François Marie d'Arouet, der Sohn eines vermögenden Juristen, wurde von den Jesuiten am
Collège Louis-le-Grand unterrichtet. Doch bereits in jungen Jahren verkehrte er lieber in den
literarischen Salons der französischen Hauptstadt, wo er sich als sarkastischer und geistreicher
Zeitgenosse etablierte. Seine kritischen Frühschriften führten zu einer Haftstrafe in der
Bastille. In diesen 11 Monaten vollendete Voltaire seine erste Tragödie Oedipe, die 1718 an
der Comédie-Française mit grossem Erfolg uraufgeführt wurde. Dabei benützte
François zum ersten Mal seinen Künstlernamen Voltaire, der ein Anagramm von "AROVET Le
Ieune" ist. Seinen polemischen Schriften gegen das Christentum, in denen er seine rationalistisch-
deistische Weltsicht zum Ausdruck brachte, brachten ihm einen zweiten kurzen Aufenthalt in der Bastille
ein. Anschliessend flüchtete Voltaire nach London, wo er von 1726 bis 1729 lebte. Dort
beschäftigte er sich mit den englischen Empiristen, allen voran Locke, der seine spätere Philosophie stark beeinflusste. In London verfasste Voltaire zwei Essays in englischer Sprache und La Henriade. 1729 konnte Voltaire nach Frankreich zurückkehren. In den Lettres philosophiques verarbeitete er Gedanken von Alexander Pope, Jonathan Swift, William Congreve und Hugh Seymor Walpole. Da es wiederum einen Angriff auf die politischen und kirchlichen Institutionen Frankreichs enthielt, geriet Voltaire erneut in Konflikt mit den Autoritäten, so dass er erneut flüchten musste. Zuflucht fand er im unabhängigen Herzogtum Lorraine. Mit der Universalgelehrten Émilie Le Tonnelier de Breteuil Marquise du Châtelet verbrachte er dort eine Zeit ausserordentlicher literarischer Produktivität und arbeitete besonders an seinen naturwissenschaftlich-mathematischen und philosophisch-politischen Schriften. Er schrieb in dieser Zeit eine grosse Menge von Dramen, Romanen, Geschichten, Satiren und Gedichte.
Voltaires gesellschaftlicher Status änderte sich schlagartig, als sich Marquise de Pompadour, die
Geliebte Ludwigs XV., für ihn einsetzte. Nun war er auf dem Schloss Versailles ein gern gesehener
Gast. Er fand eine Anstellung als Historiograph Frankreichs, dann sogar als Kammerherr des Königs
und wurde 1746 schliesslich in die Académie française gewählt. Auf Einladung Friedrichs II. von Preussen reiste Voltaire 1750 nach Berlin,
blieb dort aber nur zwei Jahre, weil er sich mit dem König zerstritt. Nach einem unsteten
Wanderleben liess er sich 1758 in Ferney in der Nähe von Genf nieder, wo er seine letzten 20
Lebensjahre verbrachte. Durch allerlei nicht immer ganz
lupenreine Geschäfte wurde er reich und unabhängig, lebte als Grundherr, liess Land
kultivieren, Sümpfe trockenlegen und siedelte im Dorf eine Uhrenindustrie an. Vor allem aber gab er
sich seinen literarischen Neigungen hin. Neben seinen Hauptwerken entstanden Hunderte von kurzen
Spottgedichten und Schmähreden, in denen er auf soziale Missstände aufmerksam machte. Mit dem
viel zitierten Aufruf «Écrasez l'infâme!» attackierte er jede
Religionsform, die Andersdenkende verfolgt oder Fanatismus hervorruft. Das Christentum ersetzte er
durch den Deismus, eine rein rationale Religion. Nach der Uraufführung seiner Tragödie
Irène starb er in nach Paris. Ein christliches Begräbnis wurde ihm wegen seiner Kritik am
Christentum verweigert, sein Leichnam wurde auf einen Dorffriedhof bei Troyes gebracht. 1791 wurde er
aber von den Revolutionären nach Paris zurückgeholt und im Panthéon beigesetzt. [Oeuvre:
Liste der wichtigsten Werke]
Als Haupt der französischen Aufklärung lehnte Voltaire im wesentlichen alles Irrationale und mit logischem Denken nicht Vereinbare ab und rief seine Zeitgenossen dazu auf, sich gegen Intoleranz, Tyrannei und Aberglauben zu wehren. Seine Ethik gründete sich auf den Glauben an die Gedankenfreiheit und an die Würde des Menschen. Er engagierte sich für politische und religiöse Gleichheit und setzte sich für eine Literatur ein, die sich mit den aktuellen Problemen der Gesellschaft befassen sollte. Gemeinsam mit Montesquieu und Rousseau gehörte Voltaire zu den Mitarbeitern an der berühmten französischen Encyclopédie ou dictionnnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers von Diderot. Voltaires Werke enthalten zahlreiche denkwürdige Passagen, die sich durch geschliffene Rhetorik, Verständlichkeit und kritischen Geist auszeichnen. Seinem literarischen Werk, das Tragödien, philosophische Romane und historische Untersuchungen umfasst, liegen meist historische und philosophische Fragestellungen zugrunde. Er prägte ausserdem als erster den Begriff der "Geschichtsphilosophie".
