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Last Update: 07.12.04
 

 
 

Arthur Schnitzler (1862-1931)

Arthur Schnitzler wurde am 15. Mai 1862 in Wien geboren und starb am 21. Oktober 1931 ebenda. 1894 gab er seine Arzttätigkeit auf und widmete sich ganz dem Schreiben. Wegen seiner subtilen Darstellungen des Wiener Fin de siècle gilt Schnitzler als literarisches Pendant zu Sigmund Freud; sein erzählerisches Werk betonte den inneren Monolog.

Arthur Schnitzler Arthur Schnitzler praktizierte bis 1894 als Arzt und Psychologe. Er war allerdings schon zuvor schriftstellerisch tätig und beschäftigte sich mit grossem Interesse mit der Psychoanalyse Sigmund Freuds. Um die Jahrhundertwende gehörte Schnitzler zu den führenden Vertretern des Jungen Wien. Zumeist im Umfeld des Wiener Fin de siècle angesiedelt, beleuchten Schnitzlers Texte das innere Leben ihrer Figuren, es geht um Liebe und Tod. Zu den herausragenden Werken Schnitzlers gehört die Groteske Der grüne Kakadu (1899), die sich mit den Gegensätzen Sein-Schein, Wahrheit-Lüge, Spiel-Wirklichkeit und Spass-Ernst befasst. In der Novelle Leutnant Gustl experimentierte Schnitzler konsequent mit dem literarischen Verfahren des "Stream of consciousness", um seelische Befindlichkeiten geradezu stenographisch nachzuzeichnen. Wegen der Veröffentlichung dieser Novelle entzog man Schnitzler das Offizierspatent. Offen sozialkritisch ist Schnitzlers Roman Der Weg ins Freie (1908), der auch den Wiener Antisemitismus der Zeit angreift, ebenso wie die Kommödie Professor Bernhardi (1912), die von der österreichischen Zensurbehörde "wegen der tendentiösen und entstellenden Schilderung hierzuländischer öffentlicher Verhältnisse" verboten wurde. Schnitzler schrieb noch viele Werke, u.a. die Traumnovelle (1926), die 1998 vom berühmten Regisseur Stanley Kubrick unter dem Titel Eyes Wide Shut mit Tom Cruise und Nicole Kidman in den Hauptrollen verfilmt wurde.

 

DER GRÜNE KAKADU - 1899

In dieser Groteske in einem Akt spielt Schnitzler mit den Möglichkeiten eines anti- illusionistischen Theaters. Die Handlung spielt am Abend des 14. Juli 1789 in Paris. Prospère, ein ehemaliger Theaterdirektor, dem jetzt die Kneipe "Der grüne Kakadu" gehört, lässt seinen adeligen Gästen von seinen früheren Schauspielern gruselige Verbrechen darstellen, während draussen der Umsturz beginnt.

Das Publikum liebt den eingebildeten Kitzel, unter dem gefährlichsten Gesindel von Paris zu sitzen. Prospère und seine Schauspieler geniessen es ebenfalls, den Adeligen und Vornehmen ihre Meinung ins Gesicht sagen zu können und sie nach Herzenslust zu beschimpfen, während diese es für einen Scherz halten. Prospère ist sich sicher, dass einmal der Tag kommt, wo aus dem Spass Ernst wird. Da in Frankreich Unruhe herrscht und schon einige Bürgermeister ermordet wurden, erscheint ein zivil gekleideter Kommissär, dem zu Ohren kam, dass in Prospères Spelunke sonderbare und bedenkliche Komödien gespielt würden, was der Behörde in einer so erregten Epoche durchaus nicht gleichgültig sein könne. Der Wirt ist entsetzt, als er hört, dass sich Henri mit Leocadie, einer Revuetänzerin von zweifelhaftem Ruf, aufs Land zurückziehen will, denn Henri ist sein bester Schauspieler. Prospère kann ihn nicht umstimmen, aber immerhin ist er einverstanden, sich für seine letzte Vorstellung im "Grünen Kakadu" etwas ganz schauriges auszudenken. Nach und nach kommen auch die anderen Schauspieler und unterhalten das Publikum, unter dem sich auch der junge Albin Chevalier befindet, der anlässlich einer Hochzeit zum ersten Mal in Paris weilt. Albin wird von seinem Freund Francois Vicomte aufgeklärt, dass es sich bei den vorgetäuschten Verbrechen nur um Spass handelt, doch Albin findet die Zustände trotzdem ziemlich merkwürdig, denn es fällt ihm schwer, zwischen Spass und Ernst, Lügen und Wahrheit zu unterscheiden. Maurice und Etienne, deren Spezialität die Darstellung von Taschendieben ist, werden von den Gästen ebensowenig ernst genommen wie Georgette, die eine Strassendirne darstellt, aber in Wirklichkeit die treuste Frau von Paris ist. Prospère selbst vergnügt sich daran, die reichen und vornehmen Gäste mit von ihm ernst gemeinten Schimpfwörtern zu begrüssen, was die Adeligen aber als Spass ansehen. Der Herzog von Cadignan, der Henri bewundert, weil er glaubt, dass ihn keiner so gut versteht, ist an diesem Abend nicht anwesend. Henri behauptet, den Liebhaber seiner Frau ermordet zu haben, es habe sich um den Herzog gehandelt. Der Wirt, der weiss, dass Leocadie wirklich die Geliebte von Cadignan war, glaubt deshalb, dass Henri den Herzog wirklich ermordet hat. Alle anderen sind von der genauen Beschreibung von Henris Mord begeistert. Prospère beschwichtigt indessen Henri zu fliehen um der Strafe zu entgehen, als von der Strasse die Leute ins Wirtshaus stürmen und die Erstürmung der Bastille verkünden. Henri erklärt dem Wirt inzwischen, dass der Mord ja nur vorgetäuscht war und ist fassungslos, als er hört, dass Leocadie wirklich ein Verhältnis mit dem Herzog hatte. Als der Herzog von Cadignan in den "Grünen Kakadu" tritt, wird er von Henri erstochen. Der angebliche Mord ist wirklich geworden.

