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Last Update: 07.12.04
 

 
 

Helmut Qualtinger (1928-1986)

Helmut Qualtinger wurde am 8. Oktober 1928 in Wien geboren und starb am 29. September 1986 ebenda. Er machte sich als Schriftsteller, Kabarettist und Schauspieler einen Namen. Zusammen mit Carl Merz verfasste er eine Satire auf den typischen Durchschnittsösterreicher, die weltberühmt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Qualtinger zunächst als Film-, Theater- und Literaturkritiker. 1947 kam er zum Kabarett und prägte von da an massgeblich die Wiener Kabarettkultur der Nachkriegszeit. Mit dem Ein-Personen-Stück Der Herr Karl über einen unverbesserlichen Mitläufer, das er zusammen mit Carl Merz verfasste, wurde Qualtinger weltberühmt: So präsentierte er es in verschiedenen Städten Europas sowie in New York. Nach 1953 arbeitete Qualtinger auch als Theaterschauspieler u.a. in Dramen von Johann Nepomuk Nestroy und Ödön von Horváth. Darüber hinaus trat er in Film- und Fernsehproduktionen auf. Seine letzte Filmrolle war die des Pater Remigius in Der Name der Rose (1986, nach Umberto Eco).

 

DER HERR KARL - Kabarettnummer 1961

Im Magazin einer Gemischtwarenhandlung drängt der "Herr Karl" einem unsichtbar bleibenden jüngeren Arbeitskollegen ("Se san a junger Mensch") seine Erlebnisse auf. Seine Liebenswürdigkeit ist bösartig, kleinbürgerlich und selbstzufrieden, mit ordinärem Augenzwinkern berichtet er von Liebesabenteuern und von seinen politischen Ansichten. Er war einer der vielen Mitläufer Hitlers, die sich keiner Schuld bewusst sind.


Karls Charakter


Hauptstationen von Karl


Inhalt des Stückes

Der 1961 uraufgeführte Monolog ist eine brilliante Satire, die nicht ohne Bosheit, aber dennoch liebevoll den latenten Opportunismus des Kleinbürgers skizziert. Darüberhinaus bleibt er auch heute ein gültiger Spiegel der Zeitgeschichte, deren Phänomene sich offenbar in nur unerheblichen Variationen auch in jüngerer Vergangenheit bis heute wiederholen. "Der Herr Karl" ist Angestellter in einem Feinkostgeschäft und verbreitet einem imaginären Gesprächspartner gegenüber seine unreflektierten Gedanken über "Gott und die Welt". Der Text ist gratwanderisch zwischen Kabarett und Theater angesiedelt; es entsteht das kraftvolle Bild eines "kleinen Mannes", den der bekannte österreichische Regisseur und Publizist Hans Weigel schlicht als "menschlichen Zustand österreichischer Färbung" beschreibt. Weiterhin urteilt er: "Man wird über den Herrn Karl lachen und weinen, man wird ihn verdammen und bemitleiden, man wird ihn zitieren, man wird ihm - als höchste Bestätigung seiner Gültigkeit - auf Schritt und Tritt begegnen. Sein scheinbar zufälliges Gerede enthält in konzentrierter Form die Substanz eines Zeitromans oder eines Zeitstücks, ist zugleich Zeugnis einer Epoche, Enthüllung einer Haltung und Ergebnis souveräner literarischer Gestaltung, mit einem Wort: ein Stück Welt." (Hans Weigel)


Presse-Stimmen

"Der böse Mensch aus Wien. Wolfgang Wirtz brilliert als Herr Karl..., ... immer kurz vorm Abgrund. Ein Mitläufer schält sich aus dem patenten Kumpel, ein Wolf im Schafspelz, das Paradebeispiel des miesen klein-bürgerlichen Faschisten, der als der unauffällige Herr Jedermann von nebenan wohl zu den gefährlichsten Erscheinungen gehört. Wolfgang Wirtz hat ... dessen üble Konturen mit viel leise-bösem Witz blossgelegt." (Kölner Stadtanzeiger, 9.7.1996)

"Der Herr Karl" von Carl Merz und Helmut Qualtinger ist ein Wiener Schmankerl wie man es sich vorstellt: Hinter Charme und Schmäh tun sich Abgründe auf, tritt die grosse politische Dummheit des kleinen Mannes mit Macht zu Tage. Herr Karl ist 60, Lieferant irgendeines Feinkostladens und blickt auf ein bewegtes Leben zurück: Drei Frauen har er verschlissen und so ziemlich jeden Job gemacht, Kassierer im Sparverein, Bestattungsunternehmer, Wirt, Billeteur im Kino, Ballonverkäufer, Parkwächter, Blockwart und vieles mehr. Blockwart - nun ja, eigentlich ist der Herr Karl ja kein politischer Mensch, sondern Sozialist ist er gewesen, ursprünglich, aber wies dann im Vieradreissiger Jahr so eine harte Zeit war... und immerhin, der Hitler, das war ein ganz Grosser... Und so outet sich denn der hemdsärmelige Herr Jedermann mit dem treuen Dackelblick mehr und mehr als fieser, berechnender Opportunist. Wolfgang Wirtz verleiht diesem "menschlichen Zustand österreichischer Färbung" Gestalt und ist jede Sekunde des ca. 45-minütigen Monologs schlicht Der Herr Karl. (Kölner Illustrierte, 8/96)
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