| Literatur: |
Voltaire, Candide ou
l'optimisme, Paris 1994, Classiques Bordas. Voltaire, Candid oder Die beste der Welten, Stuttgart 2002, Reclam UB 6549. |
| Internet: |
Voltaire, Candide ou l'optimisme,
frz. Originaltext im ABU-Projekt. Voltaire, Candide ou l'optimisme, frz. Originaltext bei Wanadoo. Voltaire, Micromégas, frz. Originaltext im ABU-Projekt. Voltaire, Lettres philosophiques, frz. Originaltext im ABU-Projekt. Peter Möller, Voltaire-Kritik, gute Zusammenfassung seiner Philosophie mit persönlichen Gedanken. Memo, Dossier Voltaire, Ausführliche Vita mit vielen Hintergrundinfos (französisch). |
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Candide ist der illegitime Neffe eines westfälischen Adligen und lebt auf dessen Schloss, wo ihn der Philosoph Pangloss unterrichtet. Als er sich in die Tochter des Königs Cunégonde verliebt, nimmt das Unglück seinen Lauf. Nach einem ersten scheuen Kuss wird er vom König fortgejagt. Seine Wanderungen führen ihn durch Holland, Portugal, Spanien und über den Atlantik nach Buenos Aires, Paraguay, Eldorado, Surinam und zurück in Europa via Paris, Portsmouth und Venedig schliesslich nach Propontide in Kleinasien. Dabei erlebt er die seltsamsten Abenteuer, wird immer wieder Opfer von Schurken und Zufällen und besteht die schwierigsten Prüfungen. Mehrmals begegnet Candide dabei seinem ehemaligen Lehrer Pangloss, dem das Schicksal noch übler mitspielt, der aber trotz allen Scheusslichkeiten seinen Optimismus nie verliert und stets daran festhält, dass dies die beste aller möglichen Welten sei. Kernstück des Werks ist die Skizze einer besseren Gesellschaft in den Kapiteln 17 und 18. Im Land Eldorado, das vor Candide noch kein Europäer betreten hat, leben die Menschen in Harmonie und streiten nicht über irgendwelche Religionsdogmen.
