Charles de Secondat, Baron de la Brède et de Montesquieu war ein Sohn aus adligem Haus in
der Nähe von Bordeaux. Nach einem Studium der Jurisprudenz und Philosophie in Juilly und Bordeaux
wurde er 1714 bereits im Alter von 25 Jahren Parlamentsrat in Bordeaux und von 1716 bis 1726 bekleidete
er das Präsidium dieses Rats, dessen Aufgabe aber - anders als der heutige Sprachgebrauch vermuten
lässt - nicht die Gesetzgebung, sondern die Rechtsprechung war. Nach der Veröffentlichung erster
Schriften wuchs Montesquieus Ruf stetig und bereits 1728 wurde er in die ehrwürdige Académie
française aufgenommen. Nach ausdehnten Reisen durch fast alle europäischen Länder 1728-31
pendelte Montesquieu sein restliches Leben zwischen La Brède, Bordeaux und Paris. Als Mitglied des
Amts- und Schwertadels konnte sich Montesquieu ein Leben in Musse leisten. Die Bibliothek in seinem Schloss
bestand zu seinem Todeszeitpunkt aus über 300 Bänden, mit denen er sich vermutlich mehr
beschäftigt hat als mit dem grossen Weingut und den 850 Schafen, die er auch noch besass.
1721 gab Montesquieu sein literarisches Debüt mit den sarkastischen Lettres persanes. Darin kritisiert Montesquieu anhand der fiktiven Korrespondenz zweier Perser, die Frankreich bereisen, die Politik seiner Zeit, die sozialen und religiösen Verhältnisse und den Literaturbetrieb. Durch den Abstand der Fremden wirken manche Urteile ziemlich merkwürdig. Damit waren die Persischen Briefe nicht nur ein frühes Werk der Aufklärung, sondern auch eines der ersten Beispiele des Kulturrelativismus. In seinem geschichtsphilosophischen Buch Considérations sur les causes de la grandeur des Romains et de leur décadence (1734) leitet Montesquieu die Grösse Roms aus dem Prinzip der Freiheit und der strikten Staatsräson ab, und deutet den Zerfall des Imperiums als Folge einer übergrossen Gebietsausdehnung und der Preisgabe der ursprünglichen Prinzipien. Sein Meisterstück De l'Esprit de lois (1748) ist eines der grössten Werke der Staatswissenschaft. Die darin behandelte Theorie der Gewaltentrennung prägte die Entwicklung der modernen Demokratie seit der Amerikanischen und Französischen Revolution. Montesquieu verfasste einige Artikel für Diderots Enzyklopädie und beschäftigte sich auch mit naturwissenschaftlichen Studien, jedoch ohne nachhaltigen Erfolg.
Bereits zu Lebzeiten war Montesquieu eine Institution. Sowohl konservative als auch progressive Kreise inner- und ausserhalb Frankreichs zeigten Respekt vor dem universalgebildeten Juristen, wenn sie auch nicht immer mit ihm einverstanden waren. Als Montesquieu im Winter 1755 an Grippe erkrankte, liess sich Papst Benedikt XIV. regelmässig unterrichten, ob Montesquieu endlich gebeichtet und Frieden mit der Kirche geschlossen habe. Seinem Intimfeind Voltaire wiederum ging Montesquieus Kritik am Ancien Régime nicht weit genug; er warf ihm vor, die adeligen Privilegien um jeden Preis verteidigen zu wollen. Während der Französischen Revolution wurde die letzte Ruhestätte Montesquieus zerstört. Wie revolutionär sein Lebenswerk wirklich war, wurde damals noch verkannt, obwohl bereits die "Virginia Bill of Rights" und die amerikanische Verfassung von 1787 klar den Einfluss Montesquieus erkennen liessen.
| Literatur: |
Charles de Montesquieu, Persische Briefe, Stuttgart 1991, Reclam UB 2051. Charles de Montesquieu, Vom Geist der Gesetze, Stuttgart 1994, Reclam UB 8953. |
| Internet: |
Charles de Montesquieu, Lettres persanes, frz. Originaltext plus Kommentar im Athena-Projekt. Charles de Montesquieu, De l'esprit des lois, frz. Originaltext (unter 2/Les Classiques). |
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Unter anderem entlarvt er einige französischen Traditionen, von denen viele der Zeit nicht mehr angemessen erscheinen und somit lächerlich und absurd geworden sind. Hart ins Gericht geht Montesquieu auch mit den Gebräuchen und Vorurteilen seiner Landsleute. Er zeigt, wie heuchlerisch manche die Allgemeinheit betrügen und welche skandalösen Missbräuche sich hinter den Kulissen abspielen. Ferner versuchen die beiden Perser auf sympatisch-naive Weise die Mechanismen zu erklären, durch welche die Bevölkerung oder der öffentliche Reichtum reguliert werden.
Im Brief "Comment peut-on être Persan?" schreibt einer der beiden Perser in einem Brief an einen zurückgebliebenen Freund, wie ignorant und zugleich neugierig die Pariser sind. Er beschreibt, dass er von jedem in Paris wie ein Wunder bestaunt wurde; die Leute hätten Kreise um ihn gebildet. Menschen, die noch nie aus ihrem kleinen Lebenskreis herausgekommen sind, schauten ihn an und meinten: «Ja, er sieht sehr persisch aus.» Als der Perser sich am nächsten Tag aber durch das Tragen europäischer Kleidung unerkannt unter die Leute mischte, bemerkte ihn keiner mehr. Als er dann jedoch sagte, er sei aus Persien, interessierten sich die Leute schlagartig wieder für ihn und stellten ihm tausend Fragen.
