John Stuart Mill ist der Sohn von James Mill, der Philosoph, Historiker und Volkswirtschaftler war. Durch
seinen Vater erhielt der junge Mill eine umfassende Ausbildung. Im Sommer 1820 hielt er sich im Hause des
Bruder von Bentham in Frankreich auf, wo er die
französische Sprache und Literatur studierte. 1823 begann er seine Arbeit für die britische
Ostindien-Kompanie, dem ein stetiger Aufstieg in dieser Institution folgte, bis er 1856 deren Leiter
wurde. Zwischen 1824-28 arbeitete Mill an diversen Zeitungen und Zeitschriften mit. 1826 erlitt Mill den
ersten Nervenzusammenbruch, von dem er sich aber schnell wieder erholte. Durch die Lektüre von
Werken von Wordsworth, Coleridge, Carlyle, Goethe, Saint-Simon und Comte
erfuhr sein Denken entscheidende Anregungen. Während der Julirevolution 1830 hielt Mill sich in
Paris auf, wo er seine spätere Frau Harriet Taylor (1807-58) kennen lernte. Nach 1831 schrieb Mill
einige Essays, u.a. über seine Zeit, Tocqueville und Bentham. Ab 1835 arbeitete er für die
Westminster Review, die er 1837 erwarb und mit der er bis 1840 versuchte, politischen Einfluss
auszuüben. Nach einer zweiten Erkrankung begann Mill 1841 einen Briefwechsel mit Comte, der bis 1846
dauerte. 1843 veröffentlichte er A System of Logic, 1844 seine Essays on some Unsettled
Questions of Political Economy und 1848 erschienen die zwei Bände der Principles of Political
Economy. In diesem zusammen mit Taylor verfassten nationalökonomischen Standardwerk analysierte
er u.a. die Frauenarbeit und die Ursachen des niedrigeren Lohns für Frauen. Zwei Jahre nach dem Tod
ihres Mannes konnte Mill 1851 seine Harriet endlich heiraten. 1854 erkrankte er erneut für acht
Monate. Nachdem sich die Indian House Company 1858 auflöste, erhielt Mill eine regelmässige
Jahresrente. Im gleichen Jahr starb seine Frau während einer Europareise in Avignon, wo Mill in der
Folge die Hälfte des Jahres lebte. 1859 schrieb Mill den berühmten Essay On Liberty und
schlug in einem anderen Text eine Reform des parlamentarischen Systems vor. 1865 gewann Mill als
Liberaler den Wahlbezirk Westminster, den er von 1865-68 im Unterhaus vertrat. Mill amtete ab 1867 als
Rektor der St. Andrews University. 1869 publizierte er seine Schrift Subjection of Women, in der
er die fortdauernde Versklavung der Frau in materieller und geistiger Hinsicht feststellte und
verurteilte. Nach seinem Tod wurden die Autobiography und die Three Essays on Religion
herausgegeben.
Mills Philosophie ist geprägt von seiner positivistischen Grundhaltung. In seinem System der deduktiven und induktiven Logik von 1843 stellte Mill seine Wissenschaftsmethodik vor, die für die Politik und Soziologie ebenso genaue Prognosen anstrebte, wie sie Newtons Theorie in der Physik leistete. Bekannt wurde Mill aber vor allem mit seinem unermüdlichen Einsatz für den Liberalismus, den er mit einer utilitaristischen Ethik verknüpfte. Seine Hauptwerke aus heutiger Sicht sind On Liberty (1859) und Utilitarianism (1863).
| Literatur: | John St. Mill, Über die Freiheit, Stuttgart 1974, Reclam UB 3491. John St. Mill, Der Utilitarismus, Stuttgart 1976, Reclam UB 9821. |
| Internet: | John St. Mill, Utilitarianism / On Liberty, englische Originaltexte und Kurzbiographie. |
Geschichte und Fortschritt
«Der Hauptzug der Geschichte besteht doch darin, die Mittelmäßigkeit zur
vorherrschenden Macht innerhalb der Menschheit zu erheben.»
«Es ist zu bezweifeln, ob alle bisherigen technischen Erfindungen die Tageslast auch nur eines
menschlichen Wesens erleichtert haben.»
Politik
«Ein Mensch mit Überzeugung ist stärker als 99 andere,
die bloss Interessen verfolgen.»
Glück
«It is better to be a human being dissatisfied than a pig satisfied;
better to be Socrates dissatisfied than a fool satisfied.»
«Es ist besser ein unzufriedener Mensch als ein zufriedenes Schwein zu sein; lieber ein
unzufriedener Sokrates
als ein zufriedener Dummkopf sein.»