13: Auf Vorschlag der Alten erzählen alle Passagiere aus ihrem Leben und ihr Verdacht bestätigt sich: Keiner ist glücklich. In Buenos-Aires verliebt sich der Gouveneur Don Ferdiando d'Ibaraa y Figuera in Cunégonde, die er heiraten will. Die Alte rät ihr, dies zu tun, da es ein mächtiger Mann ist. In der alten Welt braut sich inzwischen weiteres Unheil zusammen. Der von einem Mönch gestohlene Schmuck Cunégondes wird von einem Händler als des Grossinquisitors erkannt. Bevor der Mönch gehängt wird, gibt er zu, dass er ihn von Candide und seinen beiden Begleiterinnen gestohlen hat und verrät, dass sie nach Cadix gereist sind. Nun machen sich Verfolger auf den Weg über den Atlantik und treffen in Buenos Aires ein, wo die Alte sie rechtzeitig sieht und Candide zur Flucht rät. 14: Candide flüchtet mit seinem Diener Cacambo, den er in Cadix angestellt hat, zu den Jesuiten nach Paraguay, deren Kommandant er kennt. Nachdem sie entwaffnet wurden und sich die Padros vergewissert hatten, dass sie keine Spanier sind, gelangen sie zum Anführer. Es stellt sich heraus, das es sich bei ihm um den Bruder von Cunégonde handelt. Dieser erzählt ihm, wie es dazu kam. 15: Nach dem Rückzug der Bulgaren wurden der Baron, seine Frau, er und zwei Diener mit anderen zum Begräbnis in eine Jesuitenkapelle gebracht. Dort entdeckte ein Jesuit, dass er noch lebte. Er wurde Novize und schon bald nach Rom geschickt und schliesslich wurde er in Paraguay Priester und militärischer Führer. Als der Baron/Jesuit jedoch hört, dass Candide seine Schwester zu ehelichen gedenkt, wird er cholerisch und beginnt mit ihm zu kämpfen. Candide verletzt ihn tödlich und kommt danach schon ein bisschen ins Grübeln; jetzt hat er schon drei Menschen getötet und zwei davon waren Geistliche. 16: Candide und Cacambo verlassen das Gebiet der Jesuiten wieder. Als Candide Schreie hört, sieht er zwei nackte Frauen, die vor Affen flüchten. In einem Anfall von Mitleid erschiesst er die beiden Affen, doch staunt er nicht schlecht, als die beiden Frauen zurückkehren und die toten Affen zärtlich streicheln; es waren ihre Liebhaber. Die Oreillons, zu deren Stamm die beiden Frauen gehören, wollen sie daraufhin essen, da sie sowieso gerne Jesuiten essen. Als Cacambo sie mit einem Trick überzeugen kann, dass sie keine Jesuiten sind, werden sie aber überaus freundlich aufgenommen. 17: Cacambo schlägt vor, auf dem schnellstmöglichen Weg nach Europa zurückzukehren. Als ihr Proviant ausgeht, ernähren sie sich einen Monat lang von wilden Früchten. Erschöpft lassen sie sich in einer kleinen Barke einen Fluss hinuntertreiben, der sie in ein schönes Land führt. Kleine Kinder spielen mit Gold, das ihnen nichts bedeutet. In einem Restaurant wollen Candide und Cacambo mit diesem Gold bezahlen, doch da werden sie nur ausgelacht. Da alle Hotels dem Staat gehören, brauchen sie nichts zu bezahlen. Candide wird schnell klar, dass dieses Land, das vor ihm noch kein Europäer betreten hat, viel besser ist als alle Länder, die er schon bereist hat. 18: Der Hotelier schickt den neugierigen Candide zu einem weisen Alten. Cacambo beherrscht die peruanische Sprache und dient als Dolmetscher. Der Alte erzählt ihnen, dass dieses Land ein letztes Refugium der alten Inkas sei. Die Spanier wüssten von ihm und nennten es "El Dorado", aber sie konnten es bisher nicht finden. Von den Europäern halten sie sowieso nichts, die nur gekommen sind, um ihr Gold zu rauben. Nach der Religion befragt, meint der Alte, natürlich glaubten sie auch an Gott. Auf Candides Frage, an welchen Gott sie denn glaubten, erwidert der Alte erstaunt: "Est-ce qu'il peut y avoir deux religions?" Der Alte lässt die beiden Besucher nach einem langen Gespräch in die Hauptstadt