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Last Update: 21.12.04
 

 
 

John Stuart Mill (1806-1873)

Der britische Philosoph und Nationalökonom John Stuart Mill wurde am 20. Mai 1806 in London geboren und starb am 8. Mai 1873 in Avignon. Mill leitete die ostindische Kompanie und war Mitglied des englischen Unterhauses. Er verteidigte die repräsentative Demokratie im Sinne des Liberalismus, betrieb ökonomische Studien als Teil einer umfassenden Sozialphilosophie und vertrat eine utilitaristische Ethik.

John Stuart Mill John Stuart Mill ist der Sohn von James Mill, der Philosoph, Historiker und Volkswirtschaftler war. Durch seinen Vater erhielt der junge Mill eine umfassende Ausbildung. Im Sommer 1820 hielt er sich im Hause des Bruder von Bentham in Frankreich auf, wo er die französische Sprache und Literatur studierte. 1823 begann er seine Arbeit für die britische Ostindien-Kompanie, dem ein stetiger Aufstieg in dieser Institution folgte, bis er 1856 deren Leiter wurde. Zwischen 1824-28 arbeitete Mill an diversen Zeitungen und Zeitschriften mit. 1826 erlitt Mill den ersten Nervenzusammenbruch, von dem er sich aber schnell wieder erholte. Durch die Lektüre von Werken von Wordsworth, Coleridge, Carlyle, Goethe, Saint-Simon und Comte erfuhr sein Denken entscheidende Anregungen. Während der Julirevolution 1830 hielt Mill sich in Paris auf, wo er seine spätere Frau Harriet Taylor (1807-58) kennen lernte. Nach 1831 schrieb Mill einige Essays, u.a. über seine Zeit, Tocqueville und Bentham. Ab 1835 arbeitete er für die Westminster Review, die er 1837 erwarb und mit der er bis 1840 versuchte, politischen Einfluss auszuüben. Nach einer zweiten Erkrankung begann Mill 1841 einen Briefwechsel mit Comte, der bis 1846 dauerte. 1843 veröffentlichte er A System of Logic, 1844 seine Essays on some Unsettled Questions of Political Economy und 1848 erschienen die zwei Bände der Principles of Political Economy. In diesem zusammen mit Taylor verfassten nationalökonomischen Standardwerk analysierte er u.a. die Frauenarbeit und die Ursachen des niedrigeren Lohns für Frauen. Zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes konnte Mill 1851 seine Harriet endlich heiraten. 1854 erkrankte er erneut für acht Monate. Nachdem sich die Indian House Company 1858 auflöste, erhielt Mill eine regelmässige Jahresrente. Im gleichen Jahr starb seine Frau während einer Europareise in Avignon, wo Mill in der Folge die Hälfte des Jahres lebte. 1859 schrieb Mill den berühmten Essay On Liberty und schlug in einem anderen Text eine Reform des parlamentarischen Systems vor. 1865 gewann Mill als Liberaler den Wahlbezirk Westminster, den er von 1865-68 im Unterhaus vertrat. Mill amtete ab 1867 als Rektor der St. Andrews University. 1869 publizierte er seine Schrift Subjection of Women, in der er die fortdauernde Versklavung der Frau in materieller und geistiger Hinsicht feststellte und verurteilte. Nach seinem Tod wurden die Autobiography und die Three Essays on Religion herausgegeben.

Mills Philosophie ist geprägt von seiner positivistischen Grundhaltung. In seinem System der deduktiven und induktiven Logik von 1843 stellte Mill seine Wissenschaftsmethodik vor, die für die Politik und Soziologie ebenso genaue Prognosen anstrebte, wie sie Newtons Theorie in der Physik leistete. Bekannt wurde Mill aber vor allem mit seinem unermüdlichen Einsatz für den Liberalismus, den er mit einer utilitaristischen Ethik verknüpfte. Seine Hauptwerke aus heutiger Sicht sind On Liberty (1859) und Utilitarianism (1863).

Literatur:   John St. Mill, Über die Freiheit, Stuttgart 1974, Reclam UB 3491.
John St. Mill, Der Utilitarismus, Stuttgart 1976, Reclam UB 9821.
Internet:   John St. Mill, Utilitarianism / On Liberty, englische Originaltexte und Kurzbiographie.

 

BERÜHMTE ZITATE

Freiheit
«Die einzige Freiheit, die diesen Namen verdient, ist das Recht, unser Glück auf unsere eigene Weise zu verfolgen, solange wir nicht anderen das ihrige verkümmern oder ihre darauf gerichteten Bemühungen durchkreuzen.»

Geschichte und Fortschritt
«Der Hauptzug der Geschichte besteht doch darin, die Mittelmäßigkeit zur vorherrschenden Macht innerhalb der Menschheit zu erheben.»
«Es ist zu bezweifeln, ob alle bisherigen technischen Erfindungen die Tageslast auch nur eines menschlichen Wesens erleichtert haben.»

Politik
«Ein Mensch mit Überzeugung ist stärker als 99 andere, die bloss Interessen verfolgen.»

Glück
«It is better to be a human being dissatisfied than a pig satisfied; better to be Socrates dissatisfied than a fool satisfied.»
«Es ist besser ein unzufriedener Mensch als ein zufriedenes Schwein zu sein; lieber ein unzufriedener Sokrates als ein zufriedener Dummkopf sein.»

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