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Last Update: 21.12.04
 

 
 

Claude-Henri de Saint-Simon (1760-1825)

Der französische Sozialtheoretiker Claude Henri de Rouvroy, Graf von Saint-Simon, wurde am 17. Oktober 1760 in Paris geboren, wo er am 19. Mai 1825 auch starb. Saint-Simon begründete die einflussreiche wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Denkschule des "Saint-Simonismus", die ähnliche Anliegen vertrat wie später Marx und Engels.

Claude-Henri de 
Saint-Simon Saint-Simon, der aus einer adeligen Familie stammte, wurde zunächst Offizier und kämpfte im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1776-83) gegen England. Saint-Simon begrüsste die Französische Revolution 1789, entkam aber 1794 der Guillotine nur knapp. Infolge der Enteignung der adligen Güter verarmt, gründete Saint-Simon nach der Machtergreifung des Direktoriums eine Spedition, die ihm einigen Wohlstand brachte. Leider war er aber kein sehr guter Geschäftsmann und liess sich von einem Geschäftspartner ruinieren. Zur Zeit des Empires von Napoleon lebte er dann als freischaffender Intellektueller stets am Rande der Armut. In dieser Zeit schrieb er seine ersten gesellschafts- und staatstheoretischen Schriften, die er zunächst nicht veröffentlichte. Erst in der Restaurationszeit nach 1815 wurde er allmählich bekannt.

Saint-Simon gilt als Begründer des französischen Sozialismus. Er setzte auf die natürliche Entwicklung und war überzeugt, dass der Fortschritt der Wissenschaften zu einer technokratischen Gesellschaftsordnung führen werde, in der die Unternehmer und Wissenschaftler an die Stelle der Aristokratie und des Klerus treten würden. Von einer solchen neuen Gesellschaft erwartete er die Vermehrung und gerechtere Verteilung des Volkseinkommens. Hingegen wollte er an Eigentum und Wettbewerb festhalten, lediglich die Ausbeutung fremder Arbeit solle abgeschafft werden. In seinen Hauptwerken, die zwischen 1820 und 1824 erschienen, vertrat er die Ansicht, dass nur die «industriels», worunter er die produzierenden Individuen verstand, nützliche Mitglieder der Gesellschaft seien und der erwirtschaftete Profit nach dem Leistungsprinzip verteilt werden müsse. So formulierte der adlige Saint-Simon die bürgerliche Kritik am parasitären Adel und wurde so zum Wegbereiter der ersten französischen Sozialistenschule, dem Saint-Simonismus, der über seinen Namensgeber hinausgehend die Vergesellschaftung der Produktionsmittel und ein Staat als «Assoziation der Werktätigen» forderte. Saint-Simon gilt zugleich als einer der Väter der katholischen Soziallehre, als Frühsozialist und Mitbegründer der Soziologie, die sein Schüler und zeitweiliger Sekretär Comte weiterentwickelte.

Literatur:   Pierre Musso, Saint Simon et le Saint-Simonisme, Paris 1999, Poche.
Charles-Olivier Carbonell, L'Europe de Saint-Simon, Paris 2001, Privat.

 

BERÜHMTE ZITATE

Politik
«Kriege, was auch immer ihr Ziel sein mag, schaden der ganzen Menschheit, sie schaden auch den Völkern die Sieger bleiben.»
«Da die Produzenten nützlicher Dinge die einzigen der Gesellschaft nützlichen Menschen sind, sind sie die einzigen, die zusammenwirken sollten, um ihren Lauf zu regeln.»

Geschichtsphilosophie
«Die Geschichte beweist, dass wissenschaftlichen Revolutionen politische Revolutionen immer unmittelbar gefolgt sind.»

Andere Aussprüche
«Ein Projekt darf nie kürzer und günstiger als geplant sein.»
«Man kann nur wahrhaft glücklich sein, wenn man sein Glück im Glück der anderen sucht.»

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