bringen. Einen ganzen Monat leben die beiden daraufhin am Hof des netten Königs. Doch die Sehnsucht nach Cunégonde treibt Candide dazu, das Land wieder zu verlassen. Könnten sie dabei noch ein Dutzend mit Gold beladene Schafe mitnehmen, wären sie zudem die reichsten Männer Europas! Der König rät ihnen zu bleiben, kann sie aber nicht von der Reise abhalten; er gibt ihnen auch mehr als nur zwölf Schafe, obwohl er nicht begreifen, was die Europäer an diesem "gelben Sand" so besonders fänden. Mithilfe einer von den eldorischen Wissenschaftern konstruierten Maschine werden sie über die Berge geleitet. Nun marschieren Candide und Cacambo nach Cayenne. 19: Candide und sein Diener sind in Hochstimmung wegen der Aussicht, dass sie mehr Reichtümer besitzen als alle Könige von Asien und Europa zusammen. Doch schon am zweiten Tag verlaufen sich zwei Schafe mit ihrer Ladung in der Wildnis, ein paar Tage später sterben zwei weitere Schafe vor Müdigkeit, weitere sieben vor Hunger in der Wüste und wieder andere stürzen in den Abgrund. Nach hundert Tagen Marsch bleiben ihnen gerade noch zwei Schafe, als sie in Surinam eintreffen. Dort geraten sie an einen schwarzen Sklaven, dem sein Meister Vanderdendur eine Hand und ein Bein abgehackt hatte, weil er flüchten wollte. Eigentlich will Candide nun weiter nach Buenos-Aires, um Cunégonde zu holen, doch ein Spanier rät ihm davon ab, da der Gouverneur zu mächtig ist. Schliesslich schickt Candide den treuen Cacambo, seine Schöne und die Alte zu holen. Sie wollen sich in Venedig wieder treffen. Zu einem horrenden Preis bietet ihm Vanderdendur eine Passage an. Da Candide den Betrag ohne zu feilschen bezahlt, schliesst der gerissene Geschäftsmann daraus, dass Candide reich sein muss. Er lädt die beiden Schafe auf und fährt ab - ohne Candide. Beim holländischen Gericht nimmt man dem Fremden seine Geschichte nicht ab und lässt ihn sogar Verfahrenskosten bezahlen. Ziemlich ernüchtert mietet Candide ein Kämmerchen im Schiff eines Franzosen, der nach Bordeaux reist. Er lässt in der Stadt einen Anschlag machen, dass er einem zusätzlichen Mann die Überfahrt bezahlen würde, der das schwerste Leben gehabt habe. Aus der Masse der Bedauernswerten, die ihre leidvollen Geschichten erzählen, wählt Candide schliesslich Martin aus. 20: Auf der Fahrt nach Bordeaux haben sie sich viel zu erzählen. Obwohl beide viel Übles erlebt haben, sieht Candide zwischen ihnen einen grossen Unterschied: Er hofft auf ein Wiedersehen mit Cunégonde, Martin hofft nichts mehr. Als sie auf philosophische Themen zu sprechen kommen, erklärt ihm Martin, dass er ein Manichäer sei. Diese im 3. Jh. von Mani begründete dualistisch-gnostische Sekte betrachtet die Welt als ständigen Kampf zwischen Licht und Finsternis, Gut und Böse. Plötzlich sehen die beiden einen Kampf zweier Schiffe und nachdem ein Schiff untergeht, erblickt Candide im Wasser eines seiner Schafe, das er retten kann, während der Dieb mit der Mannschaft untergeht. Das nimmt Candide als Zeichen, dass das Verbrechen doch ab und zu bestraft werde, worauf Martin meint, Gott habe den Piraten bestraft und der Teufel die anderen ertränkt. 21: Inzwischen nähern sich die beiden Reisenden der Küste Frankreichs. Martin erklärt Candide, was er von den Franzosen denkt: Die Hälfte der Einwohner sei verrückt, einige hinterlistig und andere hielten sich für schöngeistig, aber überall sei die wichtigste Beschäftigung die Liebe, die zweite die üble Nachrede und die dritte das Erzählen von Blödsinn. Candide hat gar keine grosse Lust, dieses Land kennenzulernen, weil es mit El Dorado ohnehin nicht mithalten könnte. Um so schnell wie möglich nach Venedig zu gelangen, müssen Martin und Candide aber Frankreich durchqueren.
