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Last Update: 10.02.06
 

 
 

Tertullian (um 160-220)

Der Kirchenvater Tertullian wurde um 160 in Karthago geboren, wo er um 220 vermutlich auch starb. Wie die späteren Kirchenlehrer versuchte auch Tertullian, die irrationalen Glaubenssätze des Christentums mit vernünftigen Überlegungen zu verbinden. Der Glaube hat aber bei ihm klaren Vorrang gegenüber der Vernunft.

Sein eigentlicher Name war Quintus Septimius Florens Tertullianus. Er wirkte zunächst als Rhetor in Rom und trat etwa 195 zum Christentum über. In der Folge wurde er zu einem kompromisslosen Verteidiger der kirchlichen Lehre und wandte sich gegen die Gnosis. Um 205 schloss sich Tertullian dem Montanismus an. Diese nach ihrem Begründer Montanus benannte prophetisch-eschatologische Bewegung lebte in der Erwartung des unmittelbar bevorstehenden Weltendes und sah sich als die auserwählte Endzeitgemeinde an; Montanus ging sogar soweit, sich als Paraklet (Heiliger Geist) zu erklären. Wie heutige Sekten fanden auch die Montanisten, die anderen Christen seien von den urchristlichen Idealen abgefallenen. Die kleine Gemeinde der Montanisten forderte von ihren Mitgliedern eine strenge Askese.

Tertullian war der erste Lehrer der Kirche, der auf lateinisch schrieb. Er prägte zahlreiche Formulierungen, die grundlegend für die theologische Terminologie der lateinischen Kirche wurden, so etwa das von ihm eingeführte Wort "trinitas" für die Dreifaltigkeit Gottes. Von einer Stelle aus Tertullians Schrift über die Fleischwerdung Christi wurde der Satz «Credo quia absurdum est!» abgeleitet, den Luther später zum Motto seiner Glaubensüberzeugung machen sollte. Er bedeutet in etwa «Ich glaube, gerade weil es widersinnig ist.»

Literatur:   Henrike M. Zilling, Tertullian, Paderborn 2004, Schöningh.
Internet:   Tertullian, Schriften, übersetzt von Dr. K. A. Heinrich Kellner.
Ökumenisches Heiligenlexikon, Artikel Tertullian, kurze Vita mit einigen Links.

 

BERÜHMTE ZITATE

Ursprung des berühmtesten Zitates
«Prorsus credibile est, quia ineptum est. [...] Certum est, quia impossibile est.»
«Das muss man geradezu glauben, weil es unsinnig ist. [...] Es ist sicher, da es unmöglich ist.»

Daraus wurde dann offenbar der Kerngedanke übernommen und umformuliert:
«Credo quia absurdum est!» = «Ich glaube, weil es absurd ist.»

Ehe
«Die Ehe basiert auf demselben Akt wie die Hurerei. Darum ist es das Beste für den Mann, kein Weib zu berühren.»

Schleier für Christinnen?
«Der Frau steht nur Trauerkleidung zu. Sobald sie dem Kindesalter entwachsen ist, soll sie 'ihr so gefahrenbringendes Antlitz' verhüllen, bei Gefahr des Verlustes der ewigen Seligkeit.»

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