Die Persischen Briefe sind eine erste literarische Bearbeitung des Widerspruches zwischen der Empfindlichkeit und der Vernunft, der Tradition und dem Fortschritt. Da die Franzosen jener Zeit sehr interessiert an exotischen Dingen waren, konnte Montesquieu einen grossen Erfolg feiern.
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Mit dem italienischen Renaissance-Philosophen Machiavelli teilt Montesquieu zwar ein eher pessimistisches Weltbild, doch sehen trotzdem nicht wenige in Montesquieu den Antipoden Machiavellis. Ihm ging es nicht um das Wohl eines Herrschers, sondern um das aller Menschen. Der reinen Machtpolitik Machiavellis hielt Montesquieu seine Moralphilosophie entgegen. Montesquieu verstand Gesetze als einziges Mittel, die Menschen, wenn schon nicht zum Guten anzuhalten, so doch wenigstens vom Bösen abzuhalten. Obwohl Montesquieu an manchen Stelle eine gewisse Sympathie für Demokratien antiken Stils anklingen lässt, wünschte er sich realpolitisch nur eine schnelle Beseitigung der absoluten Monarchie, deren Herrschaftsstruktur er in einer noch heute unübertroffenen Weise ausgeleuchtet hat. Für Frankreich bevorzugte er eine konstitutionelle Monarchie, wie er sie in England kennengelernt hatte.
Ausgehend von der antiken Lehre der drei idealtypischen Staatsformen Demokratie, Monarchie und Despotie untersucht Montesquieu für jede dieser Formen ihre Abhängigkeit von gesellschaftlichen, geographischen und klimatischen Bedingungen. Damit bezog er wichtige kulturphilosophische Aspekte in seine Staats- und Rechtsphilosophie ein. Der Baron sah den Staat nicht nur als politisches System, sondern brachte ihn in Zusammenhang mit den gesellschaftlichen, rechtlichen, wirtschaftlichen und moralischen Eigentümlichkeiten einer Nation, die er sowohl in ihren organischen Beziehungen untereinander als auch in ihrer gemeinsamen Prägung durch die jeweilige Natur deutet. Obschon Montesquieu mit einer naturwissenschaftlichen Auffassung des Gesetzes und einer mechanischen Kausalität arbeitet, gilt er als einer der wichtigsten Begründer des historischen Denkens. Anstelle einer Staatsutopie und einer von der Vorsehung gelenkten Universalgeschichte setzte er die Anschauung der nationalen Individualitäten.
«Eine ewige Erfahrung lehrt, dass jeder Mensch, der Macht hat, dazu getrieben wird, sie zu missbrauchen. Er geht immer weiter, bis er an Grenzen stösst.» Diesem Streben nach Eigennutz könne nur durch eine Staatsmacht begegnet werden, doch da auch nur Menschen diese Macht ausüben können, braucht es institutionelle Absicherungen, oder in Montesquieus Worten: «Damit die Macht nicht missbraucht werden kann, ist es nötig, durch die Anordnung der Dinge zu bewirken, dass die Macht die Macht eindämmt.» Dieser Gedanke führte Montesquieu im zentralen elften Buch seines Hauptwerks zum bekanntesten Element seiner Staatslehre, nämlich dem Prinzip der Gewaltenteilung. Montesquieu forderte, dass die legislative, exekutive und richterliche Regierungsmacht auf getrennte Instanzen verteilt werde, um die Freiheit und Rechtssicherheit der Menschen zu garantieren. Gegen den Absolutismus wandte Montesquieu ein: «Alles wäre verloren, wenn ein und derselbe Mann beziehungsweise die gleiche Körperschaft drei Machtvollkommenheiten ausübte: Gesetze erlassen, öffentliche Beschlüsse in die Tat umsetzen, Verbrechen und private Streitfälle aburteilen.»
Das Konzept der Gewaltentrennung und der präventiven Beschränkung der Staatsmacht steht in diametralem Gegensatz zu Rousseaus «unteilbarer und absoluter Volkssouveränität» und hat sich gegenüber diesem Ansatz durchgesetzt. Heute sind in allen demokratisch verfassten Staaten die Gewalten getrennt, wenn auch Legislative und Exekutive im typisch europäischen Ministerpräsidentensystem oft sehr stark miteinander verbunden sind. Montesquieu sah ursprünglich ein komplexes System von Wechselwirkungen zwischen mehreren Adels- und Volkskammern vor, weshalb es falsch wäre zu behaupten, Montesquieus Konzept sei je 1:1 umgesetzt worden. Am ehesten entspricht noch die amerikanische Verfassung von 1787/88 mit ihrer charakteristischen Mixtur aus monarchischen (Präsident), aristokratischen (Bundesrichter) und demokratischen Elementen (Kongress) und der gegenseitigen Kontrolle durch das System der "Checks and balances" den Ideen Montesquieus.
Politik & Geschichte
«Freiheit ist jenes Gut, das alle anderen erst zu geniessen erlaubt.»
«Glücklich ist das Volk, dessen Geschichte sich langweilig liest.»
«Wer wünscht, dass man ihn fürchte, erreicht nur, dass man ihn hasst.»
«Die Freiheit ist ein Gut, das alle anderen Güter zu geniessen erlaubt.»
«Etwas ist nicht recht, weil es Gesetz ist, sondern es muss Gesetz sein,
weil es recht ist.»
«Wenn es nicht notwendig ist, ein Gesetz zu machen, dann ist es notwendig,
kein Gesetz zu machen.»
«Wenn du regieren willst, darfst du die Menschen nicht vor dir herjagen. Du musst sie dazu bringen,
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