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Kurt Schwitters (1887-1948)

Kurt Schwitters wurde am 20. Juni 1877 in Hannover geboren und starb am 8. Januar 1948 in Ambleside (Westmoreland). Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte er ausgehend von dadaistischen Ideen seinen eigenen Kunst- und Literaturstil, den er "Merz" nannte. Als sein berühmtestes Werk wird das Lautgedicht Anna Blume in Erinnerung bleiben.

Kurt Schwitters Nach einem Studium an der Dresdener Akademie übersiedelte Schwitters nach Berlin, wo er sich den Expressionisten um Herwarth Walden anschloss. Nach Kontakten mit Raoul Hausmann und Hans Arp zurück in Hannover, gründete er dort einen Ableger der Berliner bzw. Zürcher Dada-Bewegung. Zum Programmtitel seiner Kunst, die Dichtungen, Gemälde und Architekturentwürfe umfasste, machte er 1919 das Wörtchen Merz. Es entstand infolge einer Collage aus der Verstümmelung des Wortes Commerz. Schwitters Merz- Bilder kombinierten in Form der Collage oder Assemblage Fundstücke wie Zeitungsausschnitte, Busfahrscheine, Bindfäden, Nägel, Haare oder Holzstücke zu neuen Arrangements. Zwischen 1923 und 1932 gab Schwitters die dadaistische Zeitschrift Merz heraus. In den zwanziger und dreissiger Jahren entstand auch der zweistöckige Merzbau, der sein Haus in Hannover in eine Raumcollage bzw. bewohnbare Plastik verwandelte. 1937 emigrierte Schwitters nach Lysaker bei Oslo (zweiter Merzbau), 1940 dann nach Langdale am englischen Lake District (dritter Merzbau). Zu Schwitters literarischen Werken, die ihn als einen Vorläufer der konkreten Poesie ausweisen, gehören seine Lautgedichte (v.a. Anna Blume, 1919) sowie die Ursonate (1932), bei der die Bedeutung völlig hinter die Klangqualität des Sprachmaterials zurücktritt.

 

AN ANNA BLUME - 1919

Oh Du, Geliebte meiner 27 Sinne, ich liebe Dir!
Du, Deiner, Dich Dir, ich Dir, Du mir, ---- wir?
Das gehört beiläufig nicht hierher!

Wer bist Du, ungezähltes Frauenzimmer, Du bist, bist Du?
Die Leute sagen, Du wärest.
Lass sie sagen, sie wissen nicht, wie der Kirchturm steht.

Du trägst den Hut auf Deinen Füssen
und wanderst auf die Hände,
Auf den Händen wanderst Du.

Halloh, Deine roten Kleider, in weisse Falten zersägt,
Rot liebe ich Anna Blume, rot liebe ich Dir.
Du, Deiner, Dich Dir, ich Dir, Du mir, ----- wir?
Das gehört beiläufig in die kalte Glut!
Anna Blume, rote Anna Blume, wie sagen die Leute?

Preisfrage:
1. Anna Blume hat ein Vogel,
2. Anna Blume ist rot.
3. Welche Farbe hat der Vogel?

Blau ist die Farbe Deines gelben Haares,
Rot ist die Farbe Deines grünen Vogels.
Du schlichtes Mädchen im Alltagskleid,
Du liebes grünes Tier, ich liebe Dir!
Du Deiner Dich Dir, ich Dir, Du mir, ---- wir!
Das gehört beiläufig in die ---- Glutenkiste.

Anna Blume, Anna, A----N----N----A!
Ich träufle Deinen Namen.
Dein Name tropft wie weiches Rindertalg.
Weisst Du es Anna, weisst Du es schon,
Man kann Dich auch von hinten lesen.
Und Du, Du Herrlichste von allen,
Du bist von hinten, wie von vorne:
A------N------N------A.
Rindertalg träufelt STREICHELN über meinen Rücken.
Anna Blume,
Du tropfes Tier,
Ich-------liebe-------Dir!

 

EVE BLOSSOM

Oh thou, beloved of my twenty-seven senses, I love thine!
Thou thee thee thine, I thine, thou mine, we?
That (by the way) is beside the point!