22: In Bordeaux angekommen verkauft Candide seine Reichtümer und muss das Schaf der Akademie überlassen, die dazu eine dumme Preisfrage ausschreibt. Weil alle, die er traf, auf dem Weg nach Paris waren, beschloss Candide doch schnell dort vorbeizuschauen. In Paris besucht Candide zusammen mit einem Abbé eine Theateraufführung. Candide ist neugierig und fragt ihn, wieviele Theaterstücke es in Frankreich gäbe. 6000; das ist viel, meint Candide. Wieviele davon sind gut? 16; das ist viel, sagt Martin. Nach der Vorstellung gehen sie zu einer Marquise, die ein Kasino betreibt, wo Candide viel Geld verliert. Bei einem Nachtessen, bei dem viel über Literatur gestritten wird, lernt Candide einen Philosophen kennen, der von Pangloss' Lehre gar nichts hält. Während Martin mit dem Philosophen weiterstreitet, nimmt die Marquise Candide geschickt alle Diamanten ab. Auf dem Heimweg lässt der hinterliste Abbé Candide seine Geschichte erzählen. Mit einem erfundenen Liebesbrief lockt ihn der Abbé am nächsten Tag in ein Hotel, wo er ihm viel Geld klaut und ihn verhaften lässt. Schliesslich führt ihn ein Normanne nach Norden, wo ein Schiff nach England geht. 23: Martin erzählt Candide vom Krieg zwischen England und Frankreich, bei dem es um ein kleines Stückchen Land in Kanada gehe. Dieser Krieg koste die beiden Länder mehr als ganz Kanada wert sei (historisches Ereignis: 1756-63). In Portsmouth wird gerade ein Admiral grundlos hingerichtet. Candide ist so entsetzt, dass er nichts von diesem Land wissen will. Er kann sich mit dem holländischen Händler auf einen Preis für die Fahrt nach Venedig einigen. Immer noch voller Optimismus will er dort Cunégonde endlich wiedersehen. 24: Doch Candide kann seinen Diener Cacambo in ganz Venedig nirgends finden. Er bereut, dass er nicht in El Dorado geblieben ist und statt dessen in dieses verfluchte Europa zurückgekehrt ist. Martin meint, es sei doch sowieso lächerlich zu glauben, ein Mestize mit 5 Mio. in den Taschen würde eine Frau suchen und sie ihm nach Venedig bringen. Schliesslich sieht Candide einen Theatinermönch und eine Magd, die ein Liedchen singt und wettet mit Martin, diese seien glücklich. Sie laden die beiden zum Essen ein und in einem Nebenzimmer gibt sich die Frau als Paquette zu erkennen und erzählt Candide von ihrem Unglück. Nachdem sie von einem Franziskaner verführt wurde, musste auch sie das Schloss verlassen. Ein Arzt kurierte sie von ihrer Syphillis. Doch nach dessen Flucht kam Paquette ins Gefägnis, wurde vom Richter aber freigelassen und kam in die Prostitution, die sie nun in Venedig ausübt. Der Mönch, Bruder Giroflée, wurde als 15-jähriger ins Kloster geschickt und ist von diesem Leben so angewidert, dass er am liebsten alle Mönche versenken und das Kloster in Brand setzen würde. Aus Mitleid gibt Candide jedem der beiden einen grossen Geldbetrag, obwohl ihn Martin warnt, das mache die beiden auch nicht glücklicher. 25: Am nächsten Tag suchen Candide und Martin den Senator Pococurante auf, von dem gesagt wird, er nehme alle Ausländer freundlich auf und habe nie Kummer. Der Senator ist ein Snob, der viele Bilder besitzt obwohl er sie gar nicht schätzt. In der Bibliothek klagt er bei jedem Buch, wie schlecht es sei. Candide meint, der Senator sei ein weiser Mann, da ihm nichts gefalle, doch Martin sieht es realistischer: Der Senator ist zu bedauern, denn er ist von allem angewidert, was er besitzt. 26: Nach vielen Monaten klopft Candide beim Essen jemand über die Schulter. Es ist Cacambo, der inzwischen Sklave eines osmanischen Herrn geworden ist. Mit diesem Herrn und fünf weiteren abgesetzten Königen speist Candide an diesem Abend. Sie alle sind zum Karneval nach Venedig gekommen. Dem Ärmsten von ihnen schenkt Candide einen weiteren Diamanten. Martin meint, es gehe vielen Menschen weit schlechter als diesen ehemaligen Königen. 27: Cacambo richtet es ein, dass Candide und Martin mit seinem Herrn nach Konstantinopel reisen können, wo sich Cunégonde als Tellerwäscherin bei einem Transsilvaner aufhalte. Mit seinem Geld hat Cacambo zu einem horrenden Preis Cunégonde vom Gouverneur abgekauft; den Rest nahm ihm ein Pirat ab, der ihn mitschleppte und als Sklave verkaufte. Cunégonde sei ebenfalls verkauft worden und übrigens inzwischen sehr hässlich anzusehen. Nachdem Candide Cacambo freigekauft hat, fahren sie in einer Galeere nach Propontide. Dabei wird Candide auf zwei Galeerensklaven aufmerksam, die ständig streiten; es sind Pangloss und der vermeintlich tote Jesuit, der Bruder von Cunégonde. 