Als Sohn des römischen Rhetors Lucius Annaeus Seneca wurde der gleichnamige junge Seneca im spanischen Corduba geboren und erhielt in Rom eine umfassende Ausbildung in den Fächern Rhetorik und Philosophie. Durch seine Tätigkeit als Advokat, Quästor und Senator gelangte Seneca zu grossem Ansehen. Doch infolge einer Hofintrige wurde er im Jahr 41 nach Korsika verbannt, 49 aber zurückgerufen und mit der Erziehung Neros, des Adoptivsohns von Kaiser Claudius, beauftragt. Seine Rehabilitation wurde gekrönt durch die Wahl zu den Ämtern des Prätors und schliesslich Konsuls. Nach Claudius' Tod übernahm Nero im Jahr 54 den Kaiserthron und machte Seneca zu einem seiner engsten Berater. In dieser Funktion konnte Seneca bedeutenden Einfluss auf Nero ausüben, der sich in den ersten fünf Jahren seiner Herrschaft recht massvoll verhielt. Im Jahr 65 wurde Seneca aber der Beteiligung an der von Gaius Calpurnius Piso angeführten Verschwörung gegen Nero bezichtigt und noch im selben Jahr zum Selbstmord gezwungen.
Senecas knapper und pointierter Stil ist für das Silberne Zeitalter der lateinischen Literatur charakteristisch. Zu den zahlreichen noch erhaltenen Werken gehören Apocolocyntosis Divi Claudi (um 54), eine ironisch-sarkastische Abrechunung mit Claudius und seiner Vergöttlichung, die sieben Bücher des naturwissenschaftlichen Werks Quaestiones Naturales, die aus stoischer Sicht die Naturerscheinungen in Zusammenhang mit den vier Elementen Empedokles' untersucht, eine Sammlung von 124 Briefen, sowie mehrere Abhandlungen über Themen wie Zorn, Gelassenheit und Unerschütterlichkeit. Erhalten blieben ausserdem eine umfassende Schrift über Wohltaten sowie eine für Nero verfasste Schrift über die Milde und den guten Herrscher. Ausserdem werden Seneca neun Tragödien in Versform zugeschrieben, für welche die klassischen griechischen Dramatiker Aischylos, Sophokles und Euripides als Vorlage dienten.
| Literatur: | Wolfgang Weinkauf, Die Philosophie der Stoa. Ausgewählte Texte, Stuttgart 2001, Reclam UB 18123. |
![]()
Amt, Armut, Besitz
«Der Lohn eines Amtes ist das Amt selbst.»
«Nicht der ist arm, der wenig besitzt, sondern wer nach mehr verlangt.»
«Kein Besitz macht Freude, wenn der Freund fehlt.»
«Geld hat noch keinen reich gemacht.»
Ethik
«Willst du geliebt werden, so liebe!»
«Hoffe nicht ohne Zweifel und zweifle nicht ohne Hoffnung.»
«Jeder, der einen anderen schlechter macht, wird es dadurch selbst.»
«Der lebt, der vielen nützlich ist.»
«Während man es aufschiebt, geht das Leben vorüber.»
Wissen
«Die Philosophie lehrt handeln, nicht schwatzen.»
«Glücklich leben und naturgemäss leben ist eins.»
«In Ruhe Wurzeln schlagen kann nur, wer aufhört, sich ständig umzuschauen und
herumzuziehen.»
«Zwei Dinge verleihen der Seele am meisten Kraft: Vertrauen auf die Wahrheit und Vertrauen auf sich
selbst.»
Andere Aussprüche
«Wer will, der kann, wer nicht will, muss.»
«Alle Kunst ist Nachahmung der Natur.»
«Ein Mensch, der leidet, bevor es nötig ist, leidet mehr als nötig.»
«Wer überall ist, ist nirgendwo.»
«Für den Weisen wird jeder Ort zum Vaterland.»
«Sequentur te, quocumque veneris, vitia.» = «Wohin du auch gehst, deine Fehler folgen dir.»
Irren ist menschlich - auch bei Autorenangaben auf solchen Zitateseiten
«Errare humanum est.» = «Irren ist menschlich.»
Dieser Spruch wird zwar oft Seneca zugeschrieben, wurde aber vermutlich vom Vater des Philosophen, Seneca dem Älteren (um 55 v. - 40 n. Chr.) geprägt.