Who art thou, uncounted woman, Thou art, art thou?
People say, thou werst,
Let them say, they don't know what they are talking about.

Thou wearest thine hat on thy feet, and wanderest on thine hands,
On thine hands thou wanderest

Hallo, thy red dress, sawn into white folds,
Red I love Eve Blossom, red I love thine,
Thou thee thee thine, I thine, thou mine, we?
That (by the way) belongs to the cold glow!
Eve Blossom, red Eve Blossom what do people say?

Prize Question:
1. Eve Blossom is red,
2. Eve Blossom has wheels
3. what colour are the wheels?

Blue is the colour of your yellow hair
Red is the whirl of your green wheels,
Thou simple maiden in everyday dress,
Thou small green animal,
I love thine!
Thou thee thee thine, I thine, thou mine, we?
That (by the way) belongs to the glowing brazier!

Eve Blossom, Eve,
E - V - E,
E easy, V victory, E easy,
I trickle your name.
Your name drops like soft tallow.
Do you know it, Eve?
Do you already know it?
One can also read you from the back
And you, you most glorious of all,
You are from the back as from the front,
E-V-E. Easy victory.
Tallow trickles to stroke over my back
Eve Blossom,
Thou drippy animal, I-------Love-------Thine!
I love you!!!!

 

NENNEN SIE ES AUSSCHLACHTUNG - 1919

Anna Blume ist die Stimmung, direkt vor und direkt nach dem Zubettegehen.
Anna Blume ist die Dame neben Dir
Anna Blume ist das einzige Gefühl für Liebe, dessen Du überhaupt fähig bist
Anna Blume bist Du
Anna Blume ausschlachten heisst Dich schlachten
Bist Du schon einmal geschlachtet worden?
Anna Blume schlachten heisst Dich ausschlachten
Du lässt Dich gern ausschlachten?
Schlachte Anna Blume, die Stimmung vor dem Zubettgehen
Schlachte Anna Blume, die Dame neben Dir
Anna Blume schlachten, ist die einzige Ausschlachtung, deren Du überhaupt fähig bist
Wenn Du nicht zufällig, Merz wolle dich bewahren, ein ganz unfähiger Mensch sein solltest.

 

DIE RADDADISTENMASCHINE - 1921

Die Raddadistenmaschine ist für dich bestimmt. Sie ist durch eine eigenartige Zusammenstellung von Rädern, Achsen und Walzen mit Kadavern, Salpetersäure und Merz so konstruiert, dass du mit vollem Verstand hineingehst und vollständig ohne Verstand herauskommst. Das hat grosse Vorteile für dich. Lege dein Bargeld in einer Raddadistenkur an, du wirst es nie bereuen, du kannst überhaupt nicht mehr bereuen nach der Kur. Ob du reich oder arm bist, ist gleichgültig, die Raddadistenmaschine befreit dich sogar vom Geld an sich. Als Kapitalist gehst du in den Trichter, passierst mehrere Walzen und tauchst in Säure. Dann kommst du mit einigen Leichen in nähere Berührung. Essig tröpfelt Kubismus dada. Dann bekommst du den grossen Raddada zu sehen. (Nicht den Präsidenten des Erdballs, wie viele annehmen.) Raddada strahlt von Witz und ist bespiesst mit einigen 100 000 Nadelspitzen. Nachdem du dann hin- und hergeschleudert bist, liest man dir meine neuesten Gedichte vor, bis du ohnmächtig zusammenbrichst. Dann wirst du gewalkt und raddadiert, und plötzlich stehst du als neu frisierter Antispiesser wieder draussen. Vor der Kur graut dir vor dem Nadelöhr, nach der Kur kann dir nicht mehr grauen. Du bist Raddadist und betest zu der Maschine voll Begeisterung. - Amen.

 

BANALITÄTEN AUS DEM CHINESISCHEN - 1922

Fliegen haben kurze Beine.
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Eile ist des Witzes Weile.
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Rote Himbeeren sind rot.
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Das Ende ist der Anfang jeden Endes.
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Der Anfang ist das Ende jeden Anfangs.
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Banalität ist jeden Bürgers Zier.
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Das Bürgertum ist aller Bürger Anfang.
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Bürger haben kurze Fliegen.
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Würze ist des Witzes Kürze.
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Jede Frau hat eine Schürze.
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Jeder Anfang hat sein Ende.
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Die Welt ist voll von klugen Leuten.
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Kluge ist dumm.
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Nicht alles, was man Expressionismus nennt, ist Ausdruckskunst.
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Kluge ist immer noch dumm.
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Dumme ist klug.
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Kluge bleibt dumm.

