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Last Update: 29.08.05
 

 
 

Martin Luther (1483-1546)

Martin Luther wurde am 18. Januar 1483 in Eisleben geboren, wo er am 18. Februar 1546 auch starb. Mit der Publikation seiner 95 Thesen setzte er 1517 die Reformation in Gang. Neben seinen theologischen Werken, welche die Grundlage der "evangelischen Kirche" bilden, übersetzte Luther in jahrzentelanger Fleissarbeit beide Testamente der Bibel erstmals in die deutsche Sprache, deren allmähliche Systematierung er damit begünstigte. Mit zunehmendem Alter entwickelte sich Luther immer mehr zur Verkörperung religiöser Intoleranz.

Martin Luther Als zweiter Sohn eines Bergmanns wurde Luther 1483 in Eisleben geboren. Von 1501 bis 1505 studierte er an der Universität Erfurt, wo er mit dem Magister der freien Künste abschloss. Unter dem Eindruck eines schweren Gewitters gelobte Luther 1505, Mönch zu werden. Er legte bei den Erfurter Augustinern das Mönchsgelübde ab, empfing 1507 die Priesterweihe und nahm das Studium der Theologie auf. 1512 erhielt Luther eine Professur für Bibelauslegung am Konvent in Wittenberg. Seine exegetischen Arbeiten und sein starkes religiöses Empfinden kulminierten im Turmerlebnis, dass Luther zur Erkenntnis führte, dass der Mensch nicht aus eigener Kraft und durch seine Werke gerecht werde, sondern allein durch Gottes Gnade. Mit der Publikation der 95 Thesen gegen den Ablasshandel am 31. Oktober 1517 setzte Luther die Reformation in Gang. Nachdem die Kirche nicht auf seine Argumentation einging, sondern ihn als Ketzer mundtot machen wollte, radikalisierte sich Luthers Position: In den Leipziger Disputationen kritisierte er das Papsttum als rein menschliche Institution und verneinte das Dogma der Unfehlbarkeit. Angesichts der Verurteilung durch die Kurie rechtfertigte sich Luther 1520 in drei programmatischen Schriften und appellierte insbesondere an die weltlichen Obrigkeiten, die Kirchenreform in die eigene Hand zu nehmen. Am Wormser Reichstag erliess Kaiser Karl V. den Bann über Luther, doch dieser wurde von Friedrich, dem Kurfürsten von Sachsen, in Sicherheit gebracht. Auf der Wartburg begann Luther mit der deutschen Übersetzung des Neuen Testaments. 1521 kehrte er nach Wittenberg zurück. 1525 ergriff Luther im Bauernkrieg für die Fürsten Partei, worauf ihm radikalere Mitstreiter Verrat vorwarfen. Im Marburger Religionsgespräch kam es 1529 zum Bruch mit der reformierten Bewegung der Schweiz, weil Luther Zwinglis rein symbolisches Verständnis des Abendmahls verwarf. In der Confessio Augustana, dem ersten lutherischen Glaubensbekenntnis, wurde Luthers Lehre 1530 zu einem System ausgebaut und gegenüber anderen Lehren abgegrenzt. Nach der Übersetzung des Alten Testaments legte Luther 1534 die erste deutschsprachige Vollbibel vor. 1546 starb er in der Heimatstadt, wo er in einem Streit vermitteln wollte.

Luther lehrte, wenn der Mensch sein Ungenügen und sein Versagen erkenne, sich vor Gott als Sünder bekenne und ihn um Barmherzigkeit und Gnade anrufe, dann dürfe er sich der Gerechtigkeit Gottes gewiss sein. Diese "Rechtfertigung" brauchte die Kirche als Mittelsinstanz zwischen dem Gläubigen und Gott nicht mehr. Luther stellte die Bibel über die kirchliche Tradition. Die Grundzüge der lutherischen Theologie lassen sich auf die Formel bringen: «solus Christus», «sola fides», «sola gratia» und «sola scriptura». Für Luther steht der geistliche Stand Gott nicht näher als die gewöhnlichen Gläubigen. Wie sich beim Bauernkrieg gezeigt hatte, war Luther der Auffassung, dass jede Obrigkeit von Gott komme. Er entwickelte eine Zweireichelehre, die dem "weltlichen Regiment" des Fürsten das "geistliche Regiment" der Kirche gegenüberstellte. Generell stellte Luther die Theologie uneingeschränkt über die Vernunft; sein philosophisches Motto war denn auch das «Credo quia absurdum est» des Tertullians: Es war Luther egal, ob es Widersprüche in der christlichen Lehre gibt, denn er glaubte sie gerade deshalb, weil sie nicht verstanden werden kann. In der aufschlussreichen Debatte mit Erasmus von Rotterdam über den freien Willen beharrte Luther auf dem allumfassenden Wissen Gottes, das auch die Zukunft einschliesst. So folgte Luther seinem grossen Vorbild Augustinus und erklärte, dass der Mensch seit dem Sündenfall keinen freien Willen mehr habe. Die Verneinung der menschlichen Willensfreiheit ist eine äusserst radikale Position, die zu vielen Problemen führt. Wie kann man zum Beispiel jemanden verurteilen, wenn er keine andere Wahl hatte?

