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Last Update: 03.11.04
 

 
 

Plotin (um 205-270)

Plotin wurde 205 in Lykonpolis geboren und starb 270 in Minturnae (Kampanien). Der hauptsächlich in Rom lehrende griechische Philosoph entwickelte eine Erweiterung der Lehre Platons, welche die Welt in einem metaphysischen Stufenmodell darstellt. Er war einer der wichtigsten Vertreter des Neuplatonismus. Mehr Heilslehre als Wissenstheorie konnte sich sein Weltbild nicht gegen das sich ausbreitende Christentum durchsetzen, lieferte diesem aber einige Denkanstösse.

Plotinos machte sich nach einem Studium in der ägyptisch-hellenischen Wissensmetropole Alexandria nach Rom auf, wo er im Alter von 40 Jahren Philosophielehrer wurde. Sein Schüler Porphyrios von Tyros gab später seine 54 Vorträge heraus und ordnete sie zu neun Enneaden à je 6 Essays.

Plotins Lebenswerk ist eine eigenständige Erweiterung der Lehre Platons, in welche er aristotelische, stoische und gnostische Gedanken aufgenommen hat. Plotin zufolge lässt sich die Ordnung der Welt am besten als Stufenbau beschreiben, wobei das Eine, die Weltvernunft und die Seele die drei Hypostasen (Seinsstufen) der Wirklichkeit bilden. Alles Seiende geht dabei durch Emanation aus dem Einen hervor; das Eine steht als erste und höchste Hypostase über der Weltvernunft, die als Ort der Ideen (analog Platons Ideenhimmel) und zweite Hypostase angesehen wird. Zusammen mit der Weltseele als dritter Hypostase bilden das Eine und die Weltvernunft die vollkommene Wirklichkeit. Was darunter ist, bezeichnet Plotin als niedrig und schlecht; es entsteht dadurch, dass sich das vom Einen Ausstrahlende im Nichtseienden, der Materie, spiegelt: Die Körperwelt ist die vierte und die Materie die fünfte Hypostase. Dabei bedeutet Emanation keine Absonderung vom Einen; auch die unteren Hypostasen sind noch das Eine, nur auf einer anderen Ebene. Die Seele eines einzelnen Menschen, die gefangen in der Körperwelt weilt, steht nach Plotin vor der Entscheidung, dieser körperlichen Welt und damit dem Schlechten zu verfallen oder aber sich dem Einen zuzuwenden und damit aufzusteigen. Als höchste Form des Aufstiegs gilt dabei die Ekstase, in der die Einzelseele sich im Einen verliert (vgl. Mystik, aber auch indische Lehren der Einheit von Brahman und Atman). Plotin soll angeblich auch einen Idealstaat namens "Platonopolis" geplant haben.

Plotin hat die Metaphysik, Psychologie, Ästhetik, Religionsphilosophie und Theologie der Nachwelt über den von ihm mitbegründeten Neuplatonismus stark beeinflusst. Bei manchen Kirchenvätern, unter anderem bei Augustinus, sind Ansätze seiner Gedanken erkennbar. Plotins Lehre vom Einen beeinflusste die scholastische Ontologie des Mittelalters. Aber erst nachdem seine Schriften 1486 vollständig ins Lateinische übersetzt vorlagen, setzte besonders in Italien und England eine neue Auseinandersetzung mit den ursprünglichen Ideen Plotins ein.

Literatur:   Plotin, Ausgewählte Schriften (Griechisch/Deutsch), Stuttgart 2001, Reclam UB 18153.