Patrick Süskind (1949-)
Patrick Süskind wurde am 26. März 1949 in Ambach geboren. Sein historischer Roman Das Parfüm brachte ihm grosse Anerkennung und konnte sich jahrelang in der
Liste der bestverkauften Bücher halten.
Der Sohn des Journalisten und Erzählers Wilhelm Emanuel Süskind schrieb nach seinem
Geschichtsstudium in München mehr als zehn Jahre Drehbücher für das
Fernsehen. Zu den beliebtesten Fernsehspielen, die er mit Helmut Dietl verfasste, wurden Monaco Franze
(1984) und Kir Royal (1986). Als Theaterautor debütierte er 1981 mit der Komödie Der
Kontrabass, die in der Spielzeit 1984/85 mit über 500 Aufführungen das meistgespielte
Stück an deutschsprachigen Bühnen wurde. Der grosse internationale Durchbruch gelang
Süskind mit dem Roman Das Parfüm (1985), der bisher in mehr als 20
Sprachen übersetzt wurde: Aus niedersten Beweggründen tötet ein Mann reihenweise junge
Frauen. Ihn interessiert ausschliesslich der Duft, der die Körper seiner Opfer umgibt. Die
Geschichte des Serienmörders und Triebtäters Grenouille war der Verkaufsschlager des
Buchhandels der achtziger Jahre. Weniger überschwenglich wurden die Erzählungen Die Taube
(1987) und Die Geschichte von Herrn Sommer (1991) aufgenommen.

Das Leben des Jean-Baptiste Grenouilles
A |
B |
C |
D |
Kapitel 1-22
"Lehrjahre"
17.07.1738 |
Kapitel 23-24
"Wanderjahre"
1756-63 |
Kapitel 35-50
"Meisterjahre"
1764-66 |
Epilog
Das Ende
26.6.1766 |
Paris (Friedhof) |
Massif centrale Montpellier |
Grasse |
Paris (Friedhof) |
Personen
1. Jeanne Bussie, Amme aus der Rue Saint-Denis
- einfältig
- glaubt in Grenouille den Teufel zu erkennen; ihr graust vor dem Säugling
- quot;Er frisst alles, der Bastard.quot;
2. Pater Terrier, Mönch des Klosters von Saint-Merri
- fünfzig Jahre
- gemütlich
- gebildet (Theologie/Philosophie, ein bisschen Botanik und Alchimie)
- aufgeklärt, hält einiges auf die Kraft seines kritischen Geistes
- zweifelt aber nicht an der Bibel, bleibt gläubig; aufs entschiedenste bekämpft er
hingegen die abergläubischen Vorstellungen des einfachen Volks
- Einzelheiten sind ihm zuwider
- quot;Ach, ich verstehe, ich bin im Bilde: Es geht also wieder einmal ums Geld.quot;
3. Madame Gaillard, Kostkinderpflegerin (Faubourg Saint-Antoine)
- obwohl noch keine dreissig Jahre alt, bereits innerlich tot (seelenarm)
- als Kind von Vater Feuerhakenschlag über die Stirn à Geruchssinn verloren
- keinen Gefühlen zugänglich, jeder Leidenschaft verschlossen
- gnadenloser Ordnungs- und Gerechtigkeitssinn (genau drei Mahlzeiten)
- einziger Wunsch: zuhause zu sterben und nicht im Armenhaus wie ihr Mann; doch statt dem
Tod kommt die Revolution ...
4. Gerber Grimal in der Rue de la Mortellerie
- benutzt billige Arbeitskräfte für die gefährlichen Arbeiten (à Milzbrand)
- prügelnder Chef, hält Grenouille wie ein Haustier
- endet in einem Fluss, nachdem er Baldinis quot;Ablösesummequot; versoffen hatte
- genau so gefühllos und zynisch wie Grimal sein Leben lang gewesen sein musste, geht er
in der Seine unter; niemand weint ihm eine Träne nach
5. Giuseppe Baldini, der quot;grossequot; Parfumeur
- schon weit über sechzig
- eingebildet und autoritätsgläubig
- misstrauisch, aber auch neugierig
- zwei Düften verdankt er sein Vermögen: >Rose des Südens< und >Baldinis
galantes Bouquet<; nur die Formel geerbt bzw. gekauft
- hat noch nie ein Parfüm erfunden; nur ein Handwerker
- ekelt sich vor der modernen Zeit; Traditionalist (Zunftrecht wieder!)
- bezeichnet sich als gutmütigen Menschen, ist aber eigentlich nur am persönlichen
Wohlstand interessiert
- ist Grenouille gegenüber zuerst sehr misstrauisch, will das Parfümgeschäft soeben
endgültig aufgeben
- beginnt Grenouille dann aber nach Strich und Faden auszunützen; besorgt ihm sogar einen
Doktor (Kurpfuscher, ohne Hippokrates-Gedanke)
- empfindet zwar Ekel vor dem kleinen Künstler; glaubte ständig, irgendwie bezahlen zu
müssen; als Grenouille ihn dann verlässt, stürzt sein Haus in die Seine, nichts wird
mehr gefunden, noch mehrere Woche riecht es ...
6. Chénier, Baldinis Geselle
- etwas jünger als sein Meister, aber auch schon alt
- hofft, das Geschäft bald erben zu können
- trinkt gerne
- glaubt, Baldini habe die ersten beiden Parfüms selbst erfunden
- höflich gegenüber Baldini, hält ihn aber eigentlich #150; zu Recht #150; für
unfähig
- als das Geschäft dank Grenouille wieder blüht, versteht er die Welt nicht mehr; aber
er hat ja genug damit zu tun, zu verkaufen und Geld zu zählen
- hat schlussendlich rein gar nichts davon
7. Marquis de la Taillade-Espinasse (Montpellier)
- Lehensherr der Stadt Pierrefort und Mitglied des Parlaments in Toulouse
- Macht hat er schon; er träumt von Ruhm und Ehre, auch nach seinem Tode
- kehrte mit vierzig dem Versailler Hofleben dem Rücken, um seiner Faszination für die
Wissenschaften nachzugehen (Werk über Nationalökonomie, fordert umgekehrt progressive,
also ungerechte Einkommenssteuer;
Versuch der Euterblumenzüchtung)
- schräger Spinner, hofft mit seinen Ideen Beachtung zu finden
- Essay über die Zusammenhänge zwischen Erdnähe und Vitalkraft stellt These auf, dass
die Erde ein Verwesungsgas verströme, dass er nach seinem Entdecker quot;fluidum letale
Tailladequot; nannte (Vitalluftventilationsapparat).
- Grenouille braucht er um die Leute von seinen Theorien zu überzeugen
- bei einem Bergaufstieg erfriert er #150; der Legende nach wurde er unsterblich
8. Madame Arnulfi, Witwe eines Parfumeurs in Grasse
- lebhafte schwarzhaarige Frau von dreissig Jahren, aber schon Witwe
- geschäftstüchtig
- heiratet nach Trauerjahr Druot, behält aber Namen und Vermögen
9. Dominique Druot, ihr Geselle im Geschäft und im Bett
- riesenhafter Mann, breitbeinig
- nicht gerade fabelhaft intelligent, aber auch nicht völlig dumpfköpfig
- lässt Grenouille immer mehr gewähren
- wird schlussendlich als Frauenmörder hingerichtet; bei ihm wurden ja die
Kleidungsstücke der jungen Damen gefunden
10. Antoine Richis, zweiter Konsul von Grasse
- noch nicht vierzig Jahre alt, aber Witwer
- aufgeklärt denkender Mensch, der auch vor blasphemistischen Schlussfolgerungen nicht
zurückschreckte
- Hausherr, besitzt viele Diener und Bedienstete, lässt es sich gut gehen
- reicher Besitzbürger, träumt eine Dynastie zu errichten
- will deshalb seine Tochter Laure unbedingt mit einem Sohn aus dem adeligem Hause Bouyon
vermählen #150; möglichst schnell
Süskinds Stil
- Anreihungen, Faktenfülle (Lust an Fakten)
- Neigung zu häufigen, ausgiebigen und treffenden Vergleichen (Gerüche!)
- Süskind nimmt unwichtige Ereignisse (bes. Todesfälle) vorweg
- Das Buch folgt fast ausschliesslich dem Leben des Mörders; die Schicksale der anderen
Personen werden vorweggenommen, wenn sie zuletzt in Grenouilles Leben treten. In jedem
Kapitel steht eine Person im Vordergrund.
- Süskind erzählt eine Geschichte aus dem 18. Jahrhundert und durch die Vorwegnahmen und
Anspielungen auf Zukünftiges, wird sichtbar, dass Süskind als auktorialer (über die
ganze Angelegenheit aufgeklärter) Erzähler auftritt. Ab und zu gibt er sogar Hinweise
für uns Leser aus dem 20. Jahrhundert.
- Wechsel zwischen auktorialem und personellem Erzählstil (Monologe...)
- Die Handlung wird plastisch vorstellbar, konkret, sinnlich und fassbar.
- Anspruchsvolle Sprache trotz leichtem Lesefluss.