Luther wird heute immer noch sehr kontrovers beurteilt, was nicht überrascht angesichts der von ihm ausgelösten Umwälzungen. Manche würdigen Luthers grossen Mut, andere werfen ihm extreme Überheblichkeit vor. Luther hat einige sehr unappetitliche Zitate über Juden und Angehörige anderer Konfessionen und Religionen zum Besten gegeben. Unten auf dieser Seite finden sich eine Reihe von Beispielen.

Literatur:   Martin Luther, An den christlichen Adel deutscher Nation / Von der Freiheit eines Christenmenschen / Sendbrief vom Dolmetschen, Stuttgart 1962, Reclam UB 1578.
Martin Luther, Vom ehelichen Leben und andere Schriften über die Ehe, Stuttgart 1978, Reclam UB 9896.
Martin Luther, Tischreden, Stuttgart 1981, Reclam UB 1222.
Internet:   Martin Ebert, Ein feste Burg ist unser Gott, ausführliche Vita.

 

BERÜHMTE BERÜCHTIGTE ZITATE

Ethik
«Strafe hasst man, aber die Sünde liebt man.»
«Wer Gutes tun will, muss es verschwenderisch tun.»
«Die Lüge ist wie ein Schneeball: Je länger man sie fortwälzt, desto grösser wird sie.»
«Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt zugrunde geht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.»
«Von Arbeit stirbt kein Mensch, aber von Ledig- und Müssiggehen kommen die Leute um Leib und Leben; denn der Mensch ist zum Arbeiten geboren wie der Vogel zum Fliegen.»
«Gott will nicht, dass man nicht Geld und Gut haben und nehmen solle, oder, wenn man's hat, wegwerfen solle, wie etliche unter den Philosophen und tolle Heilige unter den Christen gelehrt und getan haben.»

Jugend und Alter
«Jugend ist wie ein Most. Der lässt sich nicht halten. Er muss vergären und überlaufen.»
«Wenn wir alt werden, so beginnen wir zu disputieren, wollen klug sein und doch sind wir die grössten Narren.»
«Wer im zwanzigsten Jahr nicht schön, im dreissigsten nicht stark, im vierzigsten nicht klug, im fünfzigsten nicht reich ist, der darf danach nicht hoffen. »

Frauen
«Eine Frau ist der beste Gefährte.»
«Will die Frau nicht, so komm' die Magd!»
«Die grösste Ehre, die das Weib hat, ist allzumal, dass die Männer durch sie geboren werden.»
«Ob sie sich aber auch müde und zuletzt todt tragen, das schadet nichts, lass' sie nur todt tragen, sie sind darumb da.»

Reden Predigen
«Tritt frisch auf, tu's Maul auf, hör bald auf. »
«Ihr könnt predigen, über was ihr wollt, aber predigt niemals über vierzig Minuten.»
«Viel mit wenig Worten fein kurz anzeigen können, das ist Kunst und grosse Tugend. Torheit aber ist's, mit viel Reden nichts reden.»

Bildung, Wissenschaften Musik
«Wenn die Schulen zunehmen, dann steht's wohl im Land. »
«Es gefällt mir kein Stand so gut, ich wollte auch keinen lieber annehmen, als ein Schulmeister zu sein.»
«Die Arznei macht kranke, die Mathematik traurige und die Theologie sündhafte Leute.»
«Musika ist eine halbe Disziplin und Zuchtmeisterin, so die Leute gelinder und sanftmütiger, sittsamer und vernünftiger macht.»

Über Kopernikus
«Der Narr will mir die ganze Kunst der Astronomia umkehren!»

Religiöse und moralische Intoleranz allgemein
«Warum tötet man die Ehebrecher nicht?»
«Wenn sie sich nicht bekehren lassen, werden wir sie den Folterknechten befehlen.»
«Der Papst ist der Teufel; könnte ich den Teufel umbringen, warum wollte ichs nicht tun?»
«Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen. Es ist ein gerechtes Gesetz, dass sie getötet werden.»
«Wenn ich Richter wäre, so wollte ich eine solche französische giftige Hure rädern und ädern lassen.»
«In solch einem Krieg ist es christlich zu würgen, rauben, brennen und alles zu tun, was schädlich ist. Es ist in Wahrheit auch ein Werk der Liebe. Sprich ein Credo und das Vaterunser, und zeuch dann vom Leder und schlage drein in Gottes Namen.»

Religiöse Intoleranz am Beispiel der Judenfrage
«Diese Taugenichtse und Ausplünderer sind keiner Gnade und keines Mitleids wert.»
«Wenn ich könnte, so würde ich den Juden niederstrecken und in meinem Zorn mit dem Schwert durchbohren.»
«Wer beharrlich der Wahrheit des Evangeliums die Anerkennung verweigert, der ist von bösem Willen beseelt.»
«Ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes, durchteufeltes Ding ist's um diese Juden, so diese 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen.»
«Sie bleiben gleichwohl im Herzen unsere täglichen Mörder und blutdürstigen Feinde. Solches beweisen ihr Beten und Fluchen und soviel Historien, da sie Kinder gemartert und allerlei Laster geübt, darüber sie oft verbrannt und verfolgt sind. »

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