28: Der junge Baron wurde geheilt, doch dann kamen die Spanier, die ihn ins Gefägnis von Buenos Aires steckten. Der Papst in Rom liess Gnade walten und so wurde er Hauskaplan des französischen Botschafters in Konstantinopel. Als er dort eines Tages ohne böse Gedanken ins Bad ging, kam er vor den Kadi, denn es ist verboten, dass sich Muslime und Christen nackt sehen. Pangloss wiederum wurde von einem Wundarzt gekauft, der seine Leiche aufschneiden wollte. Da er aber schlecht gehängt wurde, lebte er noch und nahm schliesslich eine Stelle als Lakai bei einem Malteserritter an, der ihn nach Venedig führte. Als der pleite ging, führte ihn ein venezianischer Handelsmann nach Konstantinopel, wo er vom Kadi ebenfalls zur Galeere verurteilt wurde. Sein einziges Vergehen war, dass er aus Neugier eine Moschee besucht hatte. Nun stritten der Baron und Pangloss darüber, wer die Strafe eher verdient. Candide kauft auch diese beiden frei, mit einem Diamanten, den er bei einem Juden zu einem schlechten Preis in türkisches Geld umwandelt. 29: Als Candide Cunégonde wiedersieht, ist sie tatsächlich potthässlich, doch aus Takt sagt es ihr keiner. Candide kauft auch sie und die Alte frei, die empfiehlt, vorläufig in einen verlassenen Meierhof in der Nähe zu ziehen. Cunégonde mahnt Candide an sein Heiratsversprechen, doch als ihr Bruder das erfährt, wird er wieder ganz cholerisch; entweder heirate sie einen deutschen Baron oder niemanden. 30: Schliesslich beschliessen Candide, Pangloss, die Alte, Cacambo und Martin, den Baron wieder dem Galeerenkapitän zurückzugeben, der ihn ja nach Rom bringen kann. Nach der Heirat von Candide und Cunégonde geht es nicht besser. Candide geht das Geld aus, weil er von Juden betrogen wird, Cunégonde wird zänkisch und unausstehlich, die Alte kränkelt und ist noch schlechter gelaunt, Cacambo arbeitet im Garten, Pangloss ist verzweifelt, weil er nicht an einer deutschen Universität Blödsinn verzapfen kann; nur der pessimistische Martin erträgt sein Los mit Demut. Als Pangloss und Candide einen weisen Derwisch aufsuchen, schlägt der ihnen die Tür vor der Nase zu. Schliesslich speisen sie bei einem alten Greis, der mit seinen zwei Söhnen und zwei Töchtern ein paar Morgen Land bewirtschaftet. Der Alte rät ihnen, zu arbeiten und nicht zuviel zu denken. Denn Arbeit halte ihnen drei Übel vom Leib: Langeweile, Laster und Not. Candide hält das für eine gute Idee und so schickt sich die Gemeinschaft, zu der inzwischen noch Paquette und Frère Giroflée stiessen, die ihr Geld wie Martin es prophezeite bald verprasst hatten, in die Arbeit als Farmer. Es stellt sich heraus, dass Cunégonde eine gute Kuchenbäckerin ist, Paquette kann gut sticken, die Alte macht die Wäsche und der Mönch wird ein guter Schreiner. Nur Pangloss lässt noch ab und zu ein paar philosophische Bemerkungen fallen, doch selbst Candide kann ihn nicht mehr ernst nehmen, da er selbst zugegeben hat, dass er als Philosoph nur noch diese Dinge über die beste Welt sage, es aber nicht mehr glaube. Das Buch endet mit Candides Worten: «Il faut cultiver notre jardin.»
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«Zufall ist ein Wort ohne Sinn, denn nichts kann ohne Ursache existieren.»
«In den meisten Fällen ist die Todesursache eines Menschen sein Leben.»
«In der einen Hälfte des Lebens opfern wir unsere Gesundheit, um Geld zu erwerben. In der
anderen Hälfte opfern wir Geld, um die Gesundheit wiederzuerlangen.»
«Alles, was zu dumm ist, um gesprochen zu werden, wird gesungen.»
«Wenn Sie einen Schweizer Bankier aus dem Fenster springen sehen, springen Sie hinterher. Es gibt bestimmt etwas zu verdienen.»
«Der Mensch war im allgemeinen immer, was er ist. Das bedeutet nicht, dass er immer schöne Städte besass, 24-Pfund-Kanonen, komische Opern und Nonnenklöster. Aber immer wohnte ihm der Trieb inne, sein Innenleben zu lieben, seine Gefährtin, Kinder und seiner Hände Werk.»