Das älteste von dreizehn Kindern des Advokaten Johann Casimir Storm und seiner Gattin Lucie Woldsen,
verbrachte in der satten Bürgerlichkeit des väterlichen Hauses eine sorglose Jugend. Das
elterliche Haus mit seinen weitläufigen Räumen, die Wirtschaftsgebäude und ein grosser
Garten der Urgrossmutter in der Husumerau waren zunächst die Welt, in der er manche stille Stunden
verträumte oder als echter Bub mit seinen Geschwistern herumtollte. Das Meer, die Marsch und die
Geest; die eigenartige
Landschaft wirkte mit aller Macht auf den jungen Menschen, der dieses Stück Erde über alles
lieben lernte und tief unglücklich war, wenn er seine Heimat missen musste. Doch nicht nur die weite
Landschaft und die graue Stadt boten dem jungen Storm frühe Anregungen zu seinen Werken, sondern
auch die vielen Sagen und Märchen dieser Gegend, die seine Grossmutter und ganz besonders die
"Märchenfrau" Lena Wies meisterhaft zu erzählen verstanden.
Auf Wunsch des Vaters studierte der Zwanzigjährige Rechtswissenschaft in Kiel, später in
Berlin. Im Jahre 1843 kehrte Storm nach Husum zurück, wo er als Rechtsanwalt tätig war. In den
folgenden Jahren prägten ihn die Liebe zu seiner Base Constanze Esmarch, die er 1846 ehelichte und
die Schönheiten der Heimat massgeblich und formten den Dichter in ihm. 1852 verlor er aus
politischen Gründen (er trat für die Erhebung der Elbherzogtümer gegen die dänische
Herrschaft ein) sein Amt und ging als Assessor nach Potsdam ins Exil. Im Jahre 1856 wurde er Kreisrichter
in Heiligenstadt. 1864 konnte er als Landvogt wieder nach Husum zurückkehren und heiratete dort 1866
in zweiter Ehe Dorothea Jensen. Im Jahre 1880 bezog der Dichter seinen Ruhesitz in Hademarschen
(Holstein), um hier seine bedeutendsten Novellen, als letzte und schönste den
Schimmelreiter, zu schreiben. Sein siebzigster Geburtstag brachte ihm zahlreiche Ehrungen aus
allen Teilen
Deutschlands. Bald darauf warf ihn ein böses Krebsleiden, an dem er schon lange litt, endgültig
nieder.
Storms literarische Vorbilder waren Schriftsteller der Spätromantik, insbesondere Eduard Mörike, Joseph von Eichendorff und Heinrich Heine. Freundschaftliche Beziehungen und regen Briefwechsel pflegte er mit Mörike, Theodor Fontane, Gottfried Keller, Paul von Heyse sowie mit dem russischen Literaten Iwan Turgenjew. Unter dem Eindruck der frühen lyrischen Dichtungen Goethes suchte Storm seinen Vorstellungen von Liebe und Natur sowie seinen tiefen Gefühlen für seine norddeutsche Heimat aufrichtig Ausdruck zu verleihen. Seine sprachlich schlichten und dennoch ausdrucksvollen Werke überzeugen durch Wohlklang und Vollendung in der Form. In späteren Jahren seines Schaffens verarbeitete er in seinen stärker realistisch geprägten Novellen zunehmend psychologische Aspekte und setzte sich in einem breiteren Kontext mit gesellschaftlichen Fragen auseinander. In den Spätwerken sind Tendenzen des Naturalismus erkennbar.
