich ist. Es ist in Wahrheit auch ein Werk der Liebe.
Sprich ein Credo und das Vaterunser, und
zeuch dann vom Leder und schlage drein in Gottes Namen.»
Religiöse Intoleranz am Beispiel der Judenfrage
«Diese Taugenichtse und Ausplünderer sind keiner
Gnade und keines Mitleids wert.»
«Wenn ich könnte, so würde ich den Juden
niederstrecken und in meinem Zorn mit dem
Schwert durchbohren.»
«Wer beharrlich der Wahrheit des Evangeliums die Anerkennung
verweigert, der ist von bösem
Willen beseelt.»
«Ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes,
durchteufeltes Ding ist's um diese
Juden, so diese 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles
Unglück gewesen sind und noch sind.
Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen.»
«Sie bleiben gleichwohl im Herzen unsere täglichen
Mörder und blutdürstigen Feinde.
Solches beweisen ihr Beten und Fluchen und soviel Historien, da
sie Kinder gemartert und allerlei Laster
geübt, darüber sie oft verbrannt und verfolgt sind.
»