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Last Update: 04.11.04
 

 
 

Thomas von Aquin (1225-1274)

Der italienische Philosoph und Theologe Thomas von Aquin wurde 1225 in Roccasecca geboren und starb am 7. März 1274 in Fossanova. In einer einzigartigen Synthese verband der Dominikanermönch die Ideen von Aristoteles und anderer antiker Denker mit jenen der christlichen Kirchenväter, allen voran Augustinus; aber auch die Gedanken islamischer Gelehrter wie Avicenna oder Averroes und die Konzepte jüdischer Philosophen nahm er auf. Thomas gilt als wichtigster Vertreter der Scholastik und der mittelalterlichen Philosophie. Bis heute zählt er zu den bedeutendsten römisch-katholischen Theologen.

Thomas war der Spross einer adligen Familie aus Roccasecca bei Aquino. Nach einer Grundausbildung in der Benediktinerabtei von Monte Cassino besuchte er die Universität von Neapel. Seine Mutter konnte ihm den Eintritt in den "Bettelorden" der Dominikaner nicht ausreden. Nachdem er in Paris Vorlesungen des berühmten deutschen Scholastikers Albertus Magnus hörte, folgte er diesem 1248 nach Köln. Zwei Jahre später wurde er zum Priester geweiht, 1252 erhielt er einen Lehrauftrag an der Sorbonne und 1256 wurde er schliesslich dort zum Professor für Philosophie ernannt. Der Ruf des Gelehrten erreichte bald auch den Vatikan und 1259 berief Papst Alexander IV. den Dominikaner zu sich. 1268 kehrte Thomas nach Paris zurück, doch 1272 verliess Thomas Paris endgültig, um in Neapel eine neue Dominikanerschule aufzubauen. Auf der Reise zum Konzil von Lyon starb Thomas von Aquin 1274 im Benediktinerkonvent von Fossanova in Latium.

Nach theologischen Frühschriften griff Thomas von Aquin 1268 den niederländischen Philosophen Siger von Brabant und andere Schüler des islamischen Denkers Averroes frontal an. Bis zu Thomas' Zeit war das christliche Denken vor allem von Augustinus geprägt gewesen. Nachdem nun der arabische Philosoph Ibn Ruschd, wie Averroes eigentlich hiess, die Werke des Aristoteles für den lateinischen Westen erschlossen und kommentiert hatte, war es in der abendländischen Philosophie zu einer neuen Hinwendung zum Empirismus gekommen. Der Führer des Averroismus, Siger von Brabant, behauptete, dass die philosophische Wahrheit unabhängig von kirchlichen Dogmen gelte. Damit war die Vormachtstellung der römisch- katholischen Doktrin bedroht und das konnte die Kirche gerade in dieser schwierigen Zeit nicht zulassen. Thomas von Aquin glaubte mit seinem Werk eine Lösung für den Widerspruch zwischen Glauben und Wissen gefunden zu haben. Dabei verband er die Thesen Augustinus' über das Prinzip des menschlichen Glaubens mit der averroistischen Forderung nach einer von der sinnlichen Welt ausgehenden Erkenntnis. Thomas meinte, dass sich Offenbarung und Vernunft nicht widersprächen, sondern ergänzten. So gebe es Glaubensinhalte, die nur durch die Bibel, und Wissensfragen, die empirisch zu lösen seien, aber auch Probleme, wie etwa die Existenz Gottes, die sowohl durch die Vernunft wie auch durch die Offenbarung bewiesen werden könnten. Thomas zufolge basiert alles Wissen auf Empfindungen, die durch den Intellekt erfahrbar gemacht werden; doch um entscheidende religiöse Fragen zu verstehen, bedürften wir der göttlichen Offenbarung. In der Universalienfrage vertrat Thomas einen Realismus, der die Allgemeinbegriffe im Geist sah, doch im Gegensatz zu den Nominalisten sind diese für ihn tatsächliche Dinge.

Thomas von Aquin hatte nach Anfangsschwierigkeiten einen sehr guten Draht zur vatikanischen Kurie. Diese verurteilte 1270 seine Gegner, sprach ihn 1323 heilig und 1567 wurde er in den Rang eines Kirchenlehrers erhoben. Selbst noch 1950 meinte der Papst XII. in einer Bulle, dass die Thomistische Philosophie den sichersten Weg zur römisch-katholischen Lehre darstelle. Neben seinem Hauptwerk Summa Theologica verfasste Thomas noch rund 80 andere Bücher. Mit seiner Summa Contra Gentiles wollte er die Muslime und Juden von der Wahrheit des Christentums überzeugen. Problematisch war dabei, dass er die Anhänger dieser anderen Weltreligionen bereits im Titel als Heiden bezeichnete.

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