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Hauke lebt sehr zurückgezogen. Er hält Freundschaft mit dem Angorakater der alten Trin Jans. Eines Tages hat er einen Eisvogel gefangen und will das Tier nicht wie gewöhnlich dem maunzenden Kater überlassen. Doch die Katze entreisst ihm die Beute. Voll Wut erwürgt Hauke das Tier und wirft es gegen die Kate der Alten. Nachdem Tede Haien von der Tat seines Sohnes in Kenntnis gesetzt wird, meint er Hauke müsse sich um einen Arbeitsplatz bemühen, denn für zwei Herren sei die Kate zu klein. So geht Hauke zum Deichgrafen Volkerts und verdingt sich als Kleinknecht. Die Tochter seines Brotgebers, Elke nimmt ihn oft vor dem Grossknecht Ole Peters in Schutz. Hauke muss des öfteren in der Stube seines Herrn seine Rechenkünste unter Beweis stellen. Hauke steht in allen Amtsgeschäften dem Deichgrafen zur Seite. Die Differenzen zwischen Hauke und Ole werden immer grösser. Im Frühjahr beim "Eisboseln" ist es sogar schon so weit, dass Ole Peters den Eintritt Haukes in die Mannschaft der Marschleute verhindern will. Doch Ole Hensen setzt schliesslich durch, dass Hauke mitspielen darf. Hauke erringt den Sieg für seine Partei. Ein Jahr später kündigt Ole Peters seinen Dienst und heiratet Vollina Harders. Hauke rückt zum Grossknecht auf. Doch er hat die Stellung nicht lange inne, denn sein alter Vater ist nicht mehr im Stande, seine Wirtschaft selbst zu führen. Tede Haien stirbt bald; doch hat er noch ein kleines Stückchen Grund zu seinem Besitz dazugekauft, welches er nun Hauke überlässt. Hauke fühlt oft, dass er wohl der richtige Mann wäre wenn ein neuer Deichgraf gewählt werden müsste. Doch ist sein Grundbesitz für den eines Deichgrafen viel zu klein.
An dem Hochzeitstag einer Verwandten von Haiens sind Hauke und Elke zur Tafel geladen. Bei einer günstigen Gelegenheit schiebt Hauke Elke einen Ring, den er schon lange bei sich trägt auf ihren Ringfinger. Damit ist eine Freundschaft fürs Leben besiegelt. Kurz darauf stirbt der alte Deichgraf. Bei dem Leichenmahle wird nun besprochen wer der Nachfolger sein sollte. Jewe Manners, der Pate von Elke, schlägt Hauke vor. Doch man gerät in Bedenken wegen des Besitzes. Kurz entschlossen erklärt Elke, dass sie Hauke heiraten wolle damit der nötige Grundbesitz vorhanden sei. So wird Hauke Haien der neue Deichgraf. Doch er hat mehr Feinde als Freunde.
Der Aberglaube der Leute wird dadurch gefördert, dass Hauke eines Tages einen halbverhungerten Schimmel mit nach Hause bringt, den er alsbald wieder völlig einsatzfähig gemacht hat. Es ist ein feuriges Tier, das sich nur von Hauke reiten lässt. Doch das Knochengerüst von Jevershalling ist verschwunden und so glauben die Leute der Schimmel des Deichgrafen hänge irgendwie mit diesem zusammen.
Durch den neuen Deichbau, den Hauke entworfen hat, schafft er sich viele Feinde im Dorf, denn für seinen Plan muss viel mehr Erde angefahren werden als gewöhnlich, und ausserdem kommt der Bau teurer. Im neunten Jahr ihrer Ehe gebärt Elke ein Mädchen, das Wienke genannt wird. Leider ist die Kleine nicht leicht behindert, doch sie wird von ihren Eltern trotzdem sehr geliebt. Im darauffolgenden Sommer lässt Hauke trotz verschiedener Gegenstimmen den alten Deich reparieren. Er rettet dabei einen kleinen gelben Hund, der seiner Tochter mit der Möwe "Klaus" der liebste Spielgefährte wird. Oft reitet Hauke mit der kleinen Wienke auf den Deich hinaus, doch stets wird das Kind sehr ängstlich und verschreckt. Nach Neujahr hat das Marschfieber Hauke ergriffen. Als er wieder genesen ist, besteigt er seinen Schimmel um die Deiche zu inspizieren. Er berichtet das bei der nächsten Versammlung, doch da die Mehrzahl gegen einen Neubau des Dammes ist, fügt sich auch Hauke dem allgemeinen Beschluss.
Im Frühjahr stirbt Trin Jans und wird auf dem Dorffriedhof begraben. Es werden in letzter Zeit viele fürchterliche Ereignisse berichtet, die auf ein grausiges Erlebnis vorbereiten sollen. Ende Oktober nämlich bricht während eines Sturmes der alte Damm und das Marschland wird verwüstet. Elke und Wienke wären in ihrem Hause sicher gewesen, doch die Sorge um Hauke treibt sie hinaus, wo sie beide ertrinken. Hauke hat das mit ansehen müssen ohne helfen zu können und stürzt sich mit seinem Schimmel verzweifelt in die Fluten. Seitdem vermeint man den armen Hauke in stürmischen Nächten als unheilbringendes Gespenst zu sehen. Doch das ist Aberglaube.", schliesst der Schulmeister seine lange Geschichte.
Mitte des 18. Jahrhunderts lebte hier der belesene Tede Haien, dessen Sohn Hauke schon als junger Mensch behauptete, der Deich sei falsch angelegt worden. Er tritt dann als Kleinknecht beim Deichgrafen Tede Volkerts ein und kann hier allerlei Verstösse gegen die Deichordnung zur Sprache bringen. Sein stiller Feind ist der Grossknecht Ole Peters. Zwischen Hauke und der Tochter des Deichgrafen, Elke Volkerts, hat sich eine immer stärkere Zuneigung entwickelt. Als Ole Peters heiratet, rückt Hauke zum Grossknecht auf, muss aber seine Stellung bald aufgeben, um seinen kranken Vater zu versorgen. Trotzdem hilft er Tede Volkerts auch nach dem Tode seines Vaters getreulich in allen Rechnungs- und Schreibarbeiten. Kaum haben sich Hauke und Elke im stillen verlobt, da stirbt der alte Volkerts, und als der Oberdeichgraf sich nach einem neuen Deichgrafen umsieht, da gelingt es der geschickten Fürsprache Elkes, ihn zu überzeugen, dass Hauke der richtige Mann sei. So erhält dieser das Amt. Er verwaltet es aufs sorgfältigste und plant die Anlage eines weiteren Deiches, um aus dem Vorland einen festen Koog und damit für die Gemeinde neues Weide- und Kornland zu gewinnen. Sein Plan wird nach längeren Verhandlungen vom Oberdeichgrafen genehmigt, und am selben Tage ersteht Hauke Haien auf dem Heimweg durch einen Gelegenheitskauf einen mageren, heruntergekommenen jungen Schimmel für billiges Geld. Durch liebevolle Pflege entpuppt sich dieser bald als gesundes, feuriges Tier, das aber nur seinen Herrn als Reiter duldet. Haiens Knechte haben eine abergläubische Furcht vor dem Schimmel und verbreiten das Gerücht, in ihm sei ein auf einer nahen Hallig liegendes Pferdegerippe lebendig geworden.
Der Deichgraf organisiert nun die Durchführung des Werkes. Er verteilt die Arbeiten, kämpft gegen Verleumdungen, überwacht, auf seinem Schimmel reitend, den Sommer hindurch die Arbeiten. Trotzdem wird man bis zu Wintersbeginn nicht fertig. Elke wird im neunten Jahre ihrer Ehe doch noch ein Mädchen geboren, das aber schwachsinnig ist. Im nächsten Jahre wird der Deichbau beendet.
Gewissenhaft verwaltet Hauke Haien in den folgenden Jahren sein Amt, hat auch weiterhein bei allen Reparaturarbeiten mit Widerständen zu kämpfen und lässt sich, nachdem er eine schwere Krankheit überstanden hat, von seinem alten Widersacher Ole Peters zu einer Wiederherstellungsarbeit am alten Deich überreden, die aber nicht gründlich ist. Dies soll sich bitter rächen. Bei einer gewaltigen Sturmflut entsteht im alten Deich ein Bruch, und Hauke sieht noch in den Wassermassen Frau und Kind umkommen, die zu ihm eilen wollten. Darauf sprengt er mit seinem Schimmel in die Fluten und geht zugrunde. Der neue Deich aber, der Hauke-Haien-Deich, steht noch nach hundert Jahren.
Bei Storm steht der vieldeutige, rational nicht auflösbare Widerspruchscharakter des Lebens. Chiffre dieses Schicksals ist eine Natur, die handelnd und bewegend in den Kampf eingreift; das Meer als elementarer Widersacher des Menschen, aufgetürmt in den tobenden Wellenbergen der Sturzflut, prägt die Grundstimmung der Erzählung, jene Schwermut der friesischen Küstenlandschaft, deren magischen Bannkreis Hauke nicht durchbrechen kann.