 

AN DAS PROLETARIAT BERLINS! - 1922

Die Kohlennot ist gross
Spart Gas und Fahrkartenpreise! (Übergangsverkehr.)
Fundsachen werden ersucht, die Bekanntmachung an der Leine zu führen
Hunde sind an den Bahnhofsbeamten zu versteuern
Schalterverwaltung im Krankenhaus (Nichraucher unverwüstlich.)
Dieser Platz ist für die ungehinderten Hunde abzugeben
Jeder Handel ist Unbefugen Zahnpasta (auch der Schleichhandel.)
Juwelen sind untersagt und an der Weiterfahrt ausgeschlossen.
Ungeschützte Hutnadeln müssen in den Mittelgang treten
Nicht in den fahrenden Genossen springen (wenn der Zug hält.)
Nicht öffnen, bevor der Zug fährt (zur Pflege der Zähne.)
Das ist der Kardinalfehler unserer Politik.

 

PERSONENZUG - 1922

Es erwächst nun die Frage: »Ist es wahr, dass der Personenzug nach Berlin angebrannt ist? « Es ist wahr. Wer hätte das gedacht? Nicht wahr, Fräulein? Na, egal, auf die paar Menschen kommt es auch nicht an. Fabriken türmen das grosse Welken. Türme welken den Herbst zwischen die Beine. Und wenn einer so viel geschunden hat, kehren welken innen zuzweit.
Das ist ein feierlicher Augenblick, der Ton liegt auf »selbstverständlich«. Augen blicken die Feier. (Gemüsehalle.) Eine feierliche Gemüsehalle. Gibt es das? Das geht doch nicht an! Das wären ja Publikum sowie die weisen Herren von der Kritik. Du Deiner Dir Dich. Man denke: eine feierliche Rind- und Schweineschlachterei! Mit Dampfbetrieb noch dazu? Dampf betreibt die Feier der Schweine? Sie sind wohl verrückt? - Anna Blume? - Nein, Damenfriseur. - Was redet der plansche Kater? Herrenfrisiersalon!
Der Dackel läuft dreibeinig. Der Mensch läuft zweibeinig. Wie läuft das Genie? Einbeinig, Kamel! Also recht gute Besserung! Auf einem Bein kann man schlecht sehen. Der Spiesser ist kein Spiesser, igottbewahre. Der Leser ist kein Leser, igottbewahre. Der Künstler ist kein Künstler, ibewahregott. Kunst ist nicht Kunst, ibewahregott. Merz ist nicht Merz, oja, nee, nee. Aber sie können es doch nicht lassen, diese Ideotisten.
Der Personenzug nach Berlin ist immer noch angebrannt. Das ist der Hohn unserer Zeit, der Hahn des Jahrhunderts. Ohne Luxussteuer. Ohne Lustbarkeitssteuer. Für Armee und Marine, Reise, Sport, Jagd und Theater.
Die unübertreffliche Zahnpasta ist ein Knopf. Ein Druckknopf sogar. Patentdruckknopf. Knopf druckt Patent. Da nehme man einen gewissermassen Hosenknopf. Am besten sogar einen weissen. Darauf nehme man Haare, am besten sechzehnjährige, und nicht zu kurz. Darauf nehme man etwas Spitze, weiss und schön sauber geplättet, und zwar Lochstickerei. Loch stickt rei. Man nehme auch etwas Farbe, rot und matt. Die Strassenbahnfahrkarte ist der beste Witz. Starssenbahn fährt Karte. Ein Witz zum Knipsen. Kneift Löcher in den Witz, und es wird ein weibliches Kleidungsstück.
Weisse, löcherige Witze ihr, liebe süsse Haarpudelchen! Waschen Hühneraugen tausend Fenster in dein Haarnetz. Flammen Apfelkähne grün- blaut gelb Spitzen rosarote Spitzen weiss der Witz die Löcher Deiner blauen Seide.
Lieschen ist der schönste Name. Lieschen ist kein schöner Name. Lieschen funken Quader Eisenbahnen Bremse Gaslaternen U o A. (Feinkostwaren.)
Klammen Fliegen Welten Haus Personenzug. Flammen Holz. Holzen Fliegen Flammen Augen. (Augen zu!) Bluten Augen Fliegen Blumen Fliegenblut. (Hackebeil.) Gewiss, angenehm ist es, das Telefon zu haben, aber sind wir im Ganzen genommen glücklicher durch das Telefonieren geworden?

