Saint-Simon, der aus einer adeligen Familie stammte, wurde zunächst Offizier und kämpfte im
amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1776-83) gegen England. Saint-Simon begrüsste die
Französische Revolution 1789, entkam aber 1794 der Guillotine nur knapp. Infolge der Enteignung der
adligen Güter verarmt, gründete Saint-Simon nach der Machtergreifung des Direktoriums eine
Spedition, die ihm einigen Wohlstand brachte. Leider war er aber kein sehr guter Geschäftsmann und
liess sich von einem Geschäftspartner ruinieren. Zur Zeit des Empires von Napoleon lebte er dann als
freischaffender Intellektueller stets am Rande der Armut. In dieser Zeit schrieb er seine ersten
gesellschafts- und staatstheoretischen Schriften, die er zunächst nicht veröffentlichte. Erst
in der Restaurationszeit nach 1815 wurde er allmählich bekannt.
Saint-Simon gilt als Begründer des französischen Sozialismus. Er setzte auf die natürliche Entwicklung und war überzeugt, dass der Fortschritt der Wissenschaften zu einer technokratischen Gesellschaftsordnung führen werde, in der die Unternehmer und Wissenschaftler an die Stelle der Aristokratie und des Klerus treten würden. Von einer solchen neuen Gesellschaft erwartete er die Vermehrung und gerechtere Verteilung des Volkseinkommens. Hingegen wollte er an Eigentum und Wettbewerb festhalten, lediglich die Ausbeutung fremder Arbeit solle abgeschafft werden. In seinen Hauptwerken, die zwischen 1820 und 1824 erschienen, vertrat er die Ansicht, dass nur die «industriels», worunter er die produzierenden Individuen verstand, nützliche Mitglieder der Gesellschaft seien und der erwirtschaftete Profit nach dem Leistungsprinzip verteilt werden müsse. So formulierte der adlige Saint-Simon die bürgerliche Kritik am parasitären Adel und wurde so zum Wegbereiter der ersten französischen Sozialistenschule, dem Saint-Simonismus, der über seinen Namensgeber hinausgehend die Vergesellschaftung der Produktionsmittel und ein Staat als «Assoziation der Werktätigen» forderte. Saint-Simon gilt zugleich als einer der Väter der katholischen Soziallehre, als Frühsozialist und Mitbegründer der Soziologie, die sein Schüler und zeitweiliger Sekretär Comte weiterentwickelte.
| Literatur: | Pierre Musso, Saint Simon et le Saint-Simonisme, Paris 1999, Poche. Charles-Olivier Carbonell, L'Europe de Saint-Simon, Paris 2001, Privat. |
Geschichtsphilosophie
«Die Geschichte beweist, dass wissenschaftlichen Revolutionen politische Revolutionen immer
unmittelbar gefolgt sind.»
Andere Aussprüche
«Ein Projekt darf nie kürzer und günstiger als geplant sein.»
«Man kann nur wahrhaft glücklich sein, wenn man sein Glück im Glück der anderen
sucht.»