Der Sohn eines westfälischen Kaufmanns studierte Staats- und Rechtswissenschaften in Berlin,
München und Strassburg. Dort erreichte er die Promotion und 1921 seine Habilitation, die es ihm ermöglichte, noch im selben Jahr eine Professur in Greifswald anzunehmen. 1922 wechselte er an die Univerisät Bonn. Ab 1926 unterrichte er dann an der Handelshochschule von Berlin und ab 1933 an der Universität Berlin. Obwohl er die nationalsozialistische Bewegung lange verachtet hatte, trat er nach der Machtübernahme Hitlers der NSDAP bei, der er am ehesten zutraute, den von ihm gewünschten starken Staat zu verwirklichen. Er rechtfertigte die Mordaktionen im Zusammenhang mit dem Röhm-Putsch als «höchste Form administrativer Justiz» und forderte, das deutsche Recht müsse vom "jüdischem Geist gesäubert" werden. Den Nationalsozialisten fiel dann aber allmählich auf, dass Schmitt bei seiner katholischen Grundeinstellung blieb. Nachdem das SS-Kampfblatt Das schwarze Korps ihm vorgeworfen hatte, nur äusserlich antisemitisch zu sein, kam es zur Entfremdung zwischen ihm und der Partei. Er verlor seine zahlreichen politischen und hochschulpolitischen Funktionen, blieb aber bis 1945 Professor. Nach dem Krieg verlor Schmitt nicht nur seine Stelle, sondern verbrachte auch mehrere Jahre in Lagerhaft. 1950 stand er wissenschaftlich und politisch isoliert da. Zurück in seinem Heimatort widmete er sich nun völkerrechtlichen Studien und schrieb an seinen Memoiren.
In der 1921 veröffentlichten Schrift Die Diktatur untersuchte Schmitt die staatsrechtlichen Grundlagen der Weimarer Republik. 1922 erschien die erste Auflage von Politische Theologie, in der Schmitt seine autoritäre Staatstheorie ausgebaut. Ausgehend von seiner katholischen Grundhaltung negierte er darin die menschliche Willensfreiheit. In der Zeitanalyse Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus von 1923 kritisert Schmitt die parlamentarischen Republiken und lobt und rechtfertigt die Herausbildung totalitärer Herrschaftsstrukturen, besonders im faschistischen Italien. 1927 folgte Der Begriff des Politischen, die das Freund-Feind-Schema zur Grundlage aller Politik erklärt. Sie brachte ihm den Vorwurf ein, den nationalsozialistischen Führerstaat rechtsphilosophisch vorweggenommen und legitimiert zu haben.
Bis heute ist seine Person und seine Rolle beim Untergang der Weimarer Republik umstritten. Seine Schriften übten jedenfalls grossen Einfluss aus. Nach dem Krieg wurde Schmitt eine Weile völlig tabuisiert, doch inzwischen hat die wissenschaftliche Aufarbeitung seines Wirkens voll eingesetzt.
| Literatur: | Carl Schmitt, Der Begriff des Politischen, Berlin 1996, Duncker & Humblot. Carl Schmitt, Politische Theologie. Vier Kapitel zur Lehre von der Souveränität, Berlin 1996, Duncker & Humblot. |
| Internet: | Martin Blumentritt, Schmitt als Vordenker der neuen Rechten, Kritik aus antifaschistischer Sicht. |
Zitate aus Politische Theologie
«Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet.»
«Alle prägnanten Begriffe der modernen Staatslehre sind säkularisierte theologische
Begriffe.»
Andere Aussprüche
«Ein Freund ist jemand, mit dem man reden muss.»
«Der Feind ist die eigene Frage in Gestalt.»