 

LEUTNANT GUSTL - 1900

In dieser Novelle experimentierte Schnitzler konsequent mit dem Verfahren des «Stream of consciousness», um seelische Befindlichkeiten fast stenographisch nachzuzeichnen. Das Thema ist die psychische Situation eines beleidigten Offiziers, der laut Ehrenkodex Selbstmord begehen muss.


Charakterliche Eigenschaften des Leutnants


Widersprüchliches des Leutnants


Gesellschaftliche Situation und Position eines Offiziers


Sprachliche Besonderheiten


Interpretation

 

TRAUMNOVELLE - 1926

Die Traumnovelle ist ein Resultat der langjährigen Beschäftigung Schnitzlers mit Freuds Psychoanalyse. Schnitzler glaubte an die Existenz des Unterbewussten und damit eröffnete er zu seiner Zeit den Weg zu völlig unbekannten, neuen Erkenntnissen. Vor allem die Rollenbeziehungen zwischen Menschen, insbesonders zwischen Mann und Frau werden in diesem Sinne behandelt.

Im Mittelpunkt der "Traumnovelle" steht die Ehe von Fridolin und Albertine, die zugleich die Hauptpersonen sind. Die beiden leben zusammen mit ihrer kleinen Tochter in Wien. Schon zu Beginn des Buches gestehen sie sich gegenseitig, dass sie sich schon mehrere Male zu anderen Personen hingezogen gefühlt hatten. An diesem Abend wird der Arzt Fridolin wegen eines medizinischen Notfalls gerufen und verlässt die eheliche Wohnung. Dies bedeutet für ihn den Anfang einer voller Überraschungen steckenden nächtlichen Tour. Zuerst muss er den Tod eines Patienten feststellen, daraufhin gesteht ihm die Tochter des Verstorbenen ihre Liebe zu ihm. Fridolin muss sie enttäuschen, weil er ihre Gefühle nicht erwidern kann. Da Fridolin noch nicht nach Hause gehen möchte, entschliesst er sich zu einem Spaziergang, wobei er in den Armen einer jungen Prostituierten landet, von der er nichts will. Schliesslich trifft er in einer Kneipe einen alten polnischen Freund wieder, der ihm von geheimen Veranstaltungen erzählt, für die er immer wieder engagiert würde. Fridolin interessiert sich sofort für diese Treffen. Obwohl dem Pianisten dort die Augen verbunden werden, weiss er zu berichten, dass die Teilnehmer der Veranstaltungen maskiert und die Frauen auch noch nackt sind. Fridolin möchte seinen Freund zu diesen Treffen begleiten und leiht sich ein Kostüm. Widerwillig verrät der Bekannte ihm die Parole, die benötigt wird, um eingelassen zu werden. In der Geheimversammlung trifft Fridolin eine verschleierte Frau, die ihn sehr beeindruckt. Sie warnt ihn, falls er bleibe, würde ihm Furchtbares widerfahren. Trotz der Warnung beschliesst zu bleiben; wird dann aber tatsächlich als Eindringling entlarvt, doch noch bevor die geheime Gesellschaft ihn dafür bestraft, erklärt sich die fremde Frau bereit, sich an seiner Stelle bestrafen zu lassen. Er muss das Haus verlassen und kehrt tief in der Nacht nach Hause zurück. Dort weckt er seine Gattin Albertine aus einem Traum auf. Albertine wirkt verstört aufgrund des Traumes, erzählt ihn aber auf Wunsch ihrem Mann. In diesen ist sie ihrem Mann untreu geworden, der, obwohl er sich des Seitensprungs seiner Frau bewusst war, sich aus Liebe und aus Treue zu ihr hat foltern und töten lassen. Sie empfand weder Mitleid noch Scham für ihn, sie verspottete und verhöhnte ihn nur. Am folgenden Tag sucht Fridolin erneut alle Personen, die er in der Nacht getroffen hatte, auf und versucht das Rätsel der geheimen Gesellschaft zu lösen, was ihm natürlich nicht gelingt. Später liest er in einem Café eine Zeitung, in der die Todesnachricht einer jungen Baronin steht. Verfolgt von dem Verdacht, dass diese Frau seine Retterin der vergangenen Nacht sein könnte, stellt er Nachforschungen an. Durch seine Beziehungen als Arzt, hat er die Möglichkeit den Leichnam der jungen Frau zu sehen, doch als sie dann vor ihm liegt, ist er sich nicht sicher, ob sie die Angebetete der vorigen Nacht ist. Nachdenklich kehrt er nach Hause zurück, wo er sich entschliesst, seiner Ehefrau Albertine von den Ereignissen der vorigen Nacht zu erzählen. Durch diese Aussprache hat sich die Entfremdung der beiden zueinander gelöst, und sie sind bereit einen Neuanfang zu wagen.


Interpretation

Die zentrale Konflikt ist die gedankliche Untreue von Albertine und Fridolin. Im Laufe der Handlung wird der Eindruck erweckt, dass die Beziehung aufgrund unbefriedigter Triebe zu scheitern droht, aber sie nimmt dann doch noch ein zwar etwas kurioses aber glückliches Ende. Da beide auf ihre ganz persönliche Art und Weise ihre unterbewussten Triebe ausleben.
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