 

DAS URGEBET DER SCHOLLE

Schale
Schiller
Schale
Schule Schule Schule uhle
Scholle Scholle Scholle rolle
Schale Schale Schale scheele
mahle mahle mahle Mehl
male male male Malerei
alle alle alle allerlei

 

WIE MAN GRATIS IN EIN KINO KOMMT - 1925

In Prag heisst Eingang 'vchod' und Ausgang 'vichod'. Der ganze Unterschied ist nur ein kurzes i. Das gab mir Anlass zum Denken, und ich dachte über die Begriffe Eingang und Ausgang. Und mit Erfolg. Das Wesentliche ist immer die Richtung des Kopfes, beim Eingang weist sie nach innen, beim Ausgang nach aussen. Gut. Ich fragte nun den Pfärtner eines grossen Kinos in Berlin, ob beim Eintreten in ein Kino eine Geschwindigkeit vorgeschrieben wäre. Der meinte, darüber bestände keinerlei Vorschrift. Gut. Also kann die Geschichte auch negativ sein. Man muss daher nicht den Eingang, sondern den Ausgang eines Kinos betreten, wenn man gratis hineinkommen will, stellt sich mit dem Gesicht nach aussen, den anderen schönen Körperteil natürlich nach innen, und geht mit negativer Geschwindigkeit hinaus. Niemand kann Ihnen dann was wollen, denn Sie benutzen den Ausgang in erlaubter Weise. So kommt jedermann ins Kino, ohne was zu bezahlen. Gut. Nun stehen Sie im Saale. Stehenbleiben dürfen Sie nicht, das erlaubt die Polizei nicht. Für Benutzen des Platzes erhabt das Kino aber eine Taxe. Da bleibt Ihnen nur eine Wahl, entweder müssen Sie einen Platz nehmen und bezahlen, oder Sie müssen nun wieder hinausgehen.

 

WAS IST KUNST? - 1926

Was Kunst ist, wissen Sie ebensogut wie ich, es ist nichts weiter als Rhythmus. Wenn das aber wahr ist, so beschwer ich mich nicht mit Imitation oder mit Seele, sondern gebe schlicht und einfach Rhythmus mit jedem beliebigen Material, Strassenbahnfahrscheinen, Ölfarbe, Holzklötze, ja da staunen Sie Bauklötze, oder mit dem Wort in der Dichtung, dem Ton in der Musik, oder wie Sie wollen. Darum sehen Sie sich nicht das Material an, denn das ist unwesentlich. Suchen Sie nicht versteckt irgendeine Imitation von Natur, fragen Sie nicht nach Seelenstimmungen, sondern suchen Sie trotz des ungewöhnlichen Materials, den Rhythmus in Form und Farbe zu erkennen. Mit Bolschewismus hat das ebensowenig zu tun wie der moderne Bubikopf. Dafür ist es die Essenz aller Kunst, das heisst, jedes Kunstwerk aller Zeiten musste diese primäre Forderung erfüllen, Rhythmus zu sein, sonst war es nicht Kunst.

 

EINE HERRLICHE ERFINDUNG - 1927

In Paris musste ich oft an Doesburgs Ausspruch denken: »Das Leben ist eine herrliche Erfindung.« Das ist es auch. Man sollte sich ein Patent darauf geben lassen! Fragt sich nur: »Wer hat Anspruch darauf, die Rente darauf zu empfangen?« Jedenfalls beabsichtige ich, in Deutschland beim Patentamt diese Erfindung einzureichen. Da sie bislang nicht patentiert ist, müsste man mir wohl das Patent geben. Es ist auch immer wieder neu, das Leben, und Neuheit ist ein sehr wesentlicher Bestandteil des Patents. Nur muss es noch einem Bedürfnis genügen, um patentfähig zu sein. Das tut es auch in hohem Masse, denn wäre das Leben nicht vorhanden, so wäre ganz Paris zwecklos. Was meinen Sie dazu, bitte?

 

ONKEL HEINI-SCHLAGER - 1927

Und wenn die Welten untergehn,
Bleibt Onkel Heini doch bestehn,
Denn unser braver Onkel Heini
Hat immer noch die krummsten Beini.

Denn Heini braucht sich nicht zu bücken,
Es kann ihn doch kein Stern erdrücken.
Denn Sterne sausen stets bei Heini
Hindurch durch seine krummen Beini.

O, lieber Onkel Heini,
Wie krumm sind Deine Beini!
Wie sind die Beini krumm,
Wie ist das dumm!

Und ist der Erdenuntergang
Vorbei schon kilometerlang,
Der Stern ist längst vorbeigeflogen,
Von Heinis krummen Bein betrogen.-

Warum denn hat der Onkel Heini
Noch immer stets die krummsten Beini,
Denn liesse er sie grade machen,
Dann würden alle Mädchen lachen.

O, lieber Onkel Heini,
Wie krumm sind Deine Beini,
Wie sind die Beini Krumm,
Wie ist das dumm!

 

WIR LEBEN 25 MINUTEN ZU SPÄT - 1938

Wir leben 25 Minuten zu spät, und zwar von rechts gesehen. Von links gesehen leben wir 20 Minuten zu kurz. Zu spät und zu kurz ist unser rechtes und linkes Schicksal. Sieht man uns aber von oben, so sind wir platt wie eine Fibel, sieht man uns von unten, so sind wir hoch wie ein Zylinder. Von vorn betrachtet man unsere Rücksicht und von hinten unseren Bauch, denn den haben wir auch. Schmilzt nun der Schnee zwischen unseren Zehen, so bekommen wir heftige Zahnschmerzen, die erst aufhören, wenn uns die Sonne direkt ins Gehirn scheint. Dadurch entstehen aber die erleuchteten Gedanken, deren einer genügt, um Weisheiten wie diese hier niederzuschreiben.

 

PERHAPS STRANGE - 1942

The world is full of goods trains
The passengers are cows
And milk and butter.
And cheese and lovely marmelade
And bulls and horses,
And cocks and hens.
The cow is mother to the milk,
And grandma both to cheese and butter.
The cheese is cousin to the marmelade.
The horse is cousin to the cock
The hen lays eggs.
The egg is cousin to the cheese and butter,
The son and daughter of the milk.
Isn't it strange?
It is.

 

SIE PUPPT MIT PUPPEN - 1944

Die Puppen puppen mit kleinen Puppen,
Die kleinen Puppen puppen mit winzigen Puppen,
Die winzigen Puppen puppen mit Püppchen,
Die Püppchen puppen mit kleinen Püppchen,
Die kleinen Püppchen puppen mit winzigen Püppchen,
Die winzigen Püppchen puppen,
Keiner puppt mit ihr.
Ah, Du meine Puppe,
Meine süsse Puppe;
Mir ist alles schnuppe,
Wenn ich meine Schnauze
Auf die Deine - bauze.
Püppchen Schnüppchen
Puppe Schnuppe
Schnuppe bauze.
Die Bäuzchen, Püppchen, Puppenfraun
Sie machen nur noch schnauze bauze.

 

SEENOT

Wenn die Kraniche bellen
Auf den tanzenden Wellen,
Muss das Schifflein zerschellen.

Und die tausende Raketen,
Die beleuchten das täten,
Würden grausam zertreten.

Wer das jemals erlebet,
An den Zähnen erbebet
Und ins Jenseits entschwehöbet!

 

DIE ZUTE TUTE

En as hja in de poede seach,
Dan wieren d'r reade kjessen yn.
Und als sie in die Tüte sah,
Da waren rote Kirschen drin.
Dann make hja de poede ticht,
Dan wier de poede ticht.
Da war die TUTE zu.
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