Friedrich Daniel Ernst stammte aus einem pietistischen Elternhaus. Er studierte 1787-89 in Halle
Theologie, Philosophie und Philologie. Danach war er als Hauslehrer und Hilfsprediger tätig, bis er
1796 als Prediger in der Berliner Charité eingestellt wurde. In Berlin lernte Schleiermacher den
Kreis der Romantiker um Schlegel kennen und verfasste 1799 sein religionsphilosophisches Frühwerk
Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern. 1802 wurde er
Hofprediger in Stolp und 1804 ausserordentlicher Professor und Universitätsprediger in Halle. Als
diese Hochschule geschlossen wurde, zog Schleiermacher 1807 nach Berlin, wo er Humboldt bei der
Universitätsgründung half. 1809 nahm er eine Predigerstelle an und heiratete Henriette von
Willich. 1810 wurde er Professor an dieser neuen Universiät und 1811 in die Preussische Akademie der
Wissenschaften aufgenommen. Mit der Zeit wuchs Schleiermachers Bekanntheit immer stärker,
andererseits wurden aber auch seine Gegner zahlreicher, doch sie konnten ihm nicht wirklich schaden. 1834
starb Schleiermacher an einer Lungenentzündung
Schon zu Lebenszeiten genoss Schleiermacher eine breite Anerkennung. Er galt als hervorragender Prediger, Predigtsammler, Übersetzer von Platons Büchern und befasste sich mit ethischen, ästhetischen und pädagogischen Fragen. Beeinflusst durch Herder und Kant baute Schleiermacher die Hermeneutik zu einer «Kunstlehre des Verstehens» aus. Schleiermachers philosophisches Hauptwerk erschien erst 1839 unter dem Titel Dialektik und zählt zum transzendentalen Idealismus. Ähnlich wie Fichte ging es auch Schleiermacher um das Programm einer «höchsten Wissenschaft», die zur Begründung allen Wissens und aller Wissenschaften dienen soll. Im Unterschied zur Dialektik Hegels entwickelte Schleiermacher eine Art Anleitung zum Philosophieren, nämlich ein methodisch geregeltes Kunstverfahren zur Konstruktion gesicherten Wissens durch Überwindung gegensätzlicher Gedanken. In seinem theologischen Werk ging es Schleiermacher um die Vermittlung von protestantischer Theologie mit den Werten der Aufklärung. Bereits in der Frühschrift Über die Religion bestimmte er Religion als «Anschauung und Gefühl».
Schleiermacher gab theologisch und wissenschaftsgeschichtlich viele Impulse. Die Hermeneutik wurde von Dilthey als methodologische Grundlage aller Geisteswissenschaften verstanden und ausgebaut. Im 20. Jahrhundert lehrten Heidegger und Gadamer, dass Verstehen nicht bloss eine Methode, sondern eine wesentliche Komponente der menschlichen Existenz sei.
| Literatur: | Friedrich D.E. Schleiermacher, Hermeneutik und Kritik,
Frankfurt am Main 1999, Suhrkamp. Friedrich D.E. Schleiermacher, Über die Religion, Stuttgart .., Reclam UB 8313. |
| Internet: | Wikipedia, Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, guter Artikel in der freien Enzyklopädie. |
Liebe
«Lieben, das heisst Seele werden wollen in einem anderen.»
«Lass dir keine Grenzen setzen in deiner Liebe, nicht Mass, nicht Art, nicht Dauer.»
Kinder
«Man darf um keinen Preis die Gegenwart der Kinder irgendeiner Zukunft opfern.»
«Je mehr wir unsere Kinder lieben, desto weniger kann es uns genügen, dass sie nur in unsere
Fussstapfen treten.»
Andere Aussprüche
«Geduld ist die Kunst zu hoffen.»
«Wahre Wissenschaft ist